Streit um NFL-Proteste
Trump verprellt seine Getreuen

Robert Kraft ist Milliardär, Besitzer des Football-Teams New England Patriots – und eifriger Anhänger Donald Trumps. Doch die Kritik des US-Präsidenten an den Rassismus–Protesten bringt selbst Kraft gegen Trump auf.
  • 0

New YorkEr gehört zu den größten Fans von Donald Trump. Mehr als eine Million Dollar hat Robert Kraft dem Präsidenten für dessen Wahlkampf gespendet. Doch im jüngsten Streit über die Proteste der Spieler während der Nationalhymne hat sich der Besitzer des amerikanischen Football-Teams New England Patriots gegen den starken Mann im Weißen Haus gestellt. Der hatte die Teamchefs aufgefordert ihre Spieler zu feuern, wenn sie während der Hymne knien statt zu stehen. Viele, meist afro-amerikanische Spieler hatten damit gegen die Polizeigewalt gegen Schwarze protestiert.

„Ich bin zutiefst enttäuscht von dem Ton der Kommentare des Präsidenten vom Freitag“, schreibt Kraft in seiner Stellungnahme. „Es gibt nichts, was die Menschen mehr zusammenbringt als Sport, und leider nichts, was sie mehr entzweit als Politik“, heißt es weiter. „Ich denke, unseren politischen Führungspersönlichkeiten könnten viel lernen von den Lektionen des Teamworks und wie wichtig es ist, zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Unsere Spieler sind intelligent, gedankenvoll und sorgen sich zutiefst um unsere Gesellschaft und ich unterstütze sie in ihrem Recht, sozialen Wandel friedlich zu unterstützen und die Aufmerksamkeit zu erwecken auf eine Art, die nach ihrer Einschätzung am effektivsten ist.“

Für den Verpackungsunternehmer mit Abschlüssen an der Columbia University und der Harvard Business School war die Kritik an Trump kein leichter Schritt. Schließlich zählt er den Präsidenten zu seinen persönlichen Freunden. Als er seine Frau im Jahr 2011 verloren hatte, kam Trump nach Boston in die Synagoge zur Beerdigung, wie er selbst einmal erzählte. Ein Jahr lang rief der damalige Immobilienunternehmer Trump jede Woche an, um seinen Freund aufzumuntern oder ihn einzuladen. Den Sieg beim Super Bowl feierte Kraft im Weißen Haus.

Mit seiner Stellungnahme distanziert sich Kraft nun von seinem Freund. Dabei hatten seine Spieler bis zu diesem Wochenende kein einziges Mal gekniet. Am Sonntag taten es viele zum ersten Mal. So wie bei vielen anderen Teams. Sie drückten damit auch Solidarität aus mit anderen Spielern, die nach den Worten Trumps „gefeuert“ werden sollten. Viele ärgert, dass Trump bisher nicht auf den Grund der Proteste – etwa die Polizei-Gewalt gegen Schwarze – eingegangen ist und werfen ihm vor, ein Rassist zu sein.

Trump weist das von sich und twitterte am Montag morgen: „Die Frage des Knieens hat nichts mit Rasse zu tun. Es geht um Respekt für unser Land, unsere Flagge und unsere Nationalhymne. NFL muss das respektieren!“

Mit seinen Äußerungen hat Kraft sich längst nicht nur Freunde gemacht. Viele Fans beschimpften ihn in den sozialen Medien. Doch der Patriots-Besitzer will seine Kritik nicht als mangelnden Patriotismus missverstanden wissen. Deshalb legte er am Sonntagabend nach dem Sieg seiner Mannschaft gleich mit mehreren Tweets nach. Einer zeigt ein Foto mit ihm, Donald Trump und dem Coach der Mannschaft: „Danke für alle, die Ihr Eure Meinung gesagt habt. Coach Belichick und ich stehen 100% hinter Präsident Trump und werden kämpfen, um Amerika wieder groß zu machen.“

In einem anderen macht er noch einmal klar, dass keiner an seiner Vaterlandsliebe zweifeln soll: Zu einem Foto des Sternenbanners twittert Kraft: „Ich liebe Amerika und alles, was es mir und den Patriots gegeben hat. Land der Freien und Heimat der Mutigen. Wer stimmt mir zu?“ Ob das reicht, den Präsidenten zu besänftigen?

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Streit um NFL-Proteste: Trump verprellt seine Getreuen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%