Streit um Olympia-Outfits
Des Amerikaners chinesische Kleider

Chinesen haben die Olympia-Kleidung der USA produziert. Ein Skandal, finden die Amerikaner – schließlich entgeht ihrer Wirtschaft ein Milliardengeschäft. Ein Politiker forderte jetzt, die Outfits zu verbrennen.
  • 0

WashingtonUS-Politiker und Prominente sind erzürnt: Ausgerechnet das amerikanische Olympiateam soll Uniformen tragen, die in China hergestellt wurden. Zwar hat der US-Designer Ralph Lauren die blauen Blazer und weißen Hosen der Sportler für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London entworfen, aber sie sind in China produziert worden, wie US-Medien am Freitag (Ortszeit) berichteten. Spitzenpolitiker schimpften über die Entscheidung des nationalen Olympia-Komitees.

„Es ist beschämend, dass unsere amerikanischen Sportler während der Olympischen Spiele in China gefertigte Uniformen tragen werden“, sagte der demokratische Kongressabgeordnete Steve Israel in einer Mitteilung. Der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, meinte im US-Fernsehen, das Olympia-Komitee „solle sich schämen“. Man solle „alle Outfits nehmen, sie auf einen großen Haufen werfen und sie verbrennen und noch einmal ganz von vorn anfangen“.

Der Modehersteller reagierte prompt und gelobte Besserung. Wenige Wochen vor Beginn der Spiele in London solle die Kleidung zwar nicht verbrannt werden. Aber bei den Winterspielen 2014 will er es besser machen. Dann soll die Sportlerkleidung auch in den USA hergestellt werden, zitierte die „Los Angeles Times“ das Unternehmen.

Der US-Wirtschaft entgehe mit der Verlagerung der Produktion nach China insgesamt ein Milliardengeschäft, lautet einer der Vorwürfe. Die Kleidungsstücke und Accessoires sind auch im Handel erhältlich und kosten zwischen 55 (45 Euro) und 795 Dollar.

Ein Sprecher des Komitees verteidigte die Entscheidung mit der Begründung, dass das amerikanische Olympiateam privat finanziert wird. Man sei dankbar für die Unterstützung durch Sponsoren und stolz auf die Zusammenarbeit mit Ralph Lauren.

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte zwar, dass der Herstellungsort der Olympia-Outfits kein Thema der Regierung sei. Doch US-Präsident Barack Obama glaube an „die hohe Qualität amerikanischer Produkte“ - das beinhalte auch in den USA hergestellte Kleidung.

Die betroffenen Olympia-Sportler nehmen die Sache offensichtlich gelassener. „Wir leben in einer globalen Welt“, sagte US-Beachvolleyballer Todd Rogers der Onlineausgabe von „USA Today“. Es gebe Wichtigeres, als die Frage, wo Ralph Lauren seine Klamotten herstellen lasse. Nach Angaben des TV-Senders CNN haben auch schon andere Länder ihre Olympia-Outfits in China fertigen lassen, unter anderem Kanada und Australien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit um Olympia-Outfits: Des Amerikaners chinesische Kleider"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%