sonstige Sportarten
Streit zwischen Franke und Iaaf spitzt sich zu

Der Leichtathletik-Weltverband Iaaf hat den Wissenschaftler Werner Franke aufgefordert, seine Vorwürfe zurückzunehmen oder Beweise zu erbringen. Franke hatte die Dopingkontrollen des Iaaf kritisiert.

Der Leichtathletik-Weltverband Iaaf führt derzeit eine heftige Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftler Werner Franke, der das Dopingkontrollsystem hart kritisiert hatte. Der Heidelberger wurde nun von der Iaaf aufgefordert, seine Dokumente offen zu legen. "Es ist doch deutlich, das er vom Thema Doping in der Leichtathletik besessen ist. Es muss sehr traurig sein, wenn man an jeder Ecke Gespenster sieht", sagte Iaaf-Sprecher Nick Davies dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Der Weltverband gebe ein Vermögen für die Kontrollen aus und sei engagierter als jeder andere Sportverband. Davies: "Herr Franke unterstellt allen Athleten Doping, auch wenn gegenteilige Beweise vorliegen. Die große Mehrheit der Athleten ist sauber. Er will das einfach nicht wahr haben. Für ihn ist jeder schuldig, und er glaubt an eine Verschwörung der Iaaf mit anderen, um all das zu vertuschen."

Wenn Franke glaube, spezifische Informationen und Dokumente über Doping-Labore oder Händler zu haben, dann solle er sie dem Verband vorlegen. "Wir teilen seinen Hass gegenüber Doping. Deshalb weiß ich nicht, warum er seine Informationen nicht mit uns teilen will. Vielleicht zieht er aber die Öffentlichkeit vor, die er durch Attacken gegen die Iaaf bekommt", erklärt Davies.

"Verband ist korrupt"

Franke erklärte dem sid, er wolle hingegen Dokumente nicht zu früh oder ohne entsprechende Absicherung vorbringen. Vor allem sei die Iaaf kein geeigneter Adressat. "Der Verband ist nachweislich korrupt. Da wird die Wahrheit nach wie vor verschleiert. Wie kann ich mich mit denen unterhalten, die sich mit den Tätern solidarisieren", sagte Franke, der seit Jahren mit US-Gerichten zusammenarbeitet.

Weder die Iaaf noch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hätten laut Franke beispielsweise vor drei Jahren reagiert, als den Verbänden Unterlagen über Manipulationen bei Dopingproben ungarischer Werfer vorgelegt worden seien. Bei Olympia in Athen 2004 wurde dem ungarischen Diskuswerfer Robert Fazekas wegen einer manipulierten Dopingprobe Gold aberkannt.

"Beleidigende Unterstellungen"

Iaaf-Vizepräsident Helmut Digel hält die Aussagen Frankes für pauschale Vorurteile. "Das sind beleidigende Unterstellungen, die Herr Franke hier verbreitet. Aber das überrascht mich bei ihm auch nicht sehr. Es lohnt sich eigentlich gar nicht, darauf einzugehen." Auch Digel spielt den Ball an Franke zurück und fordert ihn auf, entsprechende Unterlagen vorzulegen, "damit juristische Maßnahmen ergriffen werden können".

Der in Doping-Prozessen immer wieder erfolgreiche Franke hatte unter anderem behauptet, gerichtliche Akten zu besitzen, die nach der spektakulären Balco-Affäre die Existenz zweier weiterer Doping-Labore in den USA und Osteuropa belegen. Die Doping-Kontrollen der Iaaf auch bei der WM in Helsinki bezeichnete er als eine Farce und Vertuschungsmethoden unter Athleten als gängige Praxis.

Etwas überrascht über das deutliche Urteil Frankes zum Kontrollsystem der Iaaf zeigt sich Roland Augustin, Geschäftsführer der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada). "Eine derart abschließende Bewertung über die Kontrollen der Iaaf traue ich mir nicht zu, weil ich die genauen Zahlen und Vorgehensweisen einfach nicht kenne. Und ich glaube kaum, dass Herr Franke seine Aussagen bei genauer Betrachtung wird halten können", sagt Augustin.

Goldtrainer Kollark stimmt Franke zu

Iaaf-Sprecher Davies behauptet indes, Franke sei "nicht der Experte, für den er sich ausgibt". So seien die unmittelbar vor den Wettkämpfen durchgeführten Bluttests sehr effektiv, um zum Besipiel Epo aufzuspüren. Franke hatte die Termine der Kontrollen kritisiert und vor allem Tests auf Steroide für die Trainingszeit vor Wettkämpfen gefordert. "Es stimmt, dass die Steroid-Tests im Training durchgeführt werden müssen. Deshalb führt die Iaaf ja auch unangemeldete Kontrollen bei allen Top 20 Athleten in allen Disziplinen durch", sagt Davies.

Zum Thema Trainingskontrollen hat auch Trainer Dieter Kollark, der Diskus-Werferin Franka Dietzsch in Helsinki zu WM-Gold führte, seine ganz eigene Meinung. "Die Dopingkontrollen werden von nationalen Kontrolleuren in deren eigenem Land durchgeführt. In dem einen oder anderen Land mag das korrekt ablaufen, aber nicht bei allen. Dann gewinnen bei den Höhepunkten plötzlich Athleten, die vorher bei einem kleinen Abendsportfest um Meter weniger geworfen oder gestoßen haben und es anschließend wieder tun", sagte Kollark dem sid.

© SID

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