Studie belegt ökonomischen Nutzen
Olympia-Bewerbung treibt Wirtschaft an

Bewerbung ja, Austragung nein: Wenn die Olympischen Spiele 2018 nicht nach München kommen wäre das gut - zumindest ökonomisch betrachtet. US-Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass die Bewerber-Städte finanziell enorm von der Olympiakandidatur an sich profitieren - ganz im Gegensatz zur tatsächlichen Austragung der Spiele.

KÖLN. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte sie zur „nationalen Aufgabe“, nun stellt sich auch die Sportprominenz hinter Münchens Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018. Die Stadt hat 60 Medaillengewinner als Unterstützer gewonnen – darunter Biathletin Kati Wilhelm, Skispringer Jens Weißflog und Eisschnellläuferin Anni Friesinger.

Am 6. Juli 2011 legt das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Ausrichtungsort der Spiele fest. Die Bewerbungsfrist läuft bis Mitte Oktober. Außer München wollen bisher nur Annecy in Frankreich und Pyeongchang in Südkorea kandidieren. Das geringe Interesse verwundert, denn glaubt man einer Studie aus den USA, lohnen sich Olympia-Bewerbungen selbst dann, wenn eine Stadt nicht den Zuschlag erhält.

Die Autoren Andrew Rose von der Universität von Kalifornien und Mark Spiegel von der Notenbank San Francisco Federal Reserve fanden heraus, dass Bieter-Städte einen Export-Schub von 30 Prozent erreichen – ähnlich dem der Austragungsorte. „Es ist die Bewerbung an sich, die mit einer gesteigerten Auslands-Orientierung einhergeht, nicht die tatsächliche Austragung“, schreiben die Autoren. Die gesteigerten Exporte resultierten nicht aus dem Infrastrukturausbau für ein Großereignis, sondern daraus, dass ein Staat seine ökonomische Offenheit demonstriere.

Wirtschaftsmotor Olympia-Kandidatur? Holger Preuß, Sportökonom an der Uni Mainz, hält die US-Studie für technisch einwandfrei. „Den größten ökonomischen Effekt erreichen die Bewerber tatsächlich über die Signalwirkung“, sagt er. Sie verleihe München im Wettbewerb mit Berlin und Hamburg und in der Region mit Innsbruck und Salzburg größeres Gewicht. „München signalisiert, dass es ein Großereignis stemmen kann“, sagt Preuß. „Die Städte in der zweiten Liga müssen sich als Nebenknotenpunkte zu den Metropolen etablieren. Das funktioniert über große Flughäfen, wichtige Messen oder eben Großereignisse, bei denen die Olympischen Spiele die größte Imagewirkung entfalten.“

Die US-Forscher halten auch fest, dass die Austragung selbst hingegen keineswegs immer positiv zu bewerten ist. „Unser Modell sagt voraus, dass die Kandidaten es sogar bedauern, wenn sie zur Gastgeberstadt werden“, sagt Wissenschaftler Rose. Die ökonomischen Effekte der Spiele seien alles andere als eindeutig.

Bewerbung ja, Austragung nein – klar ist: Eine Olympia-Stadt muss mit hohen Kosten rechnen, die regelmäßig die Planungen übertreffen. Beispiele gibt es viele: Athen rechnete 1997 nach der Vergabe der Spiele für 2004 mit Ausgaben von 1,25 Mrd. Euro. Schließlich kostete das Ereignis fast sechs Mrd. Euro. Weiter lag Montreal daneben: Die Kosten für die Spiele 1976 sollten 120 Mio. Kanadische Dollar betragen – doch es wurden mit 1,2 Mrd. zehnmal so viel.

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