Super Bowl: Anpfiff zum Milliarden-Finale

Super Bowl
Anpfiff zum Milliarden-Finale

Wer nach dem Super Bowl den Pokal bekommt, ist noch nicht klar. Doch beim Finale im American Football steht ein Gewinner schon fest: die Wirtschaft. Der Umsatz geht in die Milliarden – mit Trikots, Bier und Werbespots.
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HoustonLange Bärte, dicke Muskeln, Lederjacken – die Männer in der Bar sehen aus wie Rocker von den Hells Angels. Allerdings ein wenig älter und gesetzter, wie man an den grauen Haaren und dicken Bäuchen sieht. Einer von ihnen setzt eine Lesebrille auf, um „Born To Be Wild“ von Steppenwolf in der Musikbox zu wählen.

Dann wird in diesem Werbespot Peter Fonda in Szene gesetzt: Auch der Schauspieler ist ein wenig älter geworden, sein Kultfilm „Easy Rider“ ist vor fast einem halben Jahrhundert gemacht worden. Statt mit dem Motorrad braust er jetzt mit einem AMG-Mercedes GT Roadster davon. „Built To Be Wild“ steht darunter.

Diese Produktion des Autoherstellers Daimlers kostete ein Heidengeld. Nicht nur ist Star Fonda mit dabei, auch führten die Coen-Brüder Regie, die durch Filme wie „Fargo“ oder „No Country for Old Men“ berühmt wurden. Am teuersten aber ist die Sendezeit: Mehr als fünf Millionen Dollar für 30 Sekunden im Super Bowl.

Wenn am Sonntag das 51. Finale in der Meisterschaft des American Footballs ansteht, dann klingelt die Kasse kräftig. Mehr als 100 Millionen Menschen schauen sich weltweit das Spiel zwischen den Atlanta Falcons und New England Patriots an, die mit am meist gesehene Sportveranstaltungen der Welt. Nach Zahlen des US-Einzelhandelsverbands belaufen sich die Gesamteinnahmen für den Super Bowl auf unglaubliche 14 Milliarden Dollar.

Das Spiel findet in Houston statt. Dort reiben sich nicht nur die Hoteliers und Gastwirte die Hände. Nach Schätzung des Organisationskomitees kommen insgesamt 140.000 Menschen in die texanische Stadt, obwohl nur etwas mehr als die Hälfte in das NRG Stadium passen. Die Besucher kommen wegen der Partys, Konzerte und vielen anderen Nebenveranstaltungen, die seit einer Woche laufen. Die Veranstalter schätzen die Einnahmen für die Stadt auf insgesamt 350 Millionen Dollar.

Das Spiel versetzt das ganze Land in einen Ausnahmezustand. Rund ein Drittel aller Amerikaner schaut sich das Spiel an. Aber selten allein: Traditionell lädt man Freunde und Familie ein, kauft nicht selten eigens dafür einen neuen Fernseher. Laut US-Einzelhandelsverband werden vor dem Super Bowl fast neun Millionen neue TV erworben.

Die Gäste bewirten die Amerikaner dabei festlich. Im Schnitt gibt ein US-Haushalt für den Abend etwas mehr als 82 Dollar für Essen, Dekoration oder Trikots aus. Dazu kommt noch eine unerlässliche Ausgabe: Laut der US-Marktforschung IRI geben Amerikaner allein für Bier 600 Millionen Dollar aus, für Schnaps und Wein machen noch mal 110 Millionen Dollar.

Das hohe Interesse der Zuschauer lockt seit vielen Jahren Unternehmen wie Daimler, die immer höhere Preise für Werbung in den Spielpausen zahlen. Allein im vergangenen Jahrzehnt verdoppelte der sich auf fünf Millionen Dollar für eine halbe Minute. Insgesamt geben Audi, Mercedes oder Budweiser an diesem Abend fast 400 Millionen Dollar aus.

Die Zahlungswilligkeit hat seinen Grund: Die Werbung ist für viele Zuschauer fast genauso interessant wie das Spiel selbst. So sid sie deutlich länger als traditionelle TV-Spots, erzählen nicht selten kleine witzige Geschichten oder sind wie bei dem von Mercedes voller Anspielungen und berühmter Schauspieler. Der Effekt: Amerikaner reden am nächsten Tag über die Werbung, was ihre Wirksamkeit um ein Vielfaches erhöht.

Das meiste Geld aber wird in Las Vegas und auf Websites ausgegeben. Insgesamt wetten Menschen vier Milliarden Dollar auf den Ausgang des Spiels – laut der US-Vereinigung für Glücksspiel sind davon 97 Prozent illegal.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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