Super Bowl
Katy Perry, wilde Tiere – und das Ei

Millionen für einen Werbespot und Stars bei der Halbzeitshow: Der Super Bowl in der Nacht in den USA ist ein Riesengeschäft, von dem viele profitieren. Und bei all der Unterhaltung wird der Football fast zur Nebensache.
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DüsseldorfWährend Football in Deutschland weiterhin ein trauriges Nischendasein fristet, wird die Sportart rund ums „Ei“ in den USA in der Nacht von Sonntag auf Montag das allbestimmende Thema sein. Denn dann steigt der Super Bowl, das Finale der Profiliga NFL, in Glendale/Arizona.

Im letzten Jahr sahen laut Statistik im Schnitt 111 Millionen Amerikaner zu – in Wirklichkeit dürften es noch weitaus mehr gewesen sein. Doch selbst dort schalten laut einer neuen Studie nur fast 50 Prozent der Leute für das sportliche Event ein – der Rest will einfach nur die Werbung sehen.

Und die wird immer teurer. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Preis pro Werbeminute um satte 75 Prozent an, in diesem Jahr müssen Firmen für dreißig Sekunden Werbung 4,5 Millionen Dollar auf den Tisch legen. Das sind noch einmal 500.000 Dollar mehr als noch im Vorjahr.

Auf den ersten Blick sind das unglaubliche Summen, wie gesagt, für nur 30 Sekunden Werbung. Doch es lohnt sich. Ein Beispiel dafür ist der Autobauer Chrysler. Ab 2007 brachte die Finanzkrise das Unternehmen nicht nur ein mal ganz nah an den Bankrott. Doch seit 2011 beim Super Bowl auch Chrysler-Werbung läuft, verkauft die Firma doppelt so viele Autos wie zuvor.

Wie viele Autohersteller setzt Chrysler dabei auf Stars, um maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. So werden die kurzen Spots immer aufwendiger und teurer. Längst sind oft Regisseure am Werk, die sonst in Hollywood ihr Geld verdienen.

Je mehr Stars und je skurriler die Spots, desto besser. Oft liegt das Budget bereits bei weit über einer Million Dollar. Die echten Spots werden dabei mittlerweile schon oft mit kurzen Schnipseln angeteasert. Werbung für Werbung also.

Aus deutscher Sicht interessant ist das Super-Bowl Comeback von BMW. Der bayrische Autobauer kehrt nach vier Jahren Pause zurück auf die wohl größtmögliche Werbebühne. Im Spot zu sehen sind die beiden NBC-Moderatoren Katie Couric und Bryant Gumbel.

Die beiden schrieben Fernsehgeschichte, als sie 1994 ihren Zuschauern zur Kontaktaufnahme als Alternative zum geschriebenen Brief erstmals auch eine Email-Adresse anboten. Dafür erklärten sie erstmal, was „dieses Internet“ eigentlich ist.

Für BMW sitzen die beiden nun hinterm Steuer des Elektroautos i3 – und wundern sich über das futuristische Gefährt. Die Botschaft am Ende: „Große Ideen brauchen ein bisschen länger, bis man sich an sie gewöhnt.“

Der Clip ist eine Minute lang, macht also alleine für die Ausstrahlung Kosten in höhe von neun Millionen Dollar. Ob BMW mit dem Spot tatsächlich SUV-süchtige Amerikaner zum Kauf eines Elektroautos im Golf-Format überzeugen können, bleibt fraglich. Doch wenn, dann mit Werbung beim Super Bowl.

Und wenn es keine Stars sind, dann sind es oft putzige Tiere. Doch die große Aufmerksamkeit rund um den Super Bowl ruft auch schnell Protest gegen die ein oder andere Idee hervor. So wollte der Domainregistrar „Go Daddy“ in diesem Jahr mit kleinen Golden-Retriever-Welpen werben, von denen einer im Spot von einem Truck fällt und sich danach tapfer wieder nach Hause kämpft – nur um dann festzustellen, dass seine Besitzerin ihn bereits über's Internet verkauft hat.

Das Ganze ist eine satirische Anspielung auf die sehr erfolgreiche Budweiser-Werbung „Puppy Love“ aus dem vergangenen Jahr. Tierschützer fanden das Werk „Journey Home“ jedoch gar nicht lustig. Unter dem Hashtag #GoDaddyPuppy entbrannte eine Diskussion, auf der Plattform Change.org unterzeichneten über 40.000 Leute eine Petition gegen die Ausstrahlung des Clips.

Mit Erfolg, „Go Daddy“ zog den Spot zurück. Auf dem Unternehmensblog hieß es dazu: „Wir haben die emotionale Wirkung des Spots unterschätzt.“ Ob das nun wirklich ein PR-Desaster für das Unternehmen ist, kann man nicht mal sagen. Schließlich brachte auch der Konflikt kurz vor dem Super Bowl ordentlich Aufmerksamkeit ein.

Dabei bietet der Football die perfekte Bühne für Werbung. Die Sportart ist so kommerzialisiert, dass die Spiele von den Schiedsrichtern so lange pausiert werden, bis die Werbung im Fernsehen zu Ende ist. Nach jedem Spielzug (meist dauern die nicht mehr als ein paar Sekunden) gibt es eine Unterbrechung, in die dann oft ein Spot passt.

Während die Amerikaner die Pausen bei normalen Ligaspielen oft für den Gang zum Kühlschrank und/oder Klo nutzen, bleiben sie beim Super Bowl gespannt sitzen. Am Tag danach wird in so manchem Büro mehr über die Werbespots als das Spiel an sich gesprochen.

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Katy Perry, wilde Tiere – und das Ei

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Katy Perry und Lenny Kravitz beim Super Bowl

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