
Am Sonntag ist es wieder so weit. Geschätzt 111 Millionen Menschen werden allein in den USA vor dem Fernseher sitzen und sich das Endspiel um die Football-Meisterschaft in Indianapolis anschauen. Einige davon schalten sich auch außerhalb der USA ein, der Super Bowl entwickelt sich zum globalen Spektakel. Es spielen die New York Giants gegen die New England Patriots aus Massachusetts.
Es wird viel gekämpft werden, auf dem Platz. Aber außerhalb herrscht wenig Konkurrenz. In Amerika wird oft und gern der Ökonom Joseph Schumpeter mit seiner kreativen Zerstörung im Kapitalismus zitiert. Doch im Sport will man davon nichts wissen. Weder im Football noch im Baseball oder Basketball können Mannschaften absteigen. Es gibt nicht wie in Europa eine zweite oder noch tiefere Liga. In den USA ist ein TSG 1899 Hoffenheim mit seinem sagenhaften Aufstieg von der Kreisklasse in die Bundesliga undenkbar. Wer einen Klub gründen will, hat Pech gehabt: Es herrscht geschlossene Gesellschaft.
1975, 1976, 1979, 1980, 2006, 2009
1972, 1978, 1993, 1994, 1996
1982, 1985, 1989, 1990, 1995
1967, 1968, 1997, 2011
1987, 1991, 2008
2002, 2004, 2005
1977, 1981, 1984
1983, 1988, 1992
Die Konsequenz: Inkompetenz wird nicht bestraft, Spieler werden nicht abgegeben, es mangelt an Drama. Wer es allzu bunt treibt, muss den Laden verkaufen. Wie damals im Baseball, als die Dodgers 1958 von Brooklyn nach Los Angeles verlegt wurden – was noch heute Fans das Herz zerbricht. In allen Ligen herrscht eine Wust von Vorschriften, sei es über die Spielerlöhne – die sind beispielsweise in der Summe festgeschrieben –, oder wer wie viel Geld von wem wann bekommt. Beispiel Super Bowl: Obwohl ein Medienspektakel von Weltklasse, zahlen die beiden teilnehmende Mannschaften drauf. Das Geld kassiert die National Football League (NFL), um es unter den 32 Klubs aufzuteilen. „Das ist die sozialistische Sportliga aller Zeiten“, kommentierte einmal Allen Sanderson, Ökonom von der University of Chicago.
6 Prozent mehr Amerikaner melden sich am Tag nach dem Super Bowl krank.
20 Prozent mehr Kopfscherztabletten werden am Montag nach dem Finale abgesetzt. In den USA spricht man von "Super Bowlitis".
50 Millionen Dollar werden in diesem Tag in Essen investiert. Für die Nahrungsmittelindustrie ist der Super Bowl nach Thanksgiving der zweitwichtigste Tag im Jahr.
120 Millionen Liter Bier fließen die durstigen Kehlen hinunter, damit die Chips und das Popcorn nicht zu trocken sind.
150 Millionen Fans in der Spitze und 111 Millionen Fans im Schnitt sehen das Spektakel in den USA an den heimischen TV-Geräten. Weltweit schauen sogar 800 Millionen Menschen zu. Unter den TopTen der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern in den USA sind acht Super-Bowl-Partien.
150 goldene mit mit Diamanten besetzte Super-Bowl-Ringe werden jährlich an das Siegerteam verteilt. Der Wert eines Rings beträgt in etwa 5000 Dollar.
206 Millionen Dollar generiert die NFL am Super-Bowl-Sonntag. Ein 30-Sekunden-Spot kostet bis zu drei Millionen Dollar. Doch die Firmen zahlen gerne und produzieren ihre Werbungen eigens für den Super Bowl.
250 Millionen Dollar werden von den Fans in Super-Bowl-Fanartikel gesteckt.
600 Dollar kostet ein Parkticket rund um das Lucas Oil Stadium in Indianapolis.
700 Dollar zahlt man für ein Ticket beim Public Viewing vor dem Stadion.
2000 Dollar kostet die billigste Eintrittskarte. Nach oben sind dem Preis-Wahnsinn kaum Grenzen gesetzt. Für eine feine Loge blättert man schnell mal sechsstellige Beträge hin.
4000 Tonnen Popcorn verschlingen die Amerikaner am Super-Bowl-Sonntag.
14.000 Tonnen Chips werden darüber hinaus noch vertilgt.
20.000 Tonnen Guacamole (Avocado-Dip) werden zubereitet, damit die Chips auch ordentlich eingetunkt werden können. Das entspricht im Avocado-Anbau etwa 222.792 Football-Feldern.
25.000 Dollar kostst die Vince-Lombardi-Trophy, die im Super Bowl ausgespielt wird. Ihr ideeller Wert ist natürlich unbezahlbar.
Immerhin haben dadurch beim Football auch kleine Mannschaften wie die Green Bay Packers eine Chance, die im vergangenen Jahr den Superbowl gewannen und aus einer Kleinstadt mit 102 000 Einwohnern stammen – das waren übrigens 3000 weniger als Zuschauer im Stadium saßen. Schlimmer ist die Sache beim Baseball und Basketball: Dort werden nicht nur Kartelle gebildet, sondern auch Monopole gesichert. So erhalten die Vereine gestaffelt nach den Zuschauerzahlen Anteile an den Fernsehrechten. Das zementiert die führende Position wie im Baseball von den New York Yankees auf ewige Zeiten. Das ist nicht nur unfair, sondern auch langweilig. Die Yankees errangen die US-Meisterschaft in ihrer Geschichte bereits 27 Mal. Auch beim Basketball ist es ewig das Gleiche, die San Antonio Spurs und Los Angeles Lakers gewannen zusammen genommen neun der vergangenen 13 Finalspiele.
Schumpeter verglich die ökonomischen Eliten mit einem Hotel, in dem die Zimmer von immer verschiedenen Gästen belegt werden. Das war in seinen Augen der Idealfall. Der amerikanische Sport läuft dagegen nach Prinzipien von Eigentumswohnungen. Man zieht ein und bleibt sein Leben lang.
Was für ein Nonsensartikel!
Schauen wir uns doch mal die Europäischen Fussballligen an:
Die Bundesliga wird seit 39 Jahren ausgetragen, die Bayern waren 22!!! mal Meister. Was sind da schon die 27 Titel der Yankees in 108 Jahren?
Oder die Eredivisie in Holland. Von 1965 - 2008 wurden alle Meisterschaften bis auf eine zwischen Ajax, PSV und Feyenoord ausgespielt.
In Italien (Juventus 27x Meister) oder Spanien (Real 31x Meister!!!) sieht es auch nicht besser aus.
Man sollte vielleicht zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus unterscheiden.
Der Nationalsozialismus lebt in Amerika. Er war schon immer da, ist ein Teil der us-amerikanischen Kultur bzw. ist die us-amerikanische Kultur.
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