Super Bowl XLVI: Der Sozialismus lebt in Amerika

Super Bowl XLVI
Der Sozialismus lebt in Amerika

Beim Super Bowl am Sonntag zeigen sich die USA von einer ungewohnten Seite: Weder beim Football noch in anderen Sportarten herrscht echte Konkurrenz. Denn es gibt weder Auf- noch Absteiger. Ein Kommentar.
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Am Sonntag ist es wieder so weit. Geschätzt 111 Millionen Menschen werden allein in den USA vor dem Fernseher sitzen und sich das Endspiel um die Football-Meisterschaft in Indianapolis anschauen. Einige davon schalten sich auch außerhalb der USA ein, der Super Bowl entwickelt sich zum globalen Spektakel. Es spielen die New York Giants gegen die New England Patriots aus Massachusetts.  

Es wird viel gekämpft werden, auf dem Platz. Aber außerhalb herrscht wenig Konkurrenz. In Amerika wird oft und gern der Ökonom Joseph Schumpeter mit seiner kreativen Zerstörung im Kapitalismus zitiert. Doch im Sport will man davon nichts wissen. Weder im Football noch im Baseball oder Basketball können Mannschaften absteigen. Es gibt nicht wie in Europa eine zweite oder noch tiefere Liga. In den USA ist ein TSG 1899 Hoffenheim mit seinem sagenhaften Aufstieg von der Kreisklasse in die Bundesliga undenkbar. Wer einen Klub gründen will, hat Pech gehabt: Es herrscht geschlossene Gesellschaft.

Die Konsequenz: Inkompetenz wird nicht bestraft, Spieler werden nicht abgegeben, es mangelt an Drama. Wer es allzu bunt treibt, muss den Laden verkaufen. Wie damals im Baseball, als die Dodgers 1958 von Brooklyn nach Los Angeles verlegt wurden – was noch heute Fans das Herz zerbricht. In allen Ligen herrscht eine Wust von Vorschriften, sei es über die Spielerlöhne – die sind beispielsweise in der Summe festgeschrieben –, oder wer wie viel Geld von wem wann bekommt. Beispiel Super Bowl: Obwohl ein Medienspektakel von Weltklasse, zahlen die beiden teilnehmende Mannschaften drauf. Das Geld kassiert die National Football League (NFL), um es unter den 32 Klubs aufzuteilen. „Das ist die sozialistische Sportliga aller Zeiten“, kommentierte einmal Allen Sanderson, Ökonom von der University of Chicago.

Immerhin haben dadurch beim Football auch kleine Mannschaften wie die Green Bay Packers eine Chance, die im vergangenen Jahr den Superbowl gewannen und aus einer Kleinstadt mit 102 000 Einwohnern stammen – das waren übrigens 3000 weniger als Zuschauer im Stadium saßen. Schlimmer ist die Sache beim Baseball und Basketball: Dort werden nicht nur Kartelle gebildet, sondern auch Monopole gesichert. So erhalten die Vereine gestaffelt nach den Zuschauerzahlen Anteile an den Fernsehrechten. Das zementiert die führende Position wie im Baseball von den New York Yankees auf ewige Zeiten. Das ist nicht nur unfair, sondern auch langweilig. Die Yankees errangen die US-Meisterschaft in ihrer Geschichte bereits 27 Mal. Auch beim Basketball ist es ewig das Gleiche, die San Antonio Spurs und Los Angeles Lakers gewannen zusammen genommen neun der vergangenen 13 Finalspiele.

Schumpeter verglich die ökonomischen Eliten mit einem Hotel, in dem die Zimmer von immer verschiedenen Gästen belegt werden. Das war in seinen Augen der Idealfall. Der amerikanische Sport läuft dagegen nach Prinzipien von Eigentumswohnungen. Man zieht ein und bleibt sein Leben lang.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

Kommentare zu " Super Bowl XLVI: Der Sozialismus lebt in Amerika"

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  • Was für ein Nonsensartikel!

    Schauen wir uns doch mal die Europäischen Fussballligen an:

    Die Bundesliga wird seit 39 Jahren ausgetragen, die Bayern waren 22!!! mal Meister. Was sind da schon die 27 Titel der Yankees in 108 Jahren?

    Oder die Eredivisie in Holland. Von 1965 - 2008 wurden alle Meisterschaften bis auf eine zwischen Ajax, PSV und Feyenoord ausgespielt.

    In Italien (Juventus 27x Meister) oder Spanien (Real 31x Meister!!!) sieht es auch nicht besser aus.

  • Man sollte vielleicht zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus unterscheiden.

    Der Nationalsozialismus lebt in Amerika. Er war schon immer da, ist ein Teil der us-amerikanischen Kultur bzw. ist die us-amerikanische Kultur.

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