Super-Quote für Kerner
Hoyzer zu weiteren Aussagen bereit

Die Hauptfigur des Manipulationsskandals in der Fußball-Bundesliga, Schiedsrichter Robert Hoyzer, hat dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) erneut Rede und Antwort gestanden. Derweil wird die Rolle von Oddset in der Affäre immer zwielichter.

HB ESSEN/HAMBURG. Hoyzer sagte einen Tag nach seinem umstrittenen TV- Auftritt bei Johannes B. Kerner am Mittwoch zum zweiten Mal beim DFB aus. Der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Rainer Koch, sagte, er habe Hoyzer am Morgen in der Essener Anwaltskanzlei von Stephan Holthoff-Pförtner im Beisein des Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert vernommen.

Dabei habe er Hoyzer zu allen derzeit anhängigen Einspruchsverfahren gegen die Wertung von Spielen verhört, sagte Koch. Über seinen Anwalt habe Hoyzer ihm mitgeteilt, zu weiteren Aussagen bereit zu sein, Insgesamt liegen dem DFB bislang Einsprüche gegen 13 Partien vor. Angaben zum Inhalt der Unterredung mit Hoyzer machte Koch nicht.

Unterdessen hat die Staatliche Lotterieverwaltung in München Äußerungen von DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle in der "Sport-Bild" widersprochen. Nelle hatte gesagt, dass der DFB erste Hinweise auf Manipulationen durch den im Wettskandal Hauptbeschuldigten Hoyzer im vergangenen August aus Rücksicht auf den Wettanbieter Oddset nicht weiter verfolgt habe.

Als Motiv nannte Nelle, dass Oddset nicht als gerade gewonnener nationaler Förderer der WM 2006 verprellt werden sollte. "Oddset hat uns damals auf Nachfrage gebeten, nichts zu unternehmen. Das ist von uns auch versprochen worden." In der Presseerklärung der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern hieß es nun: "Eine derartige Äußerung hat es von unserer Seite nie gegeben." Das Unternehmen forderte Nelle auf, die Erklärung umgehend zurückzunehmen oder Ross und Reiter zu nennen.

Mit der Vernehmung von Hoyzer durch das Sportgericht wurde die Grundlage geschaffen, um alle anliegenden Verfahren zügig zu bearbeiten. Am Freitag verhandelt das Gremium über den Einspruch des Hamburger SV gegen die Wertung des nachweislich von Hoyzer manipulierten DFB-Pokal-Erstrundenspiels beim SC Paderborn am 21. August 2004. Nach Angaben von Koch wird voraussichtlich ebenfalls bis Freitag über das individuelle Sportstrafverfahren gegen Hoyzer entschieden. Am kommenden Dienstag wird sich das DFB-Sportgericht mit der ebenfalls von Hoyzer verschobenen Zweitliga-Begegnung LR Ahlen gegen Wacker Burghausen vom 22. Oktober 2004 beschäftigen.

Hoyzer hatte über seinen Anwalt erklären lassen, dass er bei der mündlichen Verhandlung am Freitag nicht anwesend sein werde. Auf Grund einer Sonderregelung in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist es möglich, in derartigen Fällen Beschuldigte oder Zeugen bereits vor der eigentlichen Verhandlung zu vernehmen. Der 25-jährige Hoyzer hatte in seiner ersten Vernehmung am 21. Januar, zwei Tage nach der Anzeige gegen ihn, noch alle Vorwürfe abgestritten. Erst eine Woche später hatte er vor der Berliner Staatsanwaltschaft zugegeben, in Verbindung mit einer kroatischen Wett-Mafia mindestens vier Fußballspiele manipuliert zu haben.

Der von Hoyzer in der Affäre beschuldigte Bundesliga- Schiedsrichter Jürgen Jansen soll noch in dieser Woche vom Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert angehört werden. Laut Jansen soll die Befragung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen am Donnerstag erfolgen. Der "Passauer Neuen Presse" sagte der Essener Unparteiische, er wolle "mit reinem Gewissen" Position beziehen. Auch Torhüter Georg Koch vom MSV Duisburg und andere Zeugen werden laut DFB noch in dieser Woche vom Kontrollausschuss gehört werden.

Der TV-Auftritt von Hoyzer am Dienstagabend in der Talkshow von Johannes B. Kerner stieß auf heftige Kritik. "Ich fand's peinlich - einfach peinlich", sagte Werner Hackmann, Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL) kurz und knapp. "Ich warte nur noch darauf, dass er sich ein Schild umhängt mit der Aufschrift: Bin unschuldig", echauffierte sich DFB-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell.

Als Gewinner des Abends durfte sich Kerner fühlen. Dessen um Mitternacht ausgestrahltes Kreuzverhör des ehemaligen Schiedsrichters sahen 2,7 Mill. Zuschauer. Der Marktanteil lag bei 17,4 %. Im Schnitt hat die nach Johannes B. Kerner benannte Talkshow sonst einen Marktanteil von zwölf bis 13 %.

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