Super-Star Hecht: „Jeder ist bei uns heiß“
Absichtlich Außenseiter

Die Adler aus Mannheim zogen nur als Tabellensechster in die Eishockey-Play-offs der DEL ein - und überraschen dort nun als neuer Favorit.

BERLIN. Als am Dienstagabend in der Arena Nürnberg die Schlusssirene erklang, war der Unmut beim Großteil der 7400 Zuschauer groß. Frustriert pfiffen die Fans der Ice Tigers nach einem einseitigen Spiel. 4:0 hatten die Mannheimer Adler die Franken in deren Halle besiegt und führen somit in der Viertelfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 2:1 Siegen. Erstaunlich, schließlich waren die Adler nur als Hauptrundensechster in die Play-offs gegangen und hatten vor Beginn der Endrunde zudem fünfmal in Folge verloren. Wer hätte gedacht, dass Mannheim die Nürnberger derart in Schwierigkeiten bringen würde?

Stephane Richér zum Beispiel. Der Trainer der Adler gab nach dem Sieg in Nürnberg zu, dass sein Team sich in der Hauptrunde nicht mehr sonderlich angestrengt habe, als feststand, dass die Adler als Sechster in die Play-offs einziehen würden. "Wir haben zwei Wochen vor Ende der Hauptrunde mit der Vorbereitung auf die Play-offs begonnen", sagte er. "Deshalb haben wir in den letzten fünf Spielen kein gutes Eishockey gespielt." Jochen Hecht, Kapitän der Adler, der die Spielpause in der nordamerikanischen Profiliga NHL in seiner Heimatstadt überbrückt, spricht unverblümt von den Ambitionen seines Teams. "Jeder ist bei uns heiß", sagt Hecht. "Wir sind dem Schritt, Meister zu werden, näher gekommen, aber es ist noch ein langer Weg."

Ein Weg, den viele den Adlern vor der Saison durchaus zugetraut hatten: Das Team um Hecht, der einer von drei NHL-Spielern in Mannheim ist, ist prominent besetzt. Die Adler haben einen der höchsten Etats der Liga und mit dem ehemaligen Eigner des Software-Giganten SAP, Dietmar Hopp, einen der solventesten Mäzene. Mannheim war jahrelang der dominierende Club in der DEL und gewann seit deren Gründung 1994 als einziges Team viermal den Meistertitel. Ab kommender Saison spielen die Adler sogar in der modernsten Halle Europas: 14 000 Zuschauer werden in der SAP-Arena Platz finden. Nachdem der Club zweimal in Folge nicht in das Finale der DEL gekommen war, sanken die Zuschauerzahlen. Nun könnten sie wieder steigen, schließlich sind die Mannheimer in der Serie gegen Nürnberg der Favorit. Heute empfangen sie die Ice Tigers zum vierten Spiel, mit einem Sieg ziehen sie ins Halbfinale ein. Eine Niederlage wäre inzwischen eine Überraschung: Von sieben Begegnungen in dieser Saison hat Nürnberg nur eine für sich entschieden.

Besonders glücklich scheint die DEL-Konkurrenz nicht über die überraschenden Auftritte der Mannheimer. Peter John Lee, Manager der Berliner Eisbären, sagt: "Mannheim ist ganz gefährlich, weil die so gut vorbereitet in die Play-offs gehen konnten." Noch hat Lee nichts gegen den Mannheimer Formanstieg. Sollte Titelverteidiger Frankfurt ins Halbfinale kommen, wären dort die Adler der Gegner - und blieben den Eisbären vorerst erspart.

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