T-Mobile Fahrer unter Dopingverdacht
„Zu allen Schandtaten bereit“

Auch der Etappensieg von Matthias Kessler verschaffte dem Team kaum Luft - T-Mobile entkommt dem Thema Doping nicht mehr. Kurz nach dem Erfolg von Valkenburg informierten die Bonner, die mit der Suspendierung der Doping verdächtigten Jan Ullrich und Oscar Sevilla mit dem größten, anzunehmenden Fehlstart die Tour eröffneten, über den nächsten Fall: Jörg Ludewig, der nicht im Tour-Team steht, hat sich vor acht Jahren aktiv um Dopingmittel bemüht.

HB ST. QUENTIN. Das geht aus einem Fax hervor, das den Bonnern vorliegt, über dessen Herkunft aber bisher nichts verlautete. Die ARD zitierte am Mittwoch aus dem Hand geschriebenen Schriftstück und zeigte es. "Ich bin zu allen Schandtaten bereit", schrieb Ludewig, der ein Jahr nach seiner Kaufanfrage, 1999, für eine Saison ins Team Gerolsteiner wechselte. Danach fuhr der Westfale lange in Italien an der Seite Gilberto Simonis und kam im Vorjahr von Domina Vacanze zu T-Mobile.

Ludewig reagierte am Mittwoch auf die Vorwürfe und räumte ein, dass das Schreiben "zum Teil von mir" stammt, und er sich über "medizinische Präparate zur Leistungssteigerung" erkundigt hatte. Der 30-Jährige schrieb weiter: "Die Randnotiz zum Thema EPO ist nicht von mir." Nachdem ihm sein damaliges Team Gerolsteiner und ein Apotheker die gesundheitlichen Gefahren und andere Konsequenzen des Dopings aufgezeigt hätten, habe er seine "ethische und moralische Einstellung zu Doping nachhaltig geändert". Für sein Fehlverhalten "in jungen Jahren" bat er um Verzeihung.

"Jetzt müssen wir uns auch um Vorfälle kümmern, die aktuell mit unserem Team nichts zu tun haben", klagte am Abend davor Teamsprecher Stefan Wagner im belgischen Mannschafts-Hotel "Hove Malpertus", das der Frau des sportlichen Leiters von T-Mobile, Valerio Piva, gehört. Die Liste der Fahrer, um die sich die Teamleitung wegen aktueller Ereignisse in besonderer Weise kümmern muss, wird tatsächlich immer länger.

Nach der Suspendierung von Ullrich und Sevilla bestätigten die Bonner Kontakte der Tourstarter Patrik Sinkewitz (Fulda), Michael Rogers (Australien), Eddy Mazzoleni (Italien) und des hoch gelobten Supertalents Linus Gerdemann (Münster) mit den übel beleumundeten italienischen Medizinern und Trainings-Analytikern Michele Ferrari und Luigi Cecchini. Darüber berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung", die durch den bekannten Radsport-Kritiker und Molekular- Biologen Werner Franke informiert worden sein soll.

Franke legte am Mittwoch noch nach. In der "Sport-Bild" behauptete er: "Von den Fahrern, die jetzt in Frankreich fahren, sind mit Sicherheit mindestens die Hälfte gedopt. In Spanien gibt es weitere kriminelle Netzwerke. In San Francisco, North Carolina und Texas existieren Doping-Labore". Der spanische Profi Francisco Mancebo fuhr der Tour nach seiner Suspendierung wegen seiner Verwicklung in die spanische Doping-Affäre böse in die Seite. Er behauptete: Würden effiziente Doping-Kontrollen angewandt, wäre nur noch Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc in Frankreich dabei.

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