Teams schieben sich Favoritenrolle gegenseitig zu: Handball-Deutschland träumt vom großen Wurf

Teams schieben sich Favoritenrolle gegenseitig zu
Handball-Deutschland träumt vom großen Wurf

Ständig werden dieser Tage die Paralellen zum "Sommermärchen" bemüht, wenn es um das Thema Handball-WM geht. Doch geht es nach dem DHB-Team und seinen Fans, soll heute der Gleichschritt mit den Fußballern ein Ende haben. Gegen Europameister und Topfavorit Frankreich geht es heute in Köln (17.30 Uhr/live im ZDF) um den Finaleinzug - ein neuerlicher Handball-Krimi ist garantiert. Die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand strotzt vor dem zweiten Aufeinandertreffen mit "Les Bleus" im Turnierverlauf nur so vor Selbstvertrauen, doch auch der Gegner hofft, aus der 26:29-Zwischenrundenniederlage gegen die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) gelernt zu haben.

Am Tag vor dem vorletzten Schritt zum ersehnten ersten WM-Titel seit 29 Jahren herrschte im deutschen Mannschaftsquartier "Zur Post" im oberbergischen Wiehl Zuversicht pur. "Wir haben noch etwas Großes vor. Ich kann nur denen, die gegen uns spielen, viel Spaß wünschen", betonte Kapitän Markus Baur in Anspielung auf die schwarz-rot-goldene Begeisterungswelle, die zur Zeit nicht nur durch die Kölnarena schwappt. "Dass Bundespräsident Horst Köhler mit Fanschal auf der Tribüne jubelt, ist einfach unglaublich. Das zeigt, dass wir wirklich für Deutschland spielen und alle mitfiebern", meinte WM-Shootingstar Michael Kraus und träumt schon vom "Wintermärchen, das wirklich Wirklichkeit wird".

Angesichts der Symbiose zwischen seiner Mannschaft und den Fans glaubt auch der "stolze" Bundestrainer nach dem Sturz von Titelverteidiger Spanien an den zweiten Coup binnen drei Tagen. "Die Franzosen sind zwar mit dieser Mannschaft Favorit, aber diesen Favoriten wollen wir schlagen", betonte der 54-Jährige und macht sich trotz der individuellen Stärke des Kontrahenten berechtigte Hoffnungen: "Wir haben schließlich gezeigt, dass wir jede Mannschaft schlagen können." Mit einem Deja-vu-Erlebnis rechnet Brand in einer Hinsicht aber nicht. "Wir werden diesmal eine ganz andere französische Mannschaft sehen, die Härte ins Spielen bringen wird."

Zum Joker soll im erwarteten Kampfspiel für die neuen Handball-Helden wieder die Euphorie der Zuschauer werden. "Wir können kaum mehr laufen. Aber wenn du dann in die Halle kommst und erlebst diese Stimmung, geht plötzlich alles", beschreibt Abwehrchef Oliver Roggisch das Phänomen, das den Brand-Schützlingen trotz bislang acht Spielen in elf Tagen Beine macht.

Schwarzer: "Alle für einen, einer für alle"

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Musketier-Mentalität. "Jeder kennt seine Rolle und erfüllt sie optimal. Alle für einen, einer für alle", erklärte der nachnominierte Christian Schwarzer und kann sein Glück kaum fassen: "Ich musste erst 37 Jahre alt werden, um das zu erleben. Jetzt kann ich nachvollziehen, was das für ein Gefühl für die Fußballer im Sommer war."

Gegner Frankreich brennt zwar auf die Revanche, doch aus taktischen Gründen schiebt Trainer Claude Onesta die Favoritenrolle nur allzu gerne dem Gegner zu. "Wir sind am Donnerstag der Außenseiter und fühlen uns auch so. Diese Situation ist für uns definitiv besser als die vor dem ersten Spiel gegen Deutschland", sagte Onesta mit Blick auf die 26:29-Niederlage und ist überzeugt: "Es hat ein Rollenwechsel stattgefunden. Am letzten Samstag waren wir die Favoriten, jetzt sind wir es nicht mehr."

Nach der taktischen und auch kämpferischen Glanzleistung der "Equipe Tricolore" mit dem überragenden Kieler Thierry Omeyer im Tor wirkte Onestas Zurückhaltung allerdings eher deplatziert. Frankreich lieferte sich mit den Kroaten im bislang torärmsten Spiel der WM eine an Intensität kaum noch zu überbietende Abwehrschlacht und nutzte in den Schlussminuten eine Überzahlsituation gnadenlos aus, um den entscheidenden Vorsprung herauszuwerfen.

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