Technikrevolution beim Golfen
Abschlag mit dem Hammer

War früher ein wie ein Ei geschnitztes Stück Holz mit einem drahtähnlichen Wickel am Stahl-Schaft des Golfschlägers befestigt, so prangt jetzt am Ende eines High-Tech-Schafts ein melonengroßer Brummer mit einer respekteinflößenden Schlagfläche. Er hat den Drive verlängert. Jetzt sollen backsteinförmige Schläger auch das Zielen erleichtern.

DÜSSELDORF. Kein anderer Schlag im Golf sorgt für so viele Ahs und Ohs wie ein langer Drive vom Tee. Wenn der Driver - also das Abschlagholz, das heute meist aus Titan besteht - gezückt wird, wechselt die Stimmung ins Ehrfürchtige ob der Urgewalt. "Der ist lang" - kaum größer könnte die Anerkennung sein, die Freund und Feind dem Kontrahenten nach gelungenem Distanzschlag zollen. Auf der Driving-Range gehört denn das Holz 1 zu den beliebtesten Übungsgeräten.

War früher ein wie ein Ei geschnitztes Stück Holz (die finanzkräftigeren kauften eine Persimmon-Variante, also aus dem Holz des Kakibaums) geradezu liebevoll mit einem drahtähnlichen Wickel am knüppelharten Schaft aus Stahl befestigt, so prangt jetzt am Ende eines High-Tech-Schafts aus Kohlefaser oder anderen Weltraum-Verbundstoffen ein melonengroßer Brummer mit einer respekteinflößenden Schlagfläche.

Die Köpfe der Driver erreichten, seit Anfang der 90er-Jahre die "Big Bertha", die Mutter aller Großkopferten, auf den Markt kam, ungeahnte Dimensionen bezogen auf ihr Volumen. Aufgebohrt könnte man problemlos ein großes Bier oder eine halbe Flasche Wein darin verschwinden lassen. 460 Kubikzentimeter, mehr Rauminhalt dürfen die Schläger nicht haben. Mehr als genug. Alle, die sich nur schwer von ihren Schätzchen aus der Vergangenheit trennen können, reiben sich beim Vergleich zu heute die Augen. Früher war ein Abschlagholz bezüglich des Umfangs so groß wie in diesen Tagen etwa ein Holz fünf.

Die Technikrevolution verhalf vor allem zu mehr Länge. Längst werden Tiger Woods und Kontrahenten die Fairways zu kurz, das Risiko, dass die Bälle ins Aus hinter dem Grün geraten, ist fast höher, als dass sie vorher verenden. Und auch Hobbyspieler schießen häufig übers Ziel hinaus. Am Ende der Übungswiese eines ostwestfälischen Platzes steht dort, wo früher die gut getroffenen Bälle ausrollten, ein knapp 20 Meter hoher Drahtzaun, gehalten von stammdicken Masten. Und in der Abschlaghütte hat der Betreiber ein Schild angebracht. "Wir wissen, dass Sie über den Zaun schlagen können. Sie müssen?s uns also nicht beweisen." Im Laufe der Jahre schießen selbst talentfreie Golfer die Kugel über den Maschendraht und schauen verschämt in die Runde in der Hoffnung, dass die Kumpels den Schlag gesehen haben, der Betreiber aber besser nicht.

Auf vielen Bahnen kommen die strategischen Hindernisse wie Bunker oder Teiche im Bereich von 200 Metern nicht mehr ins Spiel. Angetrieben von einem optimalen Schaft, einem bis zu 460 Kubikzentimeter Schlägerkopf und einem mittlerweile athletischen, durchtrainierten Spielertyp, fliegen die Bälle bei guten Amateuren schon einmal auf 250 Meter.

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