Tennis ATP
Kiefer zieht ins Viertelfinale am Rothenbaum ein

Nicolas Kiefer hat das Viertelfinale beim ATP-Turnier in Hamburg erreicht. Der Hannoveraner bezwang den russischen Weltranglisten-Vierten Nikolai Dawidenko mit 7:5, 6:3.

Die "Kiwi-Mania" beim ATP-Turnier in Hamburg hält an. Durch den überraschenden 7:5, 6:3-Erfolg über den Weltranglisten-Vierten Nikolai Dawydenko hat Nicolas Kiefer am Rothenbaum als erster Deutscher seit Tommy Haas 1999 das Viertelfinale erreicht.

"Das ist ein überwältigendes Gefühl für mich, ich lerne Hamburg immer mehr und mehr zu lieben", sagte der 30-Jährige, "ich habe Gänsehaut und kann mich über nichts beklagen, deshalb komme ich am Freitag wieder." In der Runde der letzten Acht trifft er dann auf den Italiener Andreas Seppi und geht damit erstmals in seiner vierten Partie in der Hansestadt als Favorit auf den Platz. "Es wird sicher auch nicht einfach, Seppi spielt sehr konstant. Aber mit dieser Unterstützung kann ja eigentlich nichts schiefgehen."

Kiefer löst mit seinem Erfolg auch Philipp Kohlschreiber als besten deutschen Profi in der neuen Weltangliste ab Montag ab. Er hat nun bereits 905 Punkte gesammelt und wird wieder unter die Top 40 vorrücken, während der Augsburger genau 900 Zähler aufweist. Mit dem Sieg über Dawydenko gelangen ihm erstmals seit 2005 wieder zwei Siege über Top-Ten-Spieler in Folge, nachdem er am Mittwoch den Schweizer Rom-Finalisten Stanislas Wawrinka ausgeschaltet hatte. "Mein Spiel wird von Tag zu Tag besser und konstanter", meinte Kiefer.

Auch die Topstars sind am Rothenbaum noch dabei, wenn das mit 2,27 Mill. Euro dotierte Turnier in die entscheidende Phase geht. Titelverteidiger Roger Federer gab sich bei seinem 6:3, 6:2-Erfolg über Robin Söerling (Schweden) ebensowenig eine Blöße, wie Rom-Champion Novak Djokovic. Der Weltanglisten-Dritte setzte sich mit 7:6 (7:3), 6:3 gegen den kroatischen 2,08-Meter-Mann Ivo Karlovic durch.

Da am Abend Rafael Nadal mit 6:3, 6:2 gegen Andy Murray (Großbritannien) gewann, sind in der Runde der letzten Acht die Top Drei der Weltrangliste noch vertreten. Federer spielt nun gegen Fernando Verdasco (Spanien), Nadal trifft in einem spanischen Duell auf Carlos Moya und auch Djokovic spielt in Albert Montanes gegen einen Spanier.

"Das Publikum trägt mich"

Kiefer präsentiert sich in diesem Jahr in Hamburg so gut wie noch nie in seiner langen Laufbahn. Zum zehnten Mal ist er bereits in der Hansestadt am Start, bislang waren seine Leistungen aber immer sehr durchschnittlich. Nur einmal (2001) stand er bislang überhaupt im Achtelfinale. "Das Publikum trägt mich", sagte er, "und ich habe Selbstvertrauen, weil ich schon zwei recht gute Leute auf Sand geschlagen habe."

Das war auch gegen Dawydenko zu sehen. Mutig und taktisch klug hielt er gegen die "russische Ballmaschine" mit. Immer wieder griff Kiefer den 26-Jährigen über dessen Rückhandseite an und provozierte so auch Fehler. Wenn es darauf ankam, schlug Kiefer außerdem sehr gut auf. Und er behielt in entscheidenden Situationen die Nerven. "Es war sehr schwer gegen ihn, er bringt jeden Ball zurück", meinte der Niedersachse, "aber ich bin im Kopf stabil geblieben und am Ende wurde mein Kampfgeist belohnt."

Als er mit einem Break zum 7:5 den ersten Satz für sich entscheiden hatte, sprang er wie ein Fußball-Torjäger über den Platz. "We wil rock you", spielte der Discjockey im Stadion ein. Auch im zweiten Durchgang konnte der Niedersachse sein hohes Niveau halten. Die frenetisch gefeierte Vorentscheidung gelang ihm mit dem Break zum 5:3. Nach 1:53 Stunden er er es schließlich geschafft. Danach war nur noch Jubel: "Ich wäre am liebsten da gar nicht mehr weg gegangen."

© SID

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