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Kohlschreiber gewinnt ATP-Turnier in München

Philipp Kohlschreiber hat beim ATP-Turnier in München sein erstes Finale gewonnen. Der 23 Jahre alte Augsburger besiegte den an Nummer drei gesetzten Michail Juschni 2:6, 6:3, 6:4.

Tennis-Profi Philipp Kohlschreiber brauchte nicht viele Anläufe, um sein erstes Finale zu gewinnen. Der 23-Jährige hat gleich das erste Endspiel seiner Karriere gewonnen. Der Augsburger besiegte im Finale des ATP-Turniers in München den an Nummer drei gesetzten und in der Weltrangliste auf Position 17 geführten Russen Michail Juschni mit 2:6, 6:3, 6:4.

Kohlschreiber ist der erste deutsche Sieger bei den Internationalen Bayerischen Meisterschaften seit Michael Stich vor 13 Jahren. Er beendete auch noch eine weitere Durststrecke: Seit Rainer Schüttler (Korbach) im Oktober 2003 in Lyon hatte kein anderer deutscher Spieler außer Tommy Haas ein Turnier auf der ATP-Tour gewonnen.

Kohlschreiber erhielt für seinen Sieg ein Preisgeld von 55 820 Euro sowie ein neues BMW-Cabrio von etwa gleichem Wert. Das Auto hatte er zwar seiner Freundin Lena versprochen, will es nun "aber lieber selber fahren". Zudem wird er sich in der neuen Weltrangliste von Rang 49 erstmals unter die besten 40 verbessern.

An der Seite von Juschni gewann Kohlschreiber auch noch das Doppel-Finale mit 6:1, 6:4 gegen die Tschechen Jan Hajek und Jaroslav Levinsky. Zuvor aber lieferte er der Nummer 17 der Weltrangliste im direkten Duell einen großen Kampf. Nach einem nervösem Beginn fand der Rechtshänder zunehmend ins Spiel zurück, nach 2:02 Stunden beendete er die spannende Begegnung mit seinem vierten Matchball. "Der Schlüssel zum Sieg war, dass er es geschafft hat, das Spiel wieder selbst in die Hand zu nehmen", analysierte Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen.

Kohlschreiber nach nervösem Start souverän

Selbstbewusst und ohne Satzverlust war Kohlschreiber bis ins Endspiel von München gestürmt - mit druckvollem, aggressivem Spiel von der Grundlinie. Dann traf der Schwabe in Juschni auf einen Spieler, der am Finaltag die gleiche Art zu spielen zunächst etwas besser beherrschte. Nach einer schnellen Führung zum 2:0 im ersten Satz verlor Kohlschreiber sechs Spiele hintereinander. Er wirkte in dieser Phase nervös, unsicher, traf die Bälle längst nicht so genau wie bei seinen phasenweise sehr beeindruckenden Begegnungen zuvor, etwa bei seinem 6:2, 6:3 im Halbfinale gegen Marcos Baghdatis (Zypern).

Kohlschreiber aber ließ sich nicht beirren und behielt die Nerven. Spätestens ab Mitte des zweiten Satzes war sein Duell mit Juschni, den er bei der bisher einzigen Begegnung 2006 in Moskau in zwei Sätzen geschlagen hatte, ausgeglichen. Nach 78 Minuten hatte der Deutsche, der auf dem Weg ins Endspiel in Jarkko Nieminen aus Finnland (Nummer 5) und Baghdatis (Nummer 4) bereits zwei gesetzte Spieler bezwungen hatte, den Satzausgleich geschafft. Mit einem Break zum 3:2 im Finaldurchgang gelang ihm die Vorentscheidung.

Der Finalsieg von Kohlschreiber war die logische Folge einer beeindruckenden Woche des aufstrebenden Rechtshänders. "Er hat sich den Finaleinzug absolut verdient. Er ist in bestechender Form und auf dem Weg nach oben", hatte Kühnen ihn schon vor dem Endspiel gelobt und die Leistung gegen Baghdatis, der 2006 im Finale der Australian Open stand, sogar eine "im großen und Ganzen Weltklasseleistung" genannt. Nach dem Finale war der Daviscup-Teamchef nicht minder voll des Lobes: "So ein Sieg ist ganz wichtig für die Karriere eines jungen Spielers. Er hat fantastisch gespielt und ist momentan einer der Topspieler auf der Tour."

Kohlschreiber: "Ich bin noch nicht vollendet"

Kohlschreiber sagte in der bislang erfolgreichsten Woche seiner Karriere mehrfach, er müsse sich vor keinem Gegner fürchten, betonte aber auch: "Es gibt einige Punkte, die ich besser machen könnte. Zum Glück bin ich noch nicht vollendet." Was er kann, hatte er bereits Anfang April bei seinem Daviscup-Debüt gegen Belgien in Ostende angedeutet, als er gegen Olivier Rochus den Punkt zur wichtigen 2:0-Führung holte.

Kohlschreiber hatte mit seinem Vorrücken in beide Endspiele auch den Veranstaltern in München gute Laune beschert. Am letzten Tag war die Anlage des Mttc Iphitos trotz regnerischen Wetters wieder gut besucht, der Zuschauerrekord (36 600) des Vorjahres wurde erneut übertroffen. Das Konzept der Turnierleitung, verstärkt auf die deutschen Spieler zu setzen, ging trotz des erneuten Ausscheidens von Zugpferd Tommy Haas in der ersten Runde auf. Zehn Deutsche standen im Hauptfeld (32 Teilnehmer), immerhin zwei im Halbfinale.

"Das deutsche Publikum will deutsche Spieler sehen, und wir werden immer auf deutsche Spieler setzen und setzen müssen", betonte Turnierdirektor Rudi Berger. Auch Haas werde "im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein".

Das gilt außerdem für die wichtigsten Geldgeber des Turniers. Titelsponsor BMW hat angekündigt, nicht zum letzten Mal ein neues Cabrio für den Sieger bereitgestellt zu haben. Der "Presenting Sponsor" (FWU) ließ am Schlusstag sogar verkünden, dass er sein Engagement um gleich drei Jahre verlängern werde.

Derweil hat Novak Djokovic das ATP-Tennis-Turnier in Estoril gewonnen. Der an Nummer drei gesetzte Serbe besiegte im Finale den Franzosen Richard Gasquet 7:6 (9:7), 0:6, 6:1.

© SID

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