Tennis ATP
Stich folgt auf Steeb am Rothenbaum

Das Turnier am Hamburger Rothenbaum hat in Michael Stich einen neuen Turnierdirektor. Er soll der Veranstaltung mit seinem Kompetenzteam zu neuem Aufschwung verhelfen.

Der ehemalige Wimbledonsieger Michael Stich soll als Retter in der Not das kriselnde Hamburger Tennisturnier vor dem Untergang retten. Als neuer Turnierdirektor wird der 40-Jährige die Nachfolge seines langjährigen Davis-Cup-Kollegen Carl-Uwe Steeb antreten und mit der von ihm mitgegründeten "Hamburg Sports and Entertainment Gmbh" dem Turnier, das ab 2009 keinen Masters-Status mehr hat, zu neuer Blüte verhelfen. "Wir wollen den Tennissport wieder mehr in denn Mittelpunkt rücken und das Turnier familienfreundlicher machen", sagte Stich dem sid: "Zuletzt war es alles viel zu sehr auf Roger Federer und Rafael Nadal ausgelegt, das muss wieder auf breitere Füße."

Als kompetenter Partner hat unter anderem die Hamburger Handelskammer Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Weltklassespieler signalisiert, erste Gespräche hat es schon gegeben. "Ideen gibt es viele, jetzt geht es an die Umsetzung", sagte Stich. Hamburg wird im kommenden Jahr vom angestammten Termin im Mai weiter nach hinten rücken. Vom 20. bis 26. Juli findet die Veranstaltung unterhalb der vier Grand Slams und der neun Masters-Turniere als sogenanntes "500er" statt. Gespielt wird wie bisher auf Sand, allerdings droht ein deutlicher Verlust an prominenten Namen, da sich die meisten Profis Ende Juli in der Vorbereitung auf die US Open bereits auf den US-Hartplätzen tummeln. Für Stich kein Problem: "Wir setzen auf deutsche Spieler und ein, zwei internationale Stars."

Hammer und Lato im Kompetenzteam

Um die Veranstaltung ganz neu zu positionieren und ihr zu neuer Attraktivität zu verhelfen, hat der Deutsche Tennis Bund (DTB), der zusammen mit dem Tennisverband von Katar die Rechte an dem Turnier hält, nun endlich den Mann ins Boot geholt, der aus seiner tiefen Verbundenheit zum Rothenbaum nie ein Hehl gemacht hat. Michael Stich, im nahen Pinneberg aufgewachsen, ließ als Kind und Jugendlicher keine Gelegenheit aus, in Hamburg die großen Stars seiner Zeit live zu erleben. Unvergessen sind Stichs Tränen, nachdem er 1993 als bis dato letzter Deutscher am Rothenbaum gewann.

"Dieses Turnier hat soviel Tradition, es darf einfach nicht ins Ausland verschwinden", sagte er. Damit Stich sein neues Amt möglichst zeitnah antreten kann, müssen zwischen DTB und der Spielervereinigung ATP noch einige Formalitäten geklärt werden. Neben Stich gehören sein Mitgesellschafter Detlef Hammer und Claudio Lato als Geschäftsführer mit zu dem Kompetenzteam, das künftig das wirtschaftliche Risiko trägt und das Turnier in Eigenverantwortung ausrichten soll. Stich ist damit der dritte deutsche Davis-Cup-Sieger nach Boris Becker und Carl-Uwe Steeb, der Hamburg als Turnierdirektor aus der Krise führen soll.

Stich hat gute Kontakte zu Bürgermeister von Beust

Dafür, dass es Michael Stich tatsächlich auch gelingt, spricht einiges. Der ehemalige Weltklassespieler hat sich nach dem Ende seiner Karriere als Geschäftsmann von hoher Kompetenz erwiesen, er ist ein guter Bekannter von Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust. Die von ihm gegründete Stich-Stiftung zugunsten HIV-infizierter Kinder arbeitet nicht nur deutschlandweit unspektakulär, aber höchst effizient. Seine Bereitschaft, in Hamburg an maßgeblicher Stelle mitzuarbeiten, hat Stich bereits seit Jahren immer wieder signalisiert.

Nicht immer war das Miteinander zwischen ihm und dem DTB unbelastet. Anfang 2002 trat Stich ebenfalls in der Nachfolge von Becker und Steeb als Davis-Cup-Kapitän an, gab das Amt aber schon im September des gleichen Jahres wegen interner Unstimmigkeiten mit dem Verband wieder auf. Nun tritt er an ganz anderer Stelle an, um Tennis in Deutschland wieder besser zu positionieren. Seine Zielgruppe ist dabei einmal mehr die Jugend: "Das Turnier findet in der ersten Ferienwoche statt. Wir werden eine Wochenkarte für Kinder und Jugendliche für 99 Euro anbieten." Und der neue Termin sei auch nicht so schlecht: "Da ist das Wetter in Hamburg jedenfalls besser als im Mai."

© SID

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