Tennis Australian Open: "Bad Boy" Kiefer gegen "Liebling" Federer

Tennis Australian Open
"Bad Boy" Kiefer gegen "Liebling" Federer

Die australische Presse lässt kein gutes Haar an Nicolas Kiefer: Vor dem Halbfinalduell bei den Australian Open gegen Roger Federer am Freitag wird der Hannoveraner immer mehr in die Rolle des "Bad Boy" gedrängt.

Die Sympathien sind klar verteilt, wenn Nicolas Kiefer am Freitag (ab 9.30 Uhr MEZ) das Rod-Laver-Stadion zum Halbfinale gegen Roger Federer betrittt: Der "Bad Boy" des Turniers spielt gegen "Everybody´s Darling". Kiefer hat bei den Australian Open in Melbourne durch sein Verhalten auf dem Platz viele Sympathien verspielt, die seine sportlichen Erfolge eigentlich verdient hätten. "Ein Sieger ohne Respekt", titelte die Tageszeitung The Age in einem Kommentar: "Er ist ein unverdienter Halbfinalist, übellaunig, schlecht erzogen und unflätig."

Das Fass zum Überlaufen brachte der Zwischenfall im fünften Satz seines Viertelfinales gegen Sebastian Grosjean, als er während eines Ballwechsel seinen Schläger in die Hälfte des Franzosen warf. "Natürlich unabsichtlich", wie Kiefer hinterher beteuerte. Grosjean hatte seinen Volley ins Netz wohl auch schon geschlagen, als das Racket flog, der Schiedsrichter gab den Punkt jedenfalls dem Deutschen. "Das war nicht gut, das hätte mir nicht passieren dürfen", erklärte der Hannoveraner: "Aber was kann ich tun, ich weiß auch nicht, was da los war."

Ständige Entgleisungen

Und so verging bisher kaum eine Partie, in der Kiefer nicht die Schiedsrichter beschimpfte, die Linienrichter anmachte oder seinen Frust über tatsächliche oder vermeintliche Fehlentscheidungen lautstark in nicht jugendfreien Wörtern hinausschrie. 6 000 Dollar (ca. 4 900 Euro) Strafe hat er bereits berappen müssen, mehr als jeder andere Spieler.

Je 1 000 Euro kosteten im ersten Match ein obszöner Fluch und eine angeblich obszöne Geste, 3 000 Dollar war die Strafe für unsportliches Verhalten im Achtelfinale, und nach dem Viertelfinale bekam er weitere 1 000 Dollar für eine Beschimpfung des Schiedsrichters aufgebrummt. Dagegen steht bereits ein Preisgeld von ca. 188 000 Euro für die Halbfinal-Teilnahme.

"Die Emotionen müssen manchmal raus, sonst fühle ich mich auf dem Platz nicht wohl", kommentierte der 28-Jährige sein undiszipliniertes Verhalten: "Wir kämpfen fast fünf Stunden bei glühender Hitze um jeden Ball, da bin ich voll angespannt, ich koche innerlich." Unterstützung erhält er in dieser Einstellung von seinem neuen Coach Sascha Nensel, der in seiner aktiven Zeit ein teilweise cholerischer Heißsporn war: "Emotionen haben im Sport eine große Bedeutung, wenn sie im richtigen Moment kommen."

Buh-Rufe gegen Kiefer

Kiefer musste sich auch in der Schlussphase des nervenaufreibenden Viertelfinals ein lautes Buh-Konzert gefallen lassen, Grosjean wurde bejubelt und angefeuert. "Ich habe das Positive für mich daraus gezogen, dass die Zuschauer gegen mich waren", behauptet der Niedersachse: "Es hat mich aufgegeilt."

Oft genug in seiner inzwischen langen Karriere wurde "Kiwi" für seine emotionslosen Auftritte gescholten, seit einiger Zeit nun lässt er es auf dem Platz raus, spielt dafür aber auch aggressiver und erfolgreicher. Auch den scheinbar übermächtigen Federer will er angreifen. "Wir hatten enge Spiele im letzten Jahr, aber das nützt mir nichts, weil er gewonnen hat", erklärte Kiefer, der die letzten sechs Matches gegen den Weltranglistenersten verloren hat: "Zufriedenheit bedeutet Stillstand."

© SID

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