Tennis Australian Open: Kohlschreiber macht die Sensation perfekt

Tennis Australian Open
Kohlschreiber macht die Sensation perfekt

Philipp Kohlschreiber hat bei den Australian Open die Sensation perfekt gemacht. Nach einem 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 6:7 (3:7), 8:6 gegen Andy Roddick steht der Augsburger im Achtelfinale. Dort wartet nun Jarkko Nieminen.

Der Siegeszug von Philipp Kohlschreiber bei den Australian Open in Melbourne geht weiter. Der Augsburger bezwang in einem absoluten Thriller den Weltranglisten-Sechsten Andy Roddick mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 6:7 (3:7), 8:6. "Ich habe mich noch nie besser nach einem Spiel gefühlt, ich habe jede Minute genossen", sagte Kohlschreiber nach seinem Coup, "aber jetzt möchte ich noch weitere Runden gewinnen."

In der Runde der letzten 16 trifft er nun am Sonntag auf den Finnen Jarkko Nieminen, gegen den er mit 2:4 zwar eine negative Bilanz hat, aber die letzten beiden Partien gewinnen konnte. "Das wird auch ganz hart, er hat zwar nicht so einen großen Namen, aber ein ekliges Spiel. Ich hoffe, dass ich dann so gut drauf bin wie gegen Andy", sagte Kohlschreiber.

"Ein großartiges Gefühl"

"Wir haben beide erstklassiges Tennis gespielt", meinte Kohlschreiber nach dem 3:53 Stunden langen Marathon, es ist ein großartiges Gefühl, einen so guten Spieler wie Andy zu schlagen." Roddick hatte dem 24 Jahre alten deutschen Davis-Cup-Spieler eigentlich nur seinen Aufschlag entgegenzusetzen, 42 Asse donnerte er "Kohli" ins Feld. "Eine überragende Leistung, ein völlig verdienter Sieg", sagte Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen.

"Ich bin heiß und bereit", hatte Philipp Kohlschreiber vor der Partie im Spielertunnel im Interview mit dem australischen Fernsehen verkündet. Keine Floskel, keine selbst eingeredete Stärke, sondern echtes Selbstvertrauen, gewonnen aus vorher sieben Siegen in Folge. Der 24-Jährige stand bereits vor einem Jahr in der zweiten Runde in der Rod-Laver-Arena gegen Rafael Nadal auf dem Platz und verlor nach einer guten Leistung. Zwölf Monate später aber ist der Augsburger ein noch viel besserer Spieler geworden, der nun bewiesen hat, dass er inzwischen mit den absoluten Top-Leuten der Szene mithalten kann.

"Ich habe inzwischen genug Erfahrung, dass ich einen guten Start haben kann und nicht nervös bin", meinte der Deutsche. Als die Partie zu nächtlicher Stunde um 22.15 Uhr bei geschlossenen Hallendach begann, war er tatsächlich hellwach. Auch die "unmenschlichen" 83 Prozent erster Aufschläge im Feld, die der ehemalige Weltranglisten-Erste produzierte, brachten Kohlschreiber nicht aus dem Konzept. Er hielt selbst sein Service mit platzierten Aufschlägen und schon im ersten Satz zeigte sich, dass der Augsburger technisch der bessere Tennisspieler auf dem Platz war.

Von links nach rechts scheuchte er Roddick, punktete vor allem mit seiner starken Rückhand. Roddick hielt in den Grundlinien-Duellen fast nur den Ball im Feld und bestätigte die Meinung von Michael Berrer, der am Mittwoch gegen Roddick verloren hatte: "Er macht nur wenig, ich war etwas enttäuscht."

Nur ein Mittel: Geduld

Doch gegen die Urgewalt von Roddicks Aufschlägen die mit bis zu 235 km/h übers Netz flogen, half nur ein Mittel: Geduld. Kohlschreibers Chance kam im neunten Spiel. Zwei starke Returns, zwei Breakbälle, den ersten genutzt und Roddick pfefferte frustriert seinen Schläger Richtung Spielerbank. Eiskalt servierte "Kohli" den Satz anschließend aus.

Im zweiten Satz sank das Niveau von Kohlschreibers Spiel zwischenzeitlich etwas. Aber Kohlschreiber fing sich wieder. Auch im dritten Durchgang war er der bessere Spieler. Schon bei 6:5 hatte er zwei Satzbälle, die Roddick abwehrte. Im Tiebreak wehrten beide Spieler zwei Satzbälle ab, ehe Kohlschreiber schließlich seinen fünften nutzen konnte, als Roddick einen Return ins Aus schlug.

Auch der vierte Satz ging in den Tiebreak. Zwischenzeitlich hatte Roddick allerdings voller Ärger über sein Spiel und eine Schiedsrichterentscheidung den Unparteiischen Emmanuel Joseph (Frankreich) unter anderem als "Idiot" bezeichnet. Verwarnt wurde er dafür erstaunlicherweise nicht. Der Höhepunkt folgte im fünften Satz. Bei 5:4 wehrte der US-Amerikaner vier Matchbälle von Kohlschreiber mit Assen ab. Doch auch das brachte den Deutschen nicht aus dem Konzept. Seine fünfte Chance nutzte er schließlich, als Roddick eine Vorhand verzog.

© SID

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