Tennis Davis Cup
Vergiftungstheorie um Haas-Ausfall in Moskau

Davis-Cup-Spieler Tommy Haas hält es durchaus für möglich, dass er beim Halbfinale im September in Moskau vergiftet worden ist. "Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so elend gefühlt", bestätigte der 29-Jährige.

Tommy Haas hält die Spekulationen darüber, dass sein Ausfall beim Davis-Cup-Halbfinale im September in Moskau Folge einer bewussten Vergiftung war, für durchaus möglich. "Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so elend gefühlt wie dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag", sagte der 29-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Von acht Stunden habe ich sechs auf dem Klo verbracht; ich habe gedacht, mein letztes Stündchen hätte geschlagen." Noch heute, sechs Wochen später, sei er nicht wieder hundertprozentig auf dem Damm: "Mein Magen spielt manchmal ganz plötzlich verrückt."

Alexander Waske hatte seinem Teamkollegen und guten Freund Haas vor einigen Tagen erzählt, was er kürzlich von einem Russen erfahren hatte: "Der kam an und sagte: Mensch Alex, das war ja knapp in Moskau. Das war ja bitter, dass sie euch den Tommy vergiftet haben", erzählte Waske am Mittwoch dem sid.

Er habe mehrfach nachgehakt, weil ihm die Geschichte selber so abenteuerlich vorgekommen sei: "Dann hat der Typ irgendwann zu mir gesagt: Alex, glaub mir, ich war in Moskau. Da sind Leute am Werk - wenn die sagen, sie haben Tommy vergiftet, dann haben sie ihn vergiftet."

Richtig komisch, so Waske weiter, sei ihm bei dieser letzten "Ansage" gewesen: "Wenn ein Russe dir das mit dieser kehligen, harten Aussprache erzählt, wird dir echt ganz anders." Er habe dann Tommy Haas darüber informiert, weil "der seit Moskau rätselt, warum es ihn dort so aus den Schuhen gehauen hat. Ich wollte nur, dass er weiß, dass er nicht versagt hat." Sein Informant sei vertrauenswürdig, aber: "Ich werde seinen Namen nicht nennen, weil ich nichts beweisen kann."

Kühnen: "Faktisch gibt es momentan keinen Anhaltspunkt für eine Vergiftung"

Auch deshalb will sich Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen momentan nicht einer Verschwörungs-Theorie anschließen. "Bei Tommy Haas hat alles auf einen Magen-Darm-Virus hingedeutet, der medizinisch auch dementsprechend behandelt wurde. Faktisch gibt es momentan keinen Anhaltspunkt für eine Vergiftung. Auch die Aussagen des Informanten von Alexander Waske sind für uns vom DTB spekulativ zu bewerten. Wir haben keine Anhaltspunkte für eine fundierte Aussage. Auch für die Glaubwürdigkeit des Informanten haben wir keinen Bezug, die können wir nicht darstellen. Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass es sich zum jetzigen Zeitpunkt um Spekulation handelt. Wir müssen ganz klar formulieren, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen können, dass alles mit sportlich rechten Dingen zugegangen ist. Wir haben keine Beweise", sagte Kühnen am Mittwochabend im DSF.

Haas hatte in Moskau sein erstes Einzel gegen Igor Andrejew glatt in drei Sätzen verloren und war am Sonntag nicht mehr angetreten. Philipp Petzschner musste stattdessen beim Spielstand von 2:1 für Deutschland gegen Michail Juschni ran, kein einfaches Unterfangen für einen Davis-Cup-Debütanten. "Philipp hat sein Bestes getan, aber das ging einfach nicht", sagte Waske: "Es ist ja durchaus möglich, dass Tommy auch verloren hätte, aber wir waren halt durch seinen Ausfall völlig durch den Wind."

Mannschaftsarzt Dr. Erich Rembeck hatte alles versucht, um Haas wieder auf die Beine zu bekommen, doch nichts half. "Ich habe Tabletten geschluckt, Spritzen erhalten, nichts schlug an", sagte Haas dem sid: "Im Gegenteil, ich habe mich immer elender gefühlt." In der Spielerbox sei ihm mehrfach schwarz vor Augen geworden: "Ich habe echt gedacht, ich muss noch ins Krankenhaus."

Mit Sicherheit habe er nicht gekniffen: "Ich kenne natürlich auch diesen nervösen Magen, den man als Leistungssportler in so engen Wettkampf-Situationen haben kann. Aber ich träume mein ganzes Leben lang vom Davis-Cup, da hätte ich mir im Halbfinale beim Stand von 2:1 ganz sicher nicht aus Angst in die Hosen gemacht."

Haas: "Ich hätte alles gegeben"

Am Freitag fliegt Haas nach New York, um sich dort speziellen Blut- und Haartests zu unterziehen, die möglicherweise auf eine Vergiftung hindeuten könnten. Waske verspricht sich davon nicht allzu viel: "Wenn man nicht weiß, nach welchem Gift man sucht, ist es bestimmt sehr schwierig, etwas zu finden."

In jedem Fall wollen die deutschen Spieler nicht den großen Unbekannten als Entschuldigung für die Niederlage in Moskau bemühen. "Ich hätte", sagte Haas dem sid, "wirklich alles gegeben, um dort zu gewinnen. Wenn ich in der Lage gewesen wäre, einigermaßen geradeaus zu gehen, wäre ich auf den Platz gegangen. Aber ich konnte mit viel Mühe gerade mal so sitzen - vorzugsweise auf dem Klo."

© SID

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