Tennis
Davis Cup wird weltweit zum Wirtschaftsfaktor

Nach dem Finalsieg gegen Tschechien freut sich Spanien über hohe Einnahmen. Einer Studie des Tennisweltverbands ITF zufolge hat das Endspiel der Ausrichterstadt Barcelona rund 25 Millionen Euro an Umsatz beschert. Auch das deutsche Tennis will wieder stärker im internationalen Geschäft mitmischen - der Verband hat seine Hausaufgaben gemacht.
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KÖLN. Spanien feiert seine Helden: Nach dem 5:0-Finalsieg im Davis Cup über Tschechien empfing Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero am Montag die siegreichen Spieler. Es war die erste erfolgreiche Titelverteidigung im wichtigsten Tennis-Mannschaftswettbewerb der Welt seit mehr als einem Jahrzehnt, und eine lukrative dazu: Einer Studie des Weltverbands ITF zufolge brachte die Austragung des Endspiels der Stadt Barcelona am vergangenen Wochenende einen Umsatz von 25 Millionen Euro ein. "Wir wollen interessierten Städten klar machen, dass es für sie finanziell sehr vorteilhaft sein kann, wenn sie eine Davis-Cup-Partie ausrichten", sagt ITF-Vizepräsident Juan Margets.

Weltweit wird der Davis Cup zum Wirtschaftsfaktor. Nicht ohne Grund beobachtet die ITF eine steigende Anzahl an Städten, die sich um die Ausrichtung bewerben. "Großereignisse im Sport wie der Davis Cup spielen für die Außendarstellung der Städte eine immer wichtigere Rolle", sagt Stefan Chatrath, Sportmarketing-Forscher an der Freien Universität Berlin. Pro Jahr hat der Davis Cup einen wirtschaftlichen Effekt von mehr als 124 Millionen Euro - Tendenz steigend.

In Deutschland hingegen ist von Aufbruchstimmung wenig zu spüren. Die großen Fernsehsender haben sich aus der Berichterstattung verabschiedet. Nur die Stars vergangener Zeiten schaffen es in die Schlagzeilen - oft mit eher abwegigen Themen. So wie jüngst Boris Becker, der im "Playboy" sinnierte: "Verlieben ist wie Hunger, das kommt immer wieder." Und: "Jeder Tennisspieler in unserer Generation fand Steffi Graf gut: toller Körper, sexy, immer gewonnen. Jeder in der Umkleidekabine fand Steffi scharf."

Sponsoren halten dem deutschen Tennis die Treue

Das deutsche Tennis steht im Schatten des Boulevards - so scheint es. Doch von vielen unbeachtet stellt sich der Sport neu auf: Ein US-Gericht hat im Oktober eine Klage der internationalen Spielervereinigung ATP gegen den Deutschen Tennis Bund (DTB) auf Erstattung von 17 Millionen Dollar Anwaltskosten abgewiesen. Dabei ging es um die Herabstufung des Turniers am Hamburger Rothenbaum. Zwar hat die ATP Berufung eingelegt, doch werden ihr kaum Chancen eingeräumt. Damit ist die finanzielle Zukunft des Verbands vorerst gesichert. Der DTB wird im nächsten Jahr erstmals seit langem keine Verbindlichkeiten mehr haben. Noch vor zehn Jahren lag der Schuldenberg bei rund 13 Millionen Euro.

Auch die Sponsoren halten dem deutschen Tennis die Treue: Erst vergangene Woche verlängerte der Automobilhersteller Daimler sein Sponsoring beim Stuttgarter Mercedes-Cup um drei Jahre - damit können die Macher eines der wichtigsten deutschen Turniere gelassen nach vorn schauen. "Die TV-Präsenz des Mercedes-Cup hat ein konstantes Niveau mit steigender Tendenz", sagt Daimler-Sprecherin Astrid Spérandio. "Wir hoffen, dass mit steigendem Interesse am Tennis auch das Angebot an entsprechenden Fernsehformaten bei den Sendern wieder interessanter wird."

Voraussetzung dafür ist allerdings der sportliche Erfolg. "Entscheidend für Sponsoren sind Übertragungen im TV", sagt Sportmarketingexperte Chatrath. "Die Sender werden sich dem Tennis stärker zuwenden, wenn ein deutscher Spieler kontinuierlich oben mitmischt."

Und das deutsche Tennis ist auf einem guten Weg: Erstmals seit 1994 steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen im DTB wieder an. Bei den Profis deutet sich das Potenzial schon an: Elf deutsche Herren stehen unter den besten Hundert der Welt. Nur Spanien und Frankreich weisen mit jeweils zwölf Spielern mehr Akteure auf. Auch im Davis Cup sorgt Deutschland wieder für Aufsehen: In diesem Jahr schied die aus Nachwuchsspielern bestehende Mannschaft im Viertelfinale mit 2:3 nur denkbar knapp aus - gegen den späteren Champion Spanien.

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