Tennis Daviscup
Über den "Acker von Ostende" ins Halbfinale

Für das deutsche Daviscup-Team geht es ab heute in Ostende gegen Belgien um den ersten Einzug ins Halbfinale seit 1995. Sorgen bereitet Tommy Haas und Co. allerdings der schlechte Zustand des Sandplatzes

Angesichts der Spiel-Unterlage schwant Tommy Haas Böses: "Das wird ein dreckiges Wochenende", sagte Deutschlands Nummer eins, der das Daviscup-Viertelfinale gegen Gastgeber Belgien in Ostende heute (13.30 Uhr/live bei DSF) mit dem ersten Einzel gegen Kristof Vliegen eröffnet. Anschließend feiert Philipp Kohlschreiber, der aufgrund der im Training gezeigten Leistungen den Vorzug gegenüber Florian Mayer erhielt, gegen Belgiens Spitzenspieler Olivier Rochus sein Daviscup-Debüt.

Das "dreckige Wochenende" bezieht Tommy Haas vor allem auf den Sandplatz in der 5 000 Zuschauer fassenden Sleuyter-Arena, der internationalen Ansprüchen nicht einmal annähernd gerecht wird. "Mit einem schnellen Antritt reißt man gleich ein tiefes Loch in den Platz", berichtete Alexander Waske, der gemeinsam mit Michael Kohlmann im Doppel am Samstag (13.30 Uhr/live bei DSF) einen Punkt holen soll. Die Belgier nominierten dafür Christophe Rochus und Dick Norman, aber Waske rechnet mit einer anderen Kombination: "Ich könnte mir schon vorstellen, dass Olivier Rochus und Vliegen auch Doppel spielen."

Die eigenen Stärken und Schwächen stehen bei den belgischen Gastgebern aber nicht annähernd so im Fokus wie das Bestreben, Tommy Haas zu schwächen. "Die haben hier nicht einen tiefen, feuchten, löchrigen Sandplatz gelegt, weil sie da selber so gerne drauf spielen, sondern weil sie es einzig und allein auf Tommy abgesehen haben", meinte Waske. Teamchef Patrik Kühnen lässt seine Spieler nicht ohne einen dicken Tape-Verband an beiden Knöcheln auf den Platz. "Die Verletzungsgefahr ist enorm", berichtet Kühnen: "So einen Acker habe ich lange nicht mehr gesehen."

Haas nimmt es gelassen, ganz so, wie es seine Rolle als Weltklassespieler und Leitfigur der deutschen Mannschaft von ihm fordert. "Ich habe schon einiges erwartet, aber der Platz ist noch deutlich schlechter als ich dachte", erzählte Haas, der am Dienstag im Kreis seiner Teamkollegen seinen 29. Geburtstag gefeiert hatte: "An der T-Linie springt der Ball gar nicht mehr ab, aber ich nehme das hin wie es ist. So ist halt Daviscup." Er will es in seinem vielleicht letzten Daviscup-Jahr noch einmal wissen und schreckt auch vor großen Erwartungen nicht zurück: "Jeder geht davon aus, dass ich hier zwei Punkte hole, aber wichtig ist nur, dass die Mannschaft am Ende drei hat. Wer die holt, ist mir eigentlich egal."

Kohlschreiber bekommt Vorzug gegenüber Mayer

Schließlich ist da ja auch noch Philipp Kohlschreiber, der ein wenig überraschend anstelle des in der Weltrangliste 20 Plätze besser notierten Florian Mayer das zweite Einzel spielt. "Kohli" hätte zwar lieber das erste Match gehabt ("Ich weiß immer gerne, wann ich raus muss"), aber Waske findet die Auslosung so in Ordnung: "Perfekt, dass Tommy vorlegen kann. Ich habe gehofft, dass es so kommt."

Auch am Ostersonntag muss Kohlschreiber dem Chef den Vortritt lassen. Haas spielt erneut ab 13.30 Uhr (live im DSF) gegen Olivier Rochus, danach gehen Kohlschreiber und Vliegen auf den Platz. Der Sieger von Ostende spielt im Halbfinale im September gegen Russland oder Frankreich, Deutschland, das zuletzt 1995 mit Boris Becker und Michael Stich in der Vorschlussrunde stand, müsste in beiden Fällen auswärts antreten.

Florian Mayer bleibt als enttäuschter, aber nicht frustrierter Beobachter vor Ort. "Das deutsche Daviscup-Team 2007 umfasst sechs Spieler, dazu gehören auch Florian und Benni Becker", erklärte Kühnen: "Diese Mannschaft ist eine Einheit, da kämpft jeder für jeden und alle für das gleiche Ziel: Wir wollen endlich wieder den Daviscup gewinnen." Der Weg dorthin führt über den Acker von Ostende.

© SID

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