Tennis International
Agassi beichtet Aufputschmittel-Einnahme

Andre Agassi hat in seiner bald erscheinenden Autobiographie die Einnahme des Aufputschmittels "Crystal Meth" während seiner aktiven Karriere eingestanden.
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Andre Agassi hat drei Jahre nach dem Ende seiner glamourösen Tennis-Karriere ein überraschendes Drogen-Geständnis abgelegt und dem weißen Sport einen weiteren Schandfleck beschert: Der Ehemann von Steffi Graf gab zu, während seiner Laufbahn wiederholt zum Aufputschmittel "Crystal Meth" gegriffen zu haben und einer Sperre dabei nur mithilfe einer Lüge entgangen zu sein.

Den Missbrauch gesteht Agassi in seiner am 9. November in den USA erscheinenden Autobiografie "Open". Er sei nicht abhängig gewesen, "aber eine Menge Leute würden sagen, wenn du etwas konsumierst, um vor etwas zu flüchten, dann hast du ein Problem", schreibt der 39-Jährige. Auszüge veröffentlichte das Magazin People.

Die Profivereinigung ATP hatte Agassi 1997 positiv getestet. "Ich dachte, mein Name, meine ganze Karriere, alles steht auf dem Spiel." Der Paradiesvogel aus Las Vegas schrieb daraufhin einen "von Lügen durchzogenen" Brief an die Funktionäre. "Ich habe behauptet, ich habe einen Drink mit Schuss meines Freundes Slim getrunken und dabei unabsichtlich seine Drogen zu mir genommen. Ich habe mich für diese Lüge geschämt", sagte Agassi nach Angaben der New York Times. Die ATP verzichtete damals auf eine für solche Fälle vorgesehene dreimonatige Sperre.

Nebenwirkungen: Persönlichkeitsveränderungen und Psychosen

Agassi schildert in seinem Buch - neben der Annäherung an seine Traumfrau Steffi Graf - ausführlich den ersten Kontakt mit "Crystal Meth", einer synthetischen Stimulanz auf Amphetaminbasis, die Müdigkeit, Schmerz und Hungergefühl unterdrückt. "Nach der Einnahme ist da erst ein Moment des Bedauerns, dem tiefe Traurigkeit folgt. Dann kam diese Euphoriewelle, die jeden negativen Gedanken in meinem Kopf davonschwemmte. Ich hatte mich noch nie so lebendig und so voller Hoffnung und Energie gefühlt", schreibt Agassi: "Ich bin sofort durch mein Haus gerannt und habe es von oben bis unten geputzt."

Als Nebenwirkungen des Aufputschmittels können Persönlichkeitsveränderungen und Psychosen auftreten. Durch sein Geständnis erschüttert Agassi die längst nicht mehr heile Tennis-Welt. Vor einigen Monaten erst hatte es die Kokain-Affäre um den Franzosen Richard Gasquet gegeben. Vor zwei Jahren war der ehemaligen Weltranglistenersten Martina Hingis der Konsum von Koks nachgewiesen worden. Die Schweizerin bestritt die Einnahme, wurde aber für zwei Jahre gesperrt.

Der Weltverband ITF reagierte enttäuscht und überrascht auf die Aussagen Agassis. "Solche Kommentare sorgen nicht dafür, dass eins deutlich wird: Unser Anti-Doping-Programm ist momentan eines der konsequentesten im Sport", erklärte ITF-Präsident Francesco Ricci Bitti. Bei positiven Tests setzt der Weltverband ein unabhängiges, aber nach ITF-Regularien agierendes Anti-Doping-Tribunal ein.

Auf und ab in Leben und Karriere

Agassi war im Jahr des Drogenmissbrauchs, als er auch die US-amerikanische Schauspielerin Brooke Shields heiratete, in der Weltrangliste bis auf Position 141 abgestürzt. Der Weltstar musste damals sogar bei zweitklassigen Challenger-Turnieren antreten.

Im Jahr darauf glückte ihm die Rückkehr in die Top Ten. 1999 gewann Agassi die French Open und die US Open, schloss das Jahr und sein grandioses Comeback als Nummer eins der Welt ab.

Insgesamt gewann der Sohn eines iranischen Boxers acht Grand-Slam-Turniere. 2006 war er nach der Drittrunden-Niederlage gegen Benjamin Becker (Orscholz) bei den US Open in New York zurückgetreten. Seit acht Jahren ist Agassi mit Steffi Graf verheiratet. Das Paar hat Sohn Jaden Gil (8) und Tochter Jaz Elle (6).

© SID

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