Tennis International
Ex-Champ Kuerten kritisiert Tennisspitze

Der ehemalige Weltranglistenerste Gustavo Kuerten bescheinigt der momentanen Weltspitze im Tennis nur Mittelmaß. Das Niveau zu seiner Glanzzeit sei höher gewesen: "Da war es viel schwieriger, in die Top zehn zu kommen."

Während sich beim Masters Cup in Schanghai die acht besten Tennisprofis messen, meldet sich der ehemalige Weltranglistenerste Gustavo Kuerten zu Wort und bescheinigt der derzeitigen Weltspitze lediglich Mittelmaß. Der Brasilianer wagt nach gut neun Monaten Pause auf der anderen Seite der Erdkugel bei einem Challenger-Turnier in Asuncion den Neuanfang. In der Weltrangliste ist Kuerten auf Rang 1 137 abgestürzt, für seinen Start in Paraguays Hauptstadt brauchte er eine Wildcard.

Mit seinen drei French-Open-Siegen 1997, 2000 und 2001 gehörte der 30-Jährige jahrelang zur Weltspitze, die seiner Meinung nach heute im Mittelmaß versinkt. "Als ich anfing, gab es Boris Becker, Goran Ivanisevic, Michel Chang oder Andre Agassi. Da war es viel schwieriger, in die Top zehn zu kommen", kommentiert "Guga" wenig respektvoll das Starterfeld von Schanghai.

"Ich bin hoch motiviert"

Für den Masters-Cup-Sieger von 2000 sind die Spieler in der oberen Region der Rangliste nicht so gut wie früher: "Einer wie Ivan Ljubicic war zu meiner besten Zeit um die 30 platziert und kann heute in den Top zehn mitmischen."

Die Ereignisse in Schanghai sind für einen, der insgesamt 43 Wochen lang Nummer die eins war, zweitrangig, erstmal will der Mann aus dem Surfer-Paradies Florianopolis den Spaß am Tennis zurückgewinnen. Da kam die Einladung aus Asuncion gerade recht.

"Ich bin hoch motiviert, das Adrenalin ist wieder da. Ich wusste, dass ich eines Tages wieder bereit sein würde", erzählt Kuerten, der seit Wochen wieder konsequent trainiert - außer an Sonntagen.

Sein letztes Einzel bestritt der Wuschelkopf mit dem berühmten strahlenden Lächeln am 21. Februar 2006 bei den Brazil Open. Im September folgte ein kurzes Intermezzo im Daviscup, das mit einer Niederlage gegen das schwedische Doppel endete. Zwei Hüftoperationen warfen den Sandplatz-Spezialisten schon vor Jahren aus der Bahn, immer wieder auftretende Verletzungen ließen frühere Comeback-Versuche scheitern.

"Die Messlatte bin ich selber"

Für den Neuanfang holte Kuerten seinen einstigen Erfolgscoach Larri Passos zurück, von dem er sich im März 2005 nach 15 gemeinsamen Jahren getrennt hatte. Das Duo arbeitet vor allem an einem Kraft sparenden Spiel, um den geschundenen Körper zu schonen. "Die Messlatte bin ich selber", sagt Brasiliens Tennisidol und dämpft damit allzu große Erwartungen.

Heute geht der Publikumsliebling in der Gewissheit auf den Platz, dass "die Chance, zu verlieren, größer ist als die, zu gewinnen". Den letzten von bis dato 20 Einzeltiteln eroberte Kuerten Anfang 2004. In diesem Jahr, seinem elften als Profi, fügte "Guga" seinen fast 15 Mill. Dollar Preisgeld gerade mal 6 475 Dollar hinzu. Aber ums Geld geht es bei ihm ja schon lange nicht mehr.

© SID

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