Tennis National
Tennis-Baron Cramm: Fair Play wichtiger als Siege

Gottfried von Cramm galt als Symbol für Können, Fairness und Erfolg. Heute wäre der dreimalige Wimbledonfinalist 100 Jahre alt geworden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte am 10. Juni 2001 diesen Satz: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Gottfried von Cramm war es auch, aber sagen durfte er es nicht. Und weil er dem eigenen und dem anderen Geschlecht zugeneigt war, wurde er 1938 von den Nazis zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt - wegen angeblichen Devisenvergehens, seiner Zuneigung zu dem jüdischen Schauspieler Herbert Manasse und dessen angeblicher Fluchtbegünstigung nach Frankreich.

Offen waren die Nazischergen bis dahin gegen den international anerkannten Sportler nicht vorgegangen, obwohl dieser jahrelang als nicht linientreu beäugt wurde. Schließlich hatte der sogenannte Tennis-Baron 1935, 1936 und 1937 das Finale in Wimbledon erreicht, dazu gewann er 1933 mit Hilde Krahwinkel das Mixed an der Church Road. Als erster Deutscher siegte er 1934 außerdem auf der roten Asche von Roland Garros in Paris, sechsmal am Hamburger Rothenbaum.

Nach seiner Haftstrafe durfte von Cramm als ehemaliger Sträfling nicht in den Offiziersrang bei der Wehrmacht aufrücken, er diente an der Ostfront, wurde aber vorzeitig entlassen. 1944 verließ er Deutschland und emigrierte nach Schweden, wo ihn der tennisbegeisterte König Gustav V. mit offenen Armen empfing.

Erster Sportler des Jahres

Für die Sportwelt war Gottfried Alexander Maximilian Walter Kurt Freiherr von Cramm der Inbegriff von Können, Fairness und Erfolg, längst vor jener Zeit, als Tennis zum Allgemeingut wurde. Gottfried von Cramm war in Deutschland ein Qualitätssiegel. Die deutsche Sportpresse wählte ihn 1947 und 1948 zum ersten "Sportler des Jahres" der jungen Bundesrepublik. 101-mal stand er im Daviscup für Deutschland auf dem Platz.

Am 7. Juli 1909 wurde Gottfried von Cramm als Sohn eines alten Rittergeschlechts auf dem Gut Nettlingen bei Hannover geboren. In jeder freien Minute griff er zum Tennisschläger. Nach Überlieferungen soll er bereits in jungen Jahren gesagt haben, er wolle der weltbeste Tennisspieler werden. Das wurde er zwar nicht, aber immerhin nach damaligen Listen die Nummer zwei.

Dafür aber galt er als der populärste Spieler seiner Zeit und auch als fairster. Man nannte ihn den "Gentleman", weil er oft gar spielentscheidende Bälle zu seinen Ungunsten korrigierte. Von Cramm hatte nie den unbeugsamen Willen zum Sieg auf Kosten des Gegners, vielleicht war er deshalb so geachtet. Sein Spiel besaß Eleganz und Leichtigkeit, alles lief ohne Eile ab. Der Baron liebte Tennis um des Sports willen.

Der Amerikaner Donald Budge, sein Finalbezwinger 1937 in Wimbledon, sagte damals: "Er spielt wunderbares, einfaches, beneidenswert schönes Tennis, das ist ihm wohl immer wichtiger als der Sieg." Und von Cramm soll nach der Niederlage gesagt haben: "Don, das war das beste Spiel meines Lebens. Ich bin froh, es gegen dich, meinen Freund, verloren zu haben."

Mit elf zum Tennis

Mit elf Jahren begann von Cramm mit Tennis, der Verlust der rechten Zeigefingerkuppe durch einen Pferdebiss behinderte ihn nicht. Nach dem Abitur ging er nach Berlin, um Jura zu studieren, er sollte Diplomat werden und spielte Tennis im renommierten Berliner Club Rot-Weiß. Tennis spülte ihn aus der Masse heraus, durch seine Erfolge war er in jenen Jahren so populär wie der große Boxer Max Schmeling.

Im Auftrag des Deutschen Tennis Bundes ging er 1937 per Schiff auf Weltreise, er spielte Turniere in den USA, Japan, Australien. Seine erste Frau Lisa spannte ihm der damals bekannteste deutsche Eishockey-Spieler Gustav Jänecke aus. 1955 heiratete der Baron die millionenschwere Amerikanerin Barbara Hutton, sie wurde in fünfter Ehe Freifrau von Cramm. Das Ehepaar pflegte keinen engeren Kontakt miteinander, es war eine Ehe für die Galerie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Gottfried von Cramm als Kaufmann in der Baumwollindustrie, vornehmlich in Ägypten. Bei einem Autounfall in der Nähe von Kairo kam der Tennis-Baron 1976 ums Leben. Ein Jahr später wurde er in die internationale Tennis-Ruhmeshalle in Newport aufgenommen, er ist natürlich auch Mitglied der deutschen Hall of Fame. Heute wäre Baron von Cramm 100 Jahre alt geworden.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%