Tennis
Stich findet angeblich Titelsponsor für Rothenbaum

Das Tennis-Turnier am Hamburger Rothenbaum hat offenbar einen Titelsponsor gefunden. Michael Stich, der seit diesem Jahr als Direktor der Sandplatz-Veranstaltung fungiert, ist sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa mit einem privaten Wettanbieter aus Österreich (bet-at-home) einig geworden. Der überraschende Deal hat jedoch seine Tücken und dürfte noch für Ärger sorgen.

HB HAMBURG. Der Kontrakt soll am Dienstag vorgestellt werden. Dann werden auch Angaben über Höhe und Laufzeit der Vereinbarung erwartet. Offen ist, ob die Hansestadt dem Deal zustimmt oder analog zum Fall des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, der keinen Wettanbieter als Trikotsponsor haben durfte, juristische Schritte einleitet.

Der defizitären Tennis-Großveranstaltung in Hamburg fehlte seit Jahren ein Hauptsponsor, den auch Stich zunächst nicht finden konnte. Trotz beschworener bester Kontakte zur Hamburger Wirtschaft gelang es dem Wimbledonsieger und seinen Partnern nicht, ein heimisches Unternehmen für den Rothenbaum zu begeistern. Wohl auch daraus könnte sich die Entscheidung für den umstrittenen Sponsor erklären.

Die sich daraus ergebene rechtliche Situation ist schwierig bis verworren. Sicher zeugt die Wahl aber von wenig Fingerspitzengefühl. Nicht nur Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust scheint verärgert. Auch die ATP wird wenig erfreut sein, wenn sie von dem überraschenden Deal erfährt. Zumal der Rothenbaum für die Tennis-Organisation, die der Traditions-Veranstaltung den Status als eines der neun Topturniere in diesem Jahr aberkannt hat und deshalb vom DTB vor Gericht gezerrt worden ist, ein "rotes Tuch" ist. Zum anderen kämpft der Weiße Sport weltweit gegen den Vorwurf, dass Tennis-Wetten auch von Spielern manipuliert worden sind.

Keine Berührungsängste beim DTB

Allein deshalb könnte die ATP an Konsequenzen denken, befürchten Insider. Auch Wettbewerber beziehungsweise Verbraucherschützer könnten wettbewerbsrechtliche Schritte einleiten - die Stadt Hamburg könnte sogar öffentlich-rechtlich gegen den Kontrakt vorgehen. "Die Stadt würde womöglich ein sofort vollziehbares Verbot aussprechen, welches vor dem Hamburger Verwaltungsgericht angegriffen werden kann", erklärte der Hamburger Rechtsanwalt Stefan Engels und verwies auf den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, der den Trikot-Vertrag mit einem privaten Wettanbieter (bwin) nach einer Unterlassungsverfügung auflöste.

Grundlage für ein Verbot der vertraglichen Vereinbarung zwischen dem privaten Wettanbieter und der Stich-Gruppe könnte sein, dass "Internet-Sportwettenanbieter in Deutschland für ihre entgeltlichen Websites nur werben dürfen, wenn sie über die erforderliche Erlaubnis verfügen. Ausländische Lizenzen zählen im Regelfall nicht dazu", so Engels. Zur Werbung zählen dabei auch alle Formen des Sponsorings. Ein durchaus üblicher Ausweg freilich wäre, dass kostenlose Übungswebsites beworben werden.

Für den Deutschen Tennis Bund (DTB), der nur noch die Lizenz der ATP für das Turnier am Rothenbaum hält, ansonsten aber alle Rechte an Stich und seine Partner abgegeben hat, gibt es mit dem neuen Sponsor keine Berührungsängste. "Warum sollten wir einen privaten Wettanbieter schlechter stellen als einen staatlichen", sagte DTB- Präsident Georg von Waldenfels auf dpa-Anfrage. Den Deal bestätigen wollte der Jurist aus München aber ebenso wenig wie "bet-at-home", dessen Sprecher eine Kommentar strikt ablehnte und auf die Pressekonferenz am Dienstag verwies. Michael Stich war sm Freitag nicht erreichbar.

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