Tennis US-Open
Kohlschreiber scheitert nach Fünf-Satz-Krimi

Philipp Kohlschreiber ist bei den US Open in New York nach einem wahren Fünf-Satz-Krimi am Spanier Carlos Moya gescheitert. Der Der 23 Jahre alte Augsburger unterlag nach 4:03 Stunden 6:4, 5:7, 6:7 (5:7), 6:4, 4:6.

Wäre Philipp Kohlschreiber ein Fußballer, er würde vielleicht vorübergehend den wenig schmeichelhaften Beinamen "Chancentod" bekommen. Der Augsburger besaß bei den 127. US Open in New York mehr Möglichkeiten als genug, um gegen den Spanier Carlos Moya zum zweiten Mal in seiner Karriere ins Achtelfinale eines Grand Slams einzuziehen. Stattdessen gab der 23-Jährige einen mehr als greifbaren Überrraschungserfolg aus der Hand: Nach 4:03 Stunden unterlag er der Nummer 17 der Weltrangliste 6:4, 5:7, 6:7 (5:7), 6:4, 4:6. "Das war eine bittere Niederlage", räumte er ein.

Bitter war die Niederlage vor allem, weil Kohlschreiber sie hätte verhindern können: Doch von seinen 19 Breakbällen nutzte er 15 nicht. Zudem hielt Moya, Gewinner der French Open 1998 und weiterer 18 Turniere und seit einem Jahrzehnt Weltspitze, in diesen wichtigen Situationen mit viel Herz und Erfahrung dagegen. "Er hat sein bestes Tennis in den entscheidenden Phasen abrufen können, er war immer da, wenn es drauf ankam", erklärte Kohlschreiber. Ihm selbst fehlten bei den "big points" auch ein wenig Mut und Entschlossenheit: "Ich habe mich einige Sachen nicht getraut", gab er zu.

Kohlschreiber besaß genügend Chancen, um Moya frühzeitig aus dem Spiel zu nehmen. Doch schon im elften Spiel des zweiten Satzes vergab er vier Breakmöglichkeiten, danach verlor er selbst seinen Aufschlag zum Satzverlust. "Ich hätte früh wegziehen können", sagte die Nummer 38 der Weltrangliste, "und stattdessen habe ich ihn stark gemacht". Auch beim Stand von 5:5 im dritten Satz ließ er eine Breakchance ungenutzt. Nur im vierten Durchgang nutzte der Schwabe seine Möglichkeiten. Allerdings machte er die Punkte dabei nicht selbst, Moya verschlug die Bälle.

Kurios: Die Statistik wies hinterher sogar einen Gleichstand bei den gewonnenen Punkten aus. 183 für Moya, 183 für Kohlschreiber. Was die Zahlen eben nicht aussagten: Der routinierte Spanier machte die Punkte vor allem dann, wenn sie spielentscheidend waren. "Wenn es in meinem Kopf etwa ruhiger zugegangen wäre, hätte ich das Spiel gewinnen können, vielleicht müssen", sagte Kohlschreiber. Da gab ihm Moya sogar Recht: "Die Erfahrung hat einen großen Ausschlag gegeben. Ich wusste immer, was ich tun musste."

"Ich habe hier gutes Tennis gespielt

Kohlschreiber verfügt nicht über diese Erfahrung. Diese Niederlage, so glaubt er, werde ihm aber weiterhelfen in seiner Karriere. "Das war eine Niederlage, bei der ich mit meinem Spiel zufrieden sein kann, aus der ich etwas lernen kann, auf der ich aufbauen kann. Und ich kann nur wachsen, wenn ich solche Spiele verliere."

Mit seinen Leistungen in New York kann er sich tatsächlich sehen lassen. "Ich habe hier gutes Tennis gespielt", betonte der Schwabe, eines müsse er natürlich ändern: "Ich muss meine Chancen nutzen, um ein besserer Spieler zu werden."

Die Lehren aus der Niederlage gegen Moya, der im Achtefinale auf den überraschend starken Letten Ernests Gulbis (6:1, 6:3, 6:2 gegen Tommy Robdredo/Spanien) trifft, will Kohlschreiber schon in Kürze gezogen haben. In zweieinhalb Wochen steht das Halbfinale im Davis Cup gegen Russland an (21. bis 23. September in Moskau), die deutsche Nummer zwei hat dafür in New York eine Duftmarke gesetzt durch den Zweitrundensieg gegen den Weltranglistenelften Michael Juschni. "Wenn ich und Tommy (Haas) gut drauf sind, können wir vielleicht was holen und ins Finale einziehen."

Kohlschreiber ist gut drauf, sieht sich zu Recht auf "einem guten Weg". Er sollte es nur nicht so machen wie Michael Stich beim Davis-Cup-Halbfinale vor zwölf Jahren ebenfalls in Moskau. Der verlor damals das entscheidende vierte Einzel gegen Andrej Tschesnokow - nach neun vergebenen Matchbällen.

© SID

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