Tennis US-Open
Mcenroe schießt gegen US-Tennis-Verband

Nach dem Regen-Desaster von New York hat Altmeister John Mcenroe die Organisatoren der US Open heftig kritisiert und endlich ein Dach für die Arthur-Ashe-Arena gefordert.

Ein schimpfender John Mcenroe, im Regen stehende Profis und eine Endlosdiskussion über ein fehlendes Dach über dem weltgrößten Tennis-Stadion haben zum Abschluss der Grand-Slam-Saison für Misstöne gesorgt. Wegen des widrigen Wetters und eines neuerlichen Terminchaos müssen die US Open in New York zum zweiten Mal in Folge in die Verlängerung. "Es ist eine verdammte Schande", sagte Altmeister Mcenroe und übte scharfe Kritik am Krisenmanagement der Turnierverantwortlichen.

Das Männer-Finale von Flushing Meadows kann wie im vergangenen Jahr und zum insgesamt 13. Mal in der Turniergeschichte erst am Montag über die Bühne gehen. Nicht zuletzt, weil dem 23 000 Zuschauer fassenden Arthur-Ashe-Stadium noch immer ein Regenschutz fehlt. "Der US-Verband wollte unbedingt das größte Stadion bauen. Aber für denselben Preis hätten man ein etwas kleineres Stadion und ein Dach haben können", sagte Mcenroe.

Selbst beim traditionsreichen Turnier in Wimbledon hat man auf die Launen der Natur reagiert und in diesem Jahr eine rund 100 Mill. Euro teure Falt-Folien-Konstruktion über dem Centre Court eingeweiht. In Melbourne ist längst ein Dach vorhanden, auch bei den French Open soll diesbezüglich bis 2014 nachgerüstet werden.

Dach würde mehr als 100 Mill. Dollar kosten

Die in der Kritik stehenden Verantwortlichen der US Open versicherten, dass es zumindest erste von Architekten ausgearbeitete Pläne gebe. Ein definitiver Beschluss für den Bau eines mobilen Daches sowie ein etwaiger Zeitplan seien aber noch nicht auf den Weg gebracht worden. "Es ist keine einfache Entscheidung. Immerhin handelt es sich um eine mögliche Investition von mehr als 100 Mill. Dollar", sagte Turnierdirektor Jim Curley mit Blick auf die wirtschaftlichen Zwänge. Die Einnahmen der US Open investiert der veranstaltende Tennis-Verband Usta derzeit komplett in Nachwuchs- und Förderungs-Projekte.

Die Profis fühlen sich auch in anderer Hinsicht im Stich gelassen. Bei keinem anderen der großen vier Turniere finden Halbfinale und Finale an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. "Mir wäre es viel lieber, wenn wir Freitag und Sonntag spielen könnten. Es wäre zum Beispiel unmöglich gewesen, in Australien zu gewinnen, wenn ich keinen Tag Pause gehabt hätte", sagte Rafael Nadal. Bei den Australian Open hatte der Spanier für seinen Halbfinalsieg gegen Landsmann Fernando Verdasco fünf Sätze und knapp fünf Stunden Spielzeit gebraucht.

Hängepartie wegen Quotenhatz

In New York diktieren aber vor allem die übertragenden Sender den Spielplan im Allgemeinen und die "Night Sessions" im Besonderen. CBS lässt sich die Sechs-Jahres-Rechte an den US Open geschätzte 145 Mill. Dollar kosten. "Trotzdem haben wir bei den Ansetzungen das letzte Wort", behauptet Turnierdirektor Curley.

Zweifel aber bleiben: Obwohl die Meteorologen für Donnerstagabend heftige Regenfälle vorausgesagt hatten, hielten die Verantwortlichen daran fest, das letztlich für die Verlängerung verantwortliche Viertelfinale zwischen Nadal und Fernando Gonzalez (Chile) zur Primetime spielen zu lassen. Was zur Folge hatte, dass das Match zu einer Hängepartie über 36 Stunden wurde. Am Freitag konnte wegen einer Regenfront kein einziger Ballwechsel stattfinden.

Auswirkungen hat die Fehlplanung in vielfacher Hinsicht. Bereits ab kommenden Freitag werden die Halbfinals im Davis Cup gespielt. Nadal hat vorsichtshalber schon mal seinen Einsatz im spanischen Team abgesagt - unter anderem wegen einer Bauchmuskelzerrung.

© SID

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