Tennis US-Open
Safina empört über mangelnden Respekt

Nach ihrem Aus bei den US Open platzte Dinara Safina auf der Pressekonferenz der Kragen. Die Nummer eins der Welt beklagte, dass sie nicht im Arthur-Ashe-Stadion spielen durfte.

Als Dinara Safina nach ihrem Drittrunden-K.o. bei den US Open um zwei Uhr morgens zur Pressekonferenz erschien, platzte es aus der hellwachen Weltranglistenersten heraus. Der Respekt vor ihr als Nummer eins, den die umstrittene Russin immer wieder einfordern muss, war ihr wieder einmal nicht entgegengebracht worden. "Es ist einfach keine faire Entscheidung, die beste Spielerin der Welt nicht im großen Arthur-Ashe-Stadium spielen zu lassen", schimpfte Safina nach dem 4:6, 6:2, 6:7 (5:7) gegen Petra Kvitova (Tschechien).

Die "Strafversetzung" ins kleinere Louis-Armstrong-Stadion hatten die Verantwortlichen auf Grund von Zeitproblemen bei der "Night Session" vorgenommen. Auch anderen großen Namen ist das bei Grand Slams freilich schon passiert. Doch für die 23-Jährige war sie das i-Tüpfelchen auf einer monatelangen Diskussion über die wahre Nummer eins im Damen-Tennis. Es sei "nicht so oft in diesem Jahr" vorgekommen, dass sie völlig entspannt und mit Spaß am Spiel auf den Court gegangen sei, gestand die Wahl-Monegassin.

Seit April sitzt Safina auf dem Thron, doch die Anerkennung als Königin des Courts fehlt ihr. Die Tatsache, dass sie bislang kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, ist immer präsent. Auch in New York avancierte für Safina fast jede Pressekonferenz zum Spießrutenlauf. "Es ist nicht fair, wie alle auf ihr rumhacken", meinte auch Fed-Cup-Spielerin Kristina Barrois (Stuttgart), die gegen Safina in der zweiten Runde in drei Sätzen verloren hatte.

Serena Williams sieht sich als "wahre Nummer eins"

Besonders Serena Williams (USA) hatte die Diskussion über die Pole Position vor ein paar Wochen wieder angeheizt. "Jeder weiß doch, wer die wahre Nummer eins ist", sagte die Siegerin von Melbourne und Wimbledon und merkte hämisch an: "Dinara hat einen tollen Job gemacht, um Nummer eins zu werden. Sie hat in Rom und Madrid gewonnen."

Viele Zahlen sprechen für die Weltranglistenzweite Serena Williams. Im Finale der Australian Open beispielsweise deklassierte sie Safina mit 6:0, 6:3. Spätestens seit der Niederlage im Finale der French Open im russischen Duell gegen Swetlana Kusnezowa im Mai hat Safina den Ruf als ewige Verliererin weg.

Trost für die Verkannte, die trotz des frühen Ausscheidens in New York ihre Premium-Position behält, kommt aus der eigenen Familie. "Es ist schwer die Nummer eins zu sein. Jeder schaut auf dich. Aber ich finde, Dinara bekommt nicht die Anerkennung, die sie verdient", erklärte Safinas Bruder Marat Safin, der selbst einmal an der Spitze der Bestenliste stand.

Favoritensterben bei den US-Open

Für viele ist die eher unauffällige Safina nur das personifizierte Dilemma des Frauen-Tennis. Seit dem überraschenden Rücktritt von Justine Henin (Belgien) im Mai 2008 gab es unter fünf Spielerinnen bereits achtmal einen Führungswechsel. Trainer-Guru Nick Bollettieri rechnet sogar damit, "dass die Verweildauer an der Spitze künftig noch kürzer wird".

Bei den US Open hat das Favoritinnensterben im Damen-Feld inzwischen Rekorddimensionen angenommen. Mit dem Aus von Safina sind nur sieben der 16 topgesetzten Spielerinnen im Achtelfinale vertreten und damit so wenige wie nie zuvor. Hoffnung auf frischen Wind an der Spitze macht die erst 17-jährige Melanie Oudin (USA), die nach Siegen über Jelena Dementjewa und Maria Scharapowa (beide Russland) zum zweiten Mal nach Wimbledon in der Runde der letzten 16 bei einem großen Turnier steht.

Neues Punktesystem kommt Safina zugute

Safinas Sprung auf den Thron wurde durch das Punktesystem der WTA ermöglicht, das konstante Vielspielerinnen wie die Russin belohnt. "Dafür kann ich nichts. Ich habe das nicht eingeführt", wehrt sich die dreimalige Grand-Slam-Finalistin.

In Flushing Meadows wirkte Safina wegen der Endlosdiskussion nicht nur auf dem Platz angeschlagen. "Sie sah schon angespannt aus", meinte Barrois. Nachdem Safina bereits in den Runden zuvor gewankt war, kam das Ende gegen Kvitova nicht überraschend. Bezeichnend für die Verunsicherung der Nummer eins, dass ihr in den 2:34 Stunden nur zwölf Winner gelangen, ihrer Gegnerin dagegen 47. Zudem vergab Safina drei Matchbälle.

© SID

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