Tennis-Vermarktung
Sabine Lisickis Weckruf aus Wimbledon

Sky bleibt stur: Das Wimbledon-Finale gibt es nur im Pay-TV. Das ist keine Schikane, sondern ein Versäumnis der großen Fernsehsender – denen Tennis lange nicht attraktiv genug war. Nun zeichnet sich ein Return ab.
  • 8

Endlich großes Tennis: 14 Jahre nach Steffi Graf steht wieder eine Deutsche im Wimbledon-Finale. In einem packenden Halbfinale siegte Sabine Lisicki am Donnerstag gegen die Polin Agnieszka Radwanska. Im Endspiel trifft Lisicki, von der Boulevardpresse schon zur „Bum Bum Bine“ geadelt, nun auf Marion Bartoli aus Frankreich. Live mitfiebern kann in Deutschland nach derzeitigem Stand indes nur ein exklusiver Kreis – die Übertragungsrechte am prestigeträchtigen Turnier auf englischem Rasen hält der Pay-TV-Sender Sky.

Je weiter Lisicki kam, desto mehr bemerkten die öffentlich-rechtlichen Sender, dass sie mit dem Verzicht auf Wimbledon-Livebilder in diesem Jahr einen Fehler gemacht haben. Noch am Donnerstag und sogar noch einmal Freitag bettelte die ARD förmlich bei Sky darum, das Finale am Samstag auch übertragen zu dürfen. Mit einem Last-Minute-Angebot an den Pay-TV-Sender sollte doch noch eine kostenlose Ausstrahlung möglich gemacht werden. Vergeblich. Am Abend erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausk , dass man sich bis zum Nachmittag intensiv bemüht, die Free-TV-Rechte am Damen-Endspiel in Wimbledon bemüht habe. „Leider sind die Verhandlungen an den überzogenen Preisvorstellungen von Sky gescheitert“, so Balkausk.

Auch der Deutsche Tennis Bund (DTB) bekniete den Pay-TV-Sender: „Wir stehen fast täglich mit Sky in Kontakt, es ist uns aber nicht gelungen, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, die Top-Spiele auch für Free-TV-Sender zu öffnen“, sagte Stefan Felsing, im Präsidium des DTB zuständig für Vermarktungsfragen, gegenüber Handelsblatt Online. Felsing, hauptberuflich Geschäftsführer der Hamburger Agentur Ufa Sports, will das dem Sender nicht verübeln: „Das Geschäftsmodell eines Pay-TV-Senders ist eben die Exklusivität, das muss man akzeptieren.“

Und so kam es auch: Man habe das ARD-Angebot „eingehend geprüft und für nicht ausreichend erachtet“, sagte Sky-Sprecher Ralph Fürther bereits am Donnerstagabend dem Medienmagazin DWDL.de. Lisickis möglicher Wimbledon-Sieg bleibt also eine medial exklusive Angelegenheit. An der breiten Masse geht so eines der größten Sportereignisse der fußballfreien Zeit weitgehend vorbei. Sky kostet die angesprochene Exklusivität in vollen Zügen aus. Das Turnierticket, das neben dem Endspiel von Sabine Lisicki nun nur das Herren-Finale beinhaltet, wird für 15 Euro angeboten. Für Kunden, die das Sportpaket gebucht haben, ist das Vergnügen inklusive. Nicht von ungefähr schaltete Sky noch am Freitag prominente Anzeigen auf großen Sportportalen wie Sport1.de und Kicker.de, die gezielt das Finale bewarben. Aus Sicht des Senders eine fast schon als perfekt zu bezeichnende Marketingstrategie – bis offenbar auch aufgeht.

Aus Sicht vieler Fans ist das schade bis skandalös. Schon die spektakulären Achtel,- Viertel- und Halbfinals hätten ein weit größeres Publikum interessiert als die 80.000 Zuschauer, die Sky beispielsweise beim Achtelfinale erreicht hat. Das Halbfinale sahen dann sogar 230.000 Menschen beim Bezahlsender.

Die Situation ist symptomatisch: Sportlich überzeugen deutsche Tennisprofis wie Sabine Lisicki, Andrea Petkovic, Angelique Kerber oder Tommy Haas längst. Nur bekommt es kaum jemand mit – Wimbledon läuft seit Jahren im Pay-TV, andere Grand-Slam-Turniere wie die US Open sind im Spartensender Eurosport versteckt. Manche Wettbewerbe drohten zuletzt, schlicht gar nicht mehr übertragen zu werden. „Schade“ findet das auch Sabine Lisicki selbst.

Kommentare zu " Tennis-Vermarktung: Sabine Lisickis Weckruf aus Wimbledon"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Aus welchem Grund bitte ist es notwendig, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender weitere Millionen für Sportübertragungen ausgeben?
    Die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist es die Grundversorgung der BEvölkerung mit Informationen zu gewährleisten. Dafür ist es völlig ausreichend, wenn eine entsprechende Berichterstattung in den Nachrichten bzw. Sportshows mit Drittverwertungsrechten erfolgt.
    Genauso wie bei der Krankenversicherung oder der Rentenversicherung gilt hier: Wer mehr will, kann sich das dann ja privat holen.
    Statt über weitere Live-Berichterstattung aus dem Sportbereich zu diskutieren, sollte also hier vielmehr über ein Verbot dieser diskutiert werden.
    Dies würde dazu führen, dass im Moment nicht mal wieder über eine Gebührenaufstockung i.H.v. mindestens 80 Mio € diskutiert werden müsste. Im Gegenteil. Die Haushaltsabgabe könnte reduziert werden und somit alle Haushalte entlastet werden.

  • sind wir hier in Spanien?

    ... Indusstrieproduktion seit 5 Jahren auf dem Stand von 1993 - ja:
    die haben Zeit, sich Sport im Fernsehen anzuschauen ...

    und an alle "Kartoffeln": weniger glotzen, mehr selber machen!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Würden mal die Merkwürdigkeiten des Euros und der EU in dieser Inbrunst abgearbeitet von dern ÖR...

    wenn mal was kommt dann zur unseligen Zeiten...

    Dem Politischen Auftrag das Volk zu informiern kommen sie ja kaum nach....

    Anders kann man es nicht sehen wenn zum Tage des ESM gesetzes und seiner Abstimmungen
    lieber Fußball vorgehoben wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%