Tennis Wimbledon
Agassi - Eine Legende feiert Abschied

Andre Agassi hat sich vom Centre Court in Wimbledon verabschiedet. Die Legende verbeugte sich nach seiner Niederlage gegen Rafael Nadal vor seinem Publikum und schaute letztmals vom bedeutensten Tennisplatz der Welt auf.

Es war ein schwerer Gang für Andre Agassi: Letztmals verließ die Legende den berühmtesten Tennisplatz der Welt. Kurz zuvor stand der kleine Mann alleine in der Mitte des Centre Courts und verbeugte sich mit Tränen in den Augen Richtung Publikum. Das Kapitel Wimbledon ist für Agassi seit dem 1. Juli 2006 beendet.

"Es war für mich ein Privileg, noch einmal dort spielen zu dürfen", sagte der 36-Jährige: "Hier auf Wiedersehen zu sagen, bedeutet mir ebenso viel, wie hier zu gewinnen." Auffallend viele Damen im Publikum verbargen ihre wohl feuchten Augen hinter Sonnenbrillen, auch Ehefrau Steffi Graf, die das letzte Match des Gatten aus der königlichen Loge verfolgte.

Der ehemalige Weltranglisten-Erste und achtmalige Grand-Slam-Champion, der sein Karriereende nach den US Open Anfang September angekündigt hat, wurde passenderweise abgelöst vom erfolgreichsten Spieler der letzten Wochen. Der 20-jährige Rafael Nadal setzte sich nicht nur glatt mit 7:6 (7:5), 6:2, 6:4 durch, sondern demonstrierte erstmals ein Rasentennis, das ihn auch an der Church Road zu einem ernsthaften Kontrahenten für den dreimaligen Sieger Roger Federer macht.

Agassi lobt Nadal - Nadal lobt Agassi

"Seine Art, sich zu bewegen, ist nicht von dieser Welt", sagte Agassi über den French-Open-Sieger. Der Altmeister wusste danach endgültig, dass seine Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen, richtig war. "Ich wollte mir noch eine Chance geben, hier erfolgreich zu spielen", sagte Agassi, "aber ich habe zu viel erhofft."

Nach dem Match nahmen sich beide Spieler am Netz kurz in die Arme, und der junge zeigte, dass er nicht nur in seinen Schlägen Klasse hat. "Ich habe ihm gesagt, dass er der Größte ist, und ihm zu seiner Karriere gratuliert", erklärte Nadal, der feinfühlig darauf verzichtete, seinen Erfolg allzu emotional zu feiern: "Es war Agassis Tag, nicht meiner."

Für den Mann aus Las Vegas, der erstmals 1987 als langmähniger Punk in London Sw19 auftauchte und die konservativen Kluboberen erschreckte, brach der All England Club nun sogar mit einer seiner vielen Traditionen. Erstmals nach einem Drittrundenspiel wurde ein Spieler auf dem Platz interviewt, Agassi durfte sich von seinen Zuschauern verabschieden.

Agassi: "Ich kann und will es nicht mehr tun"

"Wimbledon hat mich den Respekt vor dem Tennissport und meinem Job gelehrt", sagte der Champion von 1992: "Wenn man die Leute über Nacht auf der Straße hocken sieht, oder unter Regenschirmen auf einem Außenplatz, dann merkt man erst, was ihnen unser Sport bedeutet."

Seine chronische Rückenverletzung machte das Ende unvermeidbar. Einmal noch hat er sich gequält, um in Wimbledon und beim ultimativen Ende bei den US Open Anfang September spielen zu können. Das gesamte Frühjahr hat er deshalb an seinem Körper gearbeitet, sich wieder mit Cortison behandeln lassen. "Man macht zwei Schritte vor und zwei zurück. Das ist hart und nervt, ich kann und will es nicht mehr tun", sagte Agassi.

Als er im März in Miami verzichten musste, weil er einfach nicht fit wurde, fiel die endgültige Entscheidung. Mittlerweile hat er seinen Frieden damit gemacht, dass ein Teil seines Lebens zu Ende geht: "Ich bin 20 Jahre morgens aufgewacht mit dem Gedanken daran, was ich tun muss", sagt er: "Jetzt werde ich aufwachen mit dem Gedanken daran, was ich tun will."

© SID

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