Tennis Wimbledon
Becker in Wimbledon auf Beckers Spuren

Benjamin Becker lebt derzeit seinen Wimbledon-Traum. Nach seinem Sieg über Juan Ignacio Chela werden Vergleiche mit Boris Becker herangezogen. Für den Qualifikanten kein Problem: "Ich lebe damit und lache darüber."

Mehr als den Nachnamen hat er mit ihm nicht gemein - "Boris!" hat er bei seinen Matches allerdings schon öfter mal aus dem Publikum gehört. Auch wieder am Dienstag bei seiner Wimbledon-Premiere, dem Erfolg über den Argentinier Juan Ignacio Chela. Es ist ja auch zu reizvoll für die Fans, speziell an der Church Road, dass da plötzlich wieder Deutscher beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt aufschlägt, der als B. Becker auf den Anzeigetafeln steht: Benjamin Becker aus Orscholz im Saarland.

"Nein", sagt er, "mich nerven diese Vergleiche wegen des Namens nicht. Ich lebe damit und lache darüber." Irgendwie ist es ja auch ganz witzig. Becker, Deutschland, Wimbledon - das verschafft einem Qualifikanten auf Weltranglistenplatz 161 schon mehr Aufmerksamkeit, als wenn er Müller hieße. Am frühen Mittwochabend musste er auf Platz 19 gegen den Spanier Fernando Verdasco sein Zweitrundenmatch bestreiten, und wieder hielt der eine oder andere an, um mal zu schauen, wer sich denn hinter diesem Namen verbirgt.

Keinerlei Verbindung zum großen Idol

Er ist nicht rothaarig, nicht 17 und auch nicht besonders groß. Benjamin Becker ist brünett, 25 Jahre alt und mit etwa 1,77 Meter von eher durchschnittlicher Statur. Er hat keinerlei Verbindung zu dem dreimaligen Wimbledon-Champion aus Leimen - außer eben dem Namen. "Boris war immer mein Idol, er hat so viel für Tennis in Deutschland getan", sagt der Saarländer: "Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind morgens aufgestanden bin, um Beckers Finale in Australien gegen Ivan Lendl zu sehen." Das war 1991 und der kleine Benjamin war gerade neun.

Sein Tennisweg verlief völlig anders als der des früh entdeckten und professionell betreuten "Roten". Becker II spielte ausschließlich für den Nachwuchskader des saarländischen Verbandes, für höhere Weihen im Deutschen Tennis Bund (DTB) wurde er als nicht gut genug befunden. 1999 nahm er dennoch am Junioren-Turnier in Wimbledon teil, wo er es als Lucky Loser der Quali ins Hauptfeld schaffte. Nach dem Abitur 2000 bekam Becker ein Tennisstipendium der Baylor-Universität in Waco/Texas, für die er von 2001 bis 2005 mit großem Erfolg spielte und gleichzeitig internationale Wirtschaft und Finanzwesen studierte.

Das scheint der neue deutsche Sonderweg zu werden. Auch Alexander Waske, der in San Diego studierte, verbrachte Jahre auf einem US-College, bevor er sich mit Mitte Zwanzig für die Profilaufbahn entschloss. "Für mich war das optimal", erklärt Becker: "Mit 18 war ich für diesen Job überhaupt noch nicht reif genug."

Neuer deutscher Sonderweg

So begeistert war er von den Bedingungen in Baylor mit den erstklassigen Trainingsmöglichkeiten, dass er nach einem Jahr seinen alten Kumpel Benedikt Dorsch nachholte. Auch Dorsch schlug sich dieses Jahr im Wimbledon durch die Quali, scheiterte aber in Runde eins.

Becker macht nun seit etwa einem Jahr die Ochsentour durch Satellite- und Challenger-Turniere. Schrittweise will er sich nach oben spielen. Erst vor zwei Wochen hat er in Halle/Westfalen erstmals die Qualifikation für ein ATP-Turnier geschafft, jetzt ließ er den Erfolg in Wimbledon folgen.

"Ich habe es noch gar nicht realisiert, dass ich hier Runde zwei erreicht habe", sagte er: "Da ist ein Traum wahr geworden." Und je länger er so weitermacht, um so wahrscheinlicher wird es, dass sich auch ein anderer Traum erfüllt: "Ich würde mich freuen, einmal Boris Becker die Hand zu schütteln."

© SID

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