Tennis Wimbledon
Die Zukunft erreicht Wimbledon

In Zukunft soll das typisch englische Wetter den Spielplan in Wimbledon nicht mehr durcheinander wirbeln können. Ab 2009 wird der Centre Court durch ein Schiebedach vor Regen oder extremer Hitze geschützt sein.

Nach vielen traditionsreichen Jahren hat die Zukunft nun auch endlich das Tennis-Turnier von Wimbledon erreicht. Auf einer großen Säule ist bereits jetzt dargestellt, wie der Centre Court ab 2009 aussehen wird: Mit einem Schiebedach vor Regen oder extremer Hitze geschützt, neue Restaurant- und Zuschauerbereiche, 15 000 Plätze statt jetzt 13 800. Der All England Club hat die Lehren aus den steten Wetterkapriolen gezogen, die das bedeutendste Tennisturnier der Welt jedes Jahr aufs Neue durcheinander bringen. Die Tradition kapituliert nun doch vor dem Regen.

Zum Auftakt der 120. All England Championships am Montag wurde noch einmal für jeden deutlich, wie notwendig die Baumaßnahmen sind. Nicht eine der angesetzten 64 Partien konnte beendet werden. Insgesamt nur 44 Minuten Tennis waren möglich. Den Klub kostete der verregnete Tag rund eine Million Pfund, weil er den Zuschauern die Kosten für die Eintrittskarten vollständig zurückerstattet, wenn weniger als 60 Minuten gespielt wird. Versichert dagegen ist er bereits seit Jahren nicht mehr, die Prämien waren einfach zu hoch.

Wichtiger noch ist aber die Planbarkeit für TV-Übertragungen, die einen wesentlichen Teil der Einnahmen ausmachen. Auch die BBC ist es Leid, statt Live-Tennis immer nur Konserven zu zeigen. Schon vor zwei Jahren hatte der Klub deshalb den Beschluss zum Ausbau seines Hauptstadions getroffen. "Wir planen, die Geschichte und Tradition des Centre Courts zu bewahren, aber gleichzeitig außergewöhnliche Verbesserungen für Spieler, Fans und Fernsehzuschauer des 21. Jahrhunderts einzuführen", erklärte Klubchef Tim Phillips.

Nach Turnierende 2006 rollen die Baufahrzeuge an

Unmittelbar nach Turnierende rollen noch Mitte Juli die ersten schweren Baufahrzeuge an und legen "Hand" an den 1922 errichteten traditionsreichen Centre Court. Zunächst wird das alte, dunkelgrüne Dach über den Zuschauerrängen demontiert, das dem bekanntesten Tennisstadion der Welt seinen unverwechselbaren Charakter verliehen hat. Im kommenden Sommer sitzen die Besucher dann "im Freien". Wahrscheinlich wird dann 14 Tage lang unerbittlich die Sonne aus dem Londoner Himmel herabbrennen.

Die stete Überdachung für die Zuschauer soll dann 2008 wieder aufgebaut sein, 2009 ist dann das zweiteilige, sich zusammenfaltende Schiebedach aus lichtdurchlässigem Material fertig. Weniger als zehn Minuten soll es dauern, bis sich das Dach über dem Court geschlossen hat, insgesamt wird mit Spielpausen von nicht länger als 25 Minuten gerechnet. 2009 werden auch alle Sitze des Stadions erneuert, die Treppenhäuser modernisiert, Aufzüge eingebaut, die Cateringbereiche verbessert. Über die Kosten schweigt sich der Klub natürlich diskret aus, aber mit mehreren hundert Mill. Euro muss man rechnen.

Das Geld aber dürfte kein Problem sein. Der Gewinn aus dem Turnier stieg seit 1980 von 420 000 Pfund 1983 auf rund 27 Mill. Pfund im Vorjahr. "Wir werden sehen, wie sich das neue Dach bewährt", sagte der ehemalige Klubsekretär Chris Gorringe, der den Umbau eingeleitet hatte, "der Klub wird danach überprüfen, ob man auch den erst 1998 errichteten Platz eins abdecken kann."

© SID

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