Tennis Wimbledon
Kapitel Wimbledon für Agassi beendet

Sein letztes Spiel auf dem "heiligen Rasen" von Wimbledon hat Andre Agassi am Samstag bestritten. Der 36-jährige US-Amerikaner verlor in der dritten Runde gegen den Spanier Rafael Nadal 6:7, 2:6, 4:6.

Das Publikum von Wimbledon hat am Samstag den endgültigen Abschied von Superstar Andre Agassi vom "Mekka des Welt-Tennis" miterlebt. Der US-Amerikaner scheiterte in der dritten Runde des prestigeträchtigen Grand-Slam-Turniers am Spanier Rafael Nadal mit 6:7 (5:7), 2:6, 4:6.

Nur im ersten Satz konnte der Ehemann von Steffi Graf gegen den spanischen Jungstar mithalten, musste sich aber im Tie-Break dennoch knapp geschlagen geben. Die beiden folgenden Sätze gestaltete der an Nummer zwei gesetzte Iberer souveräner. Agassi verabschiedete sich daraufhin mit Winken und Kusshänden und einer kleinen Träne im Auge von seinen Fans, die den 36-Jährigen stehend mit minutenlangen Ovationen bedachten. "Ich danke euch allen, dass ihr mich stets so unterstützt habt", sagte Agassi nach dem Match zu den Fans: "Das ist der Platz, auf dem man als Tennisspieler sein will und ich werde diesen Nachmittag nie vergessen."

Der 36-Jährige ist in der dritten Runde der 120. All England Championships an einem seiner Nachfolger gescheitert, an einem ganz herausragenden Spieler seiner Generation. Der 20 Jahre alte Nadal war zu gut, zu jung, zu schnell, zu kraftvoll für Agassi an diesem großartigen Sommernachmittag vor 13 800 Fans, die den besonderen Moment dieses Matches jederzeit würdigten. "Andre war unglaublich, es war eine große Ehre für mich, hier gegen ihn zu spielen", sagte Nadal, der erstmals im Achtelfinale an der Church Road steht.

Besondere Atmosphäre auf dem Centre Court

Bereits vor Spielbeginn herrschte eine Atmosphäre auf dem altehrwürdigen Centre Court, wie es sie bei einem Spiel der 3. Runde nur selten gegeben hat. Zahlreiche ehemalige Grand-Slam-Sieger und Wimbledon-Helden wurden dem Publikum einzeln vorgestellt und nahmen ihren Platz in der Royal Box ein. Unter anderen Martina Navratilova und Billy Jean King wurden so begrüßt - und Steffi Graf, die wahrscheinlich viel lieber auf ihrem angestammten Platz in der Spielerloge gesessen hätte, um ihrem Mann die Daumen zu drücken.

Die Fans standen eindeutig auf der Seite des US-Amerikaners, der in den vergangenen Jahren sein Image vom Ekel zum freundlichen Elder Statesman des Tennis gewandelt hat. Vor 19 Jahren war er erstmals an der Church Road aufgetaucht, mit langen Zottelhaaren, wilden Shorts - ein Schock für die noblen Kluboberen. 1992 gewann er den Titel, ein Grundlinienspieler der neuen Power-Generation mit beidhändiger Rückhand und Kunststoffschläger. Am Samstag musste er sich dem derzeitigen Meister dieses Spielertyps geschlagen geben, der offenbar gelernt hat, auch auf Gras sein Spiel durchzusetzen.

Bereits im ersten Durchgang schien Nadal ständig einem Break näher, hatte Breakbälle bei 2:1, die Agassi abwehren konnte. Ein Schrei der Erleichterung hallte durch das Stadion, als Agassi das Spiel dennoch gewann. Die Sympathien waren eindeutig, auch als Agassi bei 4:5 gegen ihn insgesamt drei Satzbälle mit exzellenten Aufschlägen abwenden konnte.

Im Tiebreak zeigte Agassi dann sein bestes Tennis, hatte bei einer 5:4-Führung und zwei eigenen Aufschlägen die große Chance, den Satz zuzumachen. Doch ausgerechnet da verlor er die Nerven, eine einfache Vorhand setzte er ins Aus, den nächsten Punkt machte der Spanier mit einer schier unglaublichen Vorhand. Der Satz war weg, und damit auch das Match. Nadal war nun nicht mehr aufzuhalten.

Wimbledon-Sieg 1992

Acht Grand-Slam-Titel hat Agassi geholt, als einziger aktiver Spieler hat er jedes der vier großen Turniere einmal gewonnen. Noch einmal hatte er sich in diesem Frühjahr fitgemacht, die Cortisonkur für den angeschlagenen Rücken in Kauf genommen.

Er hat bewiesen, dass er mit den derzeit Besten noch mithalten kann, gewinnen kann er wohl nicht mehr. Bei den US Open wird er in wenigen Wochen seinen endgültigen Abschied nehmen vom Profitennis, das sein Leben war. Wimbledon hat er nun verlassen - im nächsten Jahr kehrt er höchstens neben seiner Frau in die Königliche Loge zurück, wenn wieder die Legenden geehrt werden.

Im Achtelfinale trifft der siegreiche Nadal nun auf den Georgier Irakli Labadze, der seinerseits in der dritten Runde von der verletzungsbedingten Aufgabe seines Kontrahenten Mardy Fish aus den USA profitierte.

Roddick frühzeitig gescheitert

Unterdessen hat auch Mitfavorit Lleyton Hewitt den Einzug in die Runde der letzten 16 geschafft. Der Australier bezwang Olivier Rochus aus Belgien klar in drei Sätzen mit 6:1, 6:4, 6:4. Für Andy Roddick ist dagegen frühzeitig Feierabend. Talent Andy Murray tröstete die Briten wenigstens ein wenig für das Ausscheiden der englischen Fußballmannschaft bei der WM getröstet. Der 19 Jahre alte Schotte bezwang den an Nummer drei gesetzten zweimaligen Finalisten Roddick 7:6 (7:4), 6:4, 6:4 und zog damit bei seiner zweiten Teilnahme am bedeutendsten Tennisturnier der Welt erstmals ins Achtelfinale ein. Der Weltranglistenfünfte Roddick wurde in Wimbledon in den vergangenen drei Jahren nur von Roger Federer gestoppt: in den letzten beiden Jahren jeweils erst im Endspiel, 2003 im Halbfinale.

Für Murray ist der Sieg der größte Erfolg bei Grand-Slam-Turnieren in seiner jungen Karriere, die mit seinem Vordringen in die dritte Runde von Wimbledon im Vorjahr begann. Sein nächster Gegner ist entweder der Franzose Sebastien Grosjean oder Marcos Baghdatis aus Zypern.

© SID

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