Tennis Wimbledon
Nadal siegt im "größten Finale aller Zeiten"

Der Spanier Rafael Nadal hat im "größten Finale aller Zeiten" Titelverteidiger Roger Federer entthront und zum ersten Mal das Tennisturnier von Wimbledon gewonnen.

Mit Tränen in den Augen und der spanischen Fahne über der Schulter eroberte der neue Herrscher von Wimbledon am Ende auch noch die königliche Loge. Nach einer Kletterpartie über die Tribüne herzte Rafael Nadal Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia, und im Blitzlichtgewitter von London mochte nur der gestürzte Roger Federer gar nicht mehr hinsehen. Mit leerem Blick saß der Schweizer auf seinem Stuhl und versuchte, seine Niederlage in einem Tennisspiel für die Ewigkeit zu verarbeiten.

"Final of all finals"

Vier Stunden und 48 Minuten hatte sich der fünfmalige Champion im längsten Endspiel der Wimbledon-Geschichte mit seinem Herausforderer eine atemberaubende Berg- und Talfahrt geliefert. Zweimal musste das Match wegen Regens unterbrochen werden, "the final of all finals", das "größte Finale aller Zeiten" (Daily Telegraph), stand am Ende wegen der Dunkelheit unmittelbar vor dem Abbruch.

Doch am Ende war der 26-jährige Federer nach dem 4:6, 4:6, 7:6 (7:5), 7:6 (10:8), 7:9 trotz einer grandiosen Aufholjagd erstmals seit fünf Siegen nacheinander der Geschlagene. Rafael Nadal, der viermalige French-Open-Sieger und anerkannte Sandplatzkönig, biss sich im goldenen Challenge Cup fest, als wolle er ihn nun nicht mehr hergeben.

Für Nadal wird ein Traum war

"Ich habe als Kind immer davon geträumt, hier zu spielen. Für mich als Spanier ist es unglaublich, Wimbledon zu gewinnen", sagte Nadal, "das haben wir ja noch nicht so oft geschafft." Nur 1966 hatte in Manuel Santana ein Landsmann von Nadal den heiligen Rasen erobert, und als es nun Nadal schaffte, war es, als wiederhole sich die Geschichte.

Fünfmal in Folge hatte Federer an der Church Road triumphiert. Mit einem Sieg am Sonntag hätte er den legendären Björn Borg überholt und als erster Spieler der Profiära die sechs Titel hintereinander geschafft. Doch Borg erlebte auf der Tribüne mit, wie Nadal Federer "seinen" Pokal wegnahm - so wie es bei ihm damals John Mcenroe nach fünf Siegen nacheinander getan hatte. Der US-Amerikaner kam damals wie heute Nadal als Nummer zwei nach Wimbledon und nach einer Finalniederlage im Vorjahr entthronte er Borg. Der Schwede gewann nie wieder auf dem heiligen Rasen, Mcenroe noch zwei weitere Male.

Federer spricht von irregulären Lichtbedingungen

Verweint sah Federer aus, als er später in die Pressekonferenz kam. "Paris war nichts dagegen. Das hier ist ein Desaster", sagte der Eidgenosse. Vor vier Wochen hatte er im French-Open-Finale eine bittere Dreisatzlehrstunde von Nadal bekommen, für viele bereits die Ankündigung des Königssturzes von Wimbledon. Federer nahm es sportlich und fair wie immer, aber er war schwer angeschlagen: "Es ist hart zu akzeptieren, dass das wichtigste Turnier der Welt in einem Licht entschieden wird, in dem es eigentlich unmöglich ist zu spielen."

Nadal sah das natürlich etwas lockerer. "Im letzten Spiel habe ich einfach nichts gesehen. Ich konnte es nicht glauben, aber ich habe nichts gesehen", erzählte der Spanier im Plauderton. Hätte er nicht das entscheidende Break zum 8:7 im fünften Satz geschafft und danach seinen Aufschlag zum Matchgewinn durchgebracht - 15 000 Zuschauer auf dem Centre Court, Tausende Tennisverrückte vor der Großbildleinwand auf dem Henman Hill und Mill. an den Fernsehschirmen hätten um 21.15 Uhr Ortszeit wohl keinen neuen Wimbledon-Sieger gesehen. Und das Finale hätte zum dritten Mal in der Profiära am Montag beendet werden müssen.

Ein Duell für die Ewigkeit

Doch obwohl Nadal nun die gefühlte Nummer eins ist, Federer wird zurückkommen. Die britischen Medien verglichen "Nadal gegen Federer" bereits mit den großen Sportrivalitäten wie Ali gegen Frazier oder eben Borg gegen Mcenroe. "Die Aufregung vom Sonntag wurde noch übertroffen von der Erkenntnis, dass wir noch über Jahre diese beiden Spieler wieder bei dem sehen dürfen, was sie hier getan haben", schrieb die Tageszeitung The Guardian.

© SID

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