Tennis Wimbledon
Rafael Nadal ist der neue König von Wimbledon

Rafael Nadal hat die Vorherrschaft von Roger Federer in Wimbledon beendet. Der Spanier gewann 6:4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7. Federer hatte zuvor fünfmal in Serie triumphiert.

Der König von Wimbledon ist gestürzt. Mit unbändigem Siegeswillen und kühl bis ans Herz hat der spanische Eroberer Rafael Nadal den fünfmaligen Champion Roger Federer entthront und zum ersten Mal die All England Championships gewonnen. Beim 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10), 9:7 im denkwürdigen und mit 4:48 Stunden längsten Finale der Wimbledon-Geschichte schlug er den Schweizer vier Wochen nach der Demütigung im Finale der French Open erneut. Während Federer wie schon Björn Borg 1981 auf dem Weg zum sechsten Titel in Folge scheiterte, krönte sich Nadal zum ersten spanischen Wimbledon-Champion nach Manuel Santana 1966.

Mit unerschütterlichem Selbstvertrauen schaffte der viermalige Paris-Sieger Nadal damit im dritten Wimbledon-Finale nacheinander gegen Federer den ersten Sieg. Für den Titelverteidiger, zunächst seltsam gehemmt und viel zu selten der "Zauberer", dann aber mit großem Kämpferherzen ebenso Teil eines Matches für die Tennis-Geschichtsbücher endete dagegen eine schier unglaubliche Serie.

Erste Niederlage nach 65 Siegen in Serie

65 Mal hatte er zuvor auf Rasen nicht verloren, der Kroate Mario Ancic war 2002 in der erste Runde von Wimbledon bislang der letzte Spieler, der ihn auf seinem Lieblingsbelag besiegt hatte. Zudem verpasste es Federer, als erster Spieler der Profi-Ära sechsmal in Serie an der Church Road zu gewinnen und zudem Rekordsieger Pete Sampras (7 Titel) wieder ein Stück näherzurücken.

"Ich habe alles versucht. Aber Rafael hat den Titel verdient", sagte Federer und ergänzte schmunzelnd: "Er ist der schlimmste Gegner, den man sich vorstellen kann." Nadal, der nach dem letzten Ball völlig entkräftet auf den Boden fiel, fehlten fast die Worte: "Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorgeht. Ich bin einfach nur überglücklich. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen."

In dem vier Jahre jüngeren Nadal fand der 26 Jahre alte Eidgenosse nun auf seinem Lieblingsbelag seinen Meister. Auch in der Weltrangliste rückt Nadal dem Spitzenreiter immer näher. Auch ein heftiger Regenschauer und eine 80-minütige Spielpause beim Stand von 4:5 im dritten Satz brachten Nadal nicht vom Weg ab. Nach der Viersatzniederlage im Endspiel 2006 und den fünf Sätzen im vergangenen Jahr hatte er diesmal das bessere Ende für sich.

Seit Freitag hatte London nur über den großen Schlusspunkt des bedeutendsten Turniers der Welt diskutiert. Doch dann kamen die Wettervorhersagen und viele redeten schon vom ersten Montagsfinale seit 2001. Ein riesiger Guss am Mittag, dann zogen die Helfer aber die grünen Planen weg und mit 25 Minuten Verspätung betraten die Hauptdarsteller die Bühne. Die Spannung war auf der ganzen Anlage spürbar und vor der großen Leinwand auf dem Henman Hill drängten sich die Tennisfans.

Besserer Start für Nadal

Es war dann der Herausforderer, der vor 15 000 Zuschauern den besseren Start erwischte. Mit seinem Spin und starken Winkeln bereitete er Federer starke Probleme, setzte ihn vor allem auf der Rückhand unter Druck. Ein Break zum 2:1 und nach 47 Minuten hatte Nadal den ersten Satz gewonnen.

Zwischendurch zeigte sich sogar die Sonne über dem Stadion. Doch sie schien zunächst weiter nur für Nadal. Er glich einen 1:4-Rückstand im zweiten Satz wieder aus, Federer leistete sich dagegen ungewohnte Fehler. Ein Break zum Abschluss und Nadal hatte nach 46 weiteren Minuten auch den zweiten Satz gewonnen.

Mit den Wolken wurde dann auch Federers Miene immer dunkler, fast hilflos wirkte der Titelverteidiger zwischendurch. Nadal wackelte erst, als er zu Beginn des dritten Satzes wegrutschte. Langgestreckt lag er auf dem Boden und musste sich anschließend kurz am Knie behandeln lassen - wehrte gleich danach aber zwei Breakbälle ab. Es kam wieder der Regen und Federer mit nur einem verwandelten Breakball bei zwölf Chancen in die Kabine.

Doch im Tiebreak zeigte er plötzlich wieder sein bestes Tennis und verlängerte die Partie mit allein vier Assen in den vierten Satz. Der wurde noch umkämpfter. Die Partie wurde immer hochklassiger, Federer wehrte zwei Matchbälle ab und erzwang einen fünften Durchgang. Der wird in Wimbledon ohne Tiebreak gespielt und so musste das Finale bei ständig drohendem Abbruch bis zum bitteren Ende durchgespielt werden. Nach einer weiteren kleinen Regenpause beim 2:2 (40:40) und dem vierten Matchball war der Königssturz schließlich perfekt.

© SID

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