Tennis World Team Cup
Schweden triumphieren im Rochusclub

Zum vierten Mal hat Schweden den World Team Cup in Düsseldorf gewonnen. Das entscheidende Doppel gegen Russland gewannen Robin Söderling und Robert Lindsted in drei Sätzen.

Als das schwedische Tennisteam beim Arag World Team Cup seinen vierten Sieg bei der Mannschafts-WM feierte, hatten die deutschen Spieler den Düsseldorfer Rochusclub längst verlassen - der völlig frustrierte Nicolas Kiefer noch nicht mal Richtung French Open, sondern mit der offiziellen Begründung einer fiebrigen Halsentzündung Richtung Heimat. "Sie haben sich geschlossen verabschiedet und sich für diese Woche bedankt", sagte Turnierdirektor Dietloff von Arnim, der dem Team von Patrik Kühnen eine geschlossene Mannschaftsleistung und ein gutes Auftreten auf und neben dem Platz bescheinigte.

Ein bisschen stand er mit seiner Meinung jedoch alleine da, denn was die Deutschen im Verlauf der Turnierwoche boten, war in jeder Beziehung bestenfalls mäßiger Durchschnitt. Neun Matches, sechs Einzel und drei Doppel, spielten Philipp Kohlschreiber, Nicolas Kiefer, Ersatzmann Denis Gremelmayr sowie das Doppel Philipp Petzschner und Christopher Kas - unter dem Strich standen gerade mal drei Siege. "Mir war von Anfang an klar, dass die Gruppe mit Spanien, Italien und Russland sehr schwer werden würde", sagte Teamkapitän Kühnen.

Turniersieger Schweden beendete den Arag World Team Cup als ungeschlagener Champion und holte den vierten Titel nach 1988, 1991 und 1995. Robin Söderling, der als dritter Spieler nach John Mcenroe (USA) und Fernando Gonzalez (Chile) im Verlauf der Düsseldorfer Turnierwoche seine vier Einzel und vier Doppel gewann, hatte die Skandinavier mit einem 6:3, 6:1 gegen Michail Juschni in knapp einer Stunde fast im Spaziergang in Führung gebracht, ehe der frühere Australian-Open-Champion Thomas Johansson mit dem 6:2, 3:6, 4:6 gegen Igor Andrejew den Ausgleich kassierte. Das entscheidende Doppel gewannen Söderling und Robert Lindstedt gegen Juschni und Dimitri Tursunow 4:6, 7:6 (7:5), 11:9.

Von derlei Höhenflügen war die seltsam seelenlose deutsche Mannschaft weit entfernt, ihr mangelte es vor allem an einer starken Führungspersönlichkeit. Kohlschreiber gewann zwar seine beiden Matches gegen den völlig indisponierten David Ferrer (Spanien) und Potito Starace (Italien), stand dann aber im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Igor Andrejew auf vollkommen verlorenem Posten. Auch als Sympathieträger kann sich Kohlschreiber nicht so recht etablieren, zu groß ist die Diskrepanz zwischen der sportlichen Realität auf dem Platz und seinem forschen Auftreten.

Kiefer nicht im Vollbesitz seiner Kräfte

Auch Kiefer war in Düsseldorf alles andere als ein souveräner Leistungsträger. Gegen Spanien fehlte er wegen eines grippalen Infekts, gegen Italien schaffte er es trotz zweimaliger 5:2-Führung im ersten und zweiten Satz gegen Simone Bolelli nicht, den zweiten Punkt zu machen, und gegen Russlands Ersatzmann Tursunow wirkte er so plan- und hilflos, dass er schon mal vorausschauend seinen Start bei den French Open in Frage stellte: "Wenn ich so spiele wie hier, muss ich erst gar nicht nach Paris fahren." Keine 24 Stunden später meldete er sich tatsächlich beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres ab - zweifellos ein Tiefpunkt in der wechselvollen Karriere des spielerisch besten deutschen Profis.

Selbst die teaminterne Begeisterung über das neue deutsche Paradedoppel Petzschner/Kas überdauerte nicht einmal zwei Matches. Mochten die beiden auch gegen Spanien den entscheidenden Punkt für die Gastgeber gewonnen haben, so bekamen sie gegen Italien und Russland schonungslos ihre Grenzen aufgezeigt. Es hat in der deutschen Turniergeschichte in Düsseldorf schon wesentlich bessere Doppel gegeben, auch wenn Patrik Kühnen Petzschner/Kas Hoffnung auf mehr machte: "Sie haben sich hier bestimmt auch für die Zukunft empfohlen."

Wie diese Zukunft speziell im deutschen Tennis aussehen soll, darüber machte sich in Düsseldorf niemand Geringerer als Boris Becker Gedanken. "Wenn ich mir die Ergebnislisten der großen Turniere anschaue, sehe ich kaum deutsche Namen", sagte der 40-Jährige: "Um den Nachwuchs in Deutschland ist es nicht sehr gut bestellt, und ich muss ehrlich sagen, dass ich das nicht verstehe." Wenigstens hat Deutschland einen stets gut gelaunten Teamkapitän. "Die Stimmung in der Mannschaft war phantastisch", versicherte Patrik Kühnen. Kein Wunder, wenn man mit Mittelmaß zufrieden ist.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%