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Henin-Hardenne: "Das beste Jahr meiner Karriere"

Nach ihrem Sieg beim Masters in Madrid hat Justine Henin-Hardenne die Saison als Nummer eins beendet. Nun will die Belgierin genießen und über ihre Zukunft nachdenken, sicherlich auch über ihr großes Ziel: Wimbledon.

Auch noch heute verneigt sich Justine Henin-Hardenne in Ehrfurcht vor ihrem großen Idol Steffi Graf. Seit Sonntag wird die kleine Belgierin wieder einmal in einem Atemzug mit der Brühlerin genannt. Als erste Spielerin seit Graf 1993 erreichte Henin-Hardenne in einem Kalenderjahr das Finale aller vier Grand-Slam-Turniere und beendete die Saison nach einem Sieg beim Masters als Nummer eins der Welt.

"Das war das beste Jahr meiner Karriere", sagte die 24 Jahre alte French-Open-Siegerin nach ihrem Triumph über die Französin Amelie Mauresmo, gegen die sie zwei der vier Grand-Slam-Endspiele (Melbourne und Wimbledon) verloren hatte: "Jetzt will ich den Augenblick genießen und dann in aller Ruhe über die Zukunft nachdenken."

Eigene Stiftung für krebskranke Kinder

Die Vergangenheit war nicht immer leicht für Justine Henin-Hardenne, die mit 57 Kilo Körpergewicht, verteilt auf 167 Zentimeter, den Ball vor allem mit ihrer berühmten einhändigen Rückhand wie eine Kanonenkugel beschleunigt. Als sie zwölf war, starb ihre Mutter an Krebs. Ihr Andenken würdigt sie heute mit ihrer Stiftung "Les 20 Coeurs de Justine - die 20 Herzen von Justine", die krebskranke Kinder und Jugendliche unterstützt.

Auch die eigene labile Gesundheit machte der jungen Frau, die mit zwei Jahren erstmals einen Mini-Tennisschläger in der Hand hielt, immer wieder einen Strich durch die sportliche Rechnung. Knieverletzungen, Probleme mit dem Rücken und den Gelenken, Pfeiffersches Drüsenfieber - Justine Henin-Hardenne kennt die ganze Bandbreite. Auch ihre Teilnahme in Madrid war bis zuletzt fraglich, eine Wadenverletzung hatte sie zwei Monate außer Gefecht gesetzt.

Doch dann ging alles ganz einfach. Ihr Trainer Carlos Rodriguez, dem sie seit zehn Jahren die Treue hält, gab ihr eine ebenso simple wie effektive Strategie mit auf den Weg. "Er wusste, dass ich für lange Ballwechsel noch nicht genug Kraft habe, deshalb hat er mir geraten, aggressiv zu spielen, oft ans Netz zu gehen und schnelle Punkte zu machen", erzählte sie nach dem Finale.

Mauresmo schwer beeindruckt von Justines Aggressivität

Justine Henin, die am Donnerstag dieser Woche ihren vierten Hochzeitstag mit Ehemann Pierre-Yves Hardenne feiert, hielt sich an die Marschroute ihres Trainers und wurde für ihren Mut zum Risiko belohnt. "Sie hat einfach besser gespielt als ich", gab die geschlagene und als Nummer eins entthronte Amelie Mauresmo neidlos zu: "Sie war unglaublich druckvoll und aggressiv, so habe ich sie lange nicht erlebt."

Macht ihr die Gesundheit nicht wieder einen Strich durch die Rechnung, wird man Justine Henin-Hardenne im nächsten Jahr noch viel öfter so erleben. Ihre große Herausforderung ist Wimbledon, das einzige Grand-Slam-Turnier, das sie noch nicht gewonnen hat. "Wimbledon ist sicher mein großes Ziel, aber ich bin nicht von dem Gedanken besessen, dort zu gewinnen", sagt sie. Sie wird es auf ihre Art angehen: Bescheiden, ruhig - und ungeheuer effektiv.

© SID

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