Tennisprofi Dustin Brown
Ein deutscher Held

Dustin wer? Tennisspieler Dustin Brown hat mit seinem Sieg über Rafael Nadal die Tenniswelt überrascht – und ist Gesprächsthema Nummer eins in Wimbledon. Auch, weil er der Typ Sportler ist, aus dem Helden gemacht werden.
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Düsseldorf, LondonUnd dann ausgerechnet wieder dieser Dustin Brown. „Ich wusste, dass ich ihn auf Rasen schlagen kann“, sagte der Deutsche. Vor einem Jahr in Halle hatte er Nadal schon einmal bezwungen. Der Spanier war damals als French-Open-Champion angereist und schimpfte über die unorthodoxe Spielweise Browns. Dies sei „kein Tennis“, wütete der Mallorquiner. Am Donnerstag warf die Nummer 102 der Weltrangliste Nadal mit 7:5, 3:6, 6:4, 6:4 aus dem bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt. Ausgerechnet in Wimbledon, wo eins Boris Becker zum Sporthelden wurde, am mythischsten Tennisort der Welt, gelang dem 30-Jährigen mit dem markanten Äußeren der bisher größte Wurf seiner Karriere.

Als „Paradiesvogel“ wird Brown bezeichnet. Seine Vita ist dabei mindestens ebenso außergewöhnlich wie sein Aussehen. Der Dreadlocks tragende Spieler, Sohn einer Deutschen und eines Jamaikaners, fällt in der durch und durch elitären und als „weißer Sport“ bekannten Disziplin in jeder Hinsicht auf. Bis heute hat Brown keinen festen Trainer, er kann sich schlichtweg keinen leisten. Er ist Autodidakt, tingelte mit einem Kleinbus von Turnier zu Turnier. Der ultimative Underdog. Wieder die Parallele zu Boris Becker, dem vor genau 30 Jahren bei seinem ersten Triumph auf dem heiligen Rasen alle Herzen zuflogen, weil er der Außenseiter war und mit Leidenschaft kämpfte.

Natürlich ist es für Brown bis dahin noch ein weiter Weg. In der dritten Runde der All England Championships trifft er auf den Serben Viktor Troicki. Als letzter von anfangs acht deutschen Herren geht es für ihn ums Achtelfinale. Vor zwei Jahren bekam Brown schon einmal die Chance in Wimbledon. Damals schlug er spektakulär den ehemaligen Turniersieger Hewitt – und schied in der dritten Runde nach einer kläglichen Vorstellung gegen einen Franzosen namens Adrian Mannarino aus.

„All diese Erfahrungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin“, sagt Brown heute. Was das Tennis betrifft und auch als Person und Charakter. Das habe zu diesem großartigen Tag geführt, „wahrscheinlich der beste Tag in meinem Leben“. Und über sich als Menschen sagt er: „Ich bin, wie ich bin. So war ich mein ganzes Leben lang. Natürlich ist es schön, wenn die Leute das mögen. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich mich zu sehr darum kümmern würde, was die Leute über all das denken, was ich tue, hätte ich wahrscheinlich nicht diese Frisur und würde nicht so aussehen, wie ich aussehe.“

Browns Traum vom Centre Court lebt. „So viel Schwung aus dem Unterarm haben nicht viele“, sagt etwa Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. Und Ex-Profi Nicolas Kiefer schwärmt: „Dustin hat Talent und die richtige Ausstrahlung.“ Mit Brown träumt auch eine Sportnation, die seit Steffi Graf und Boris Becker nach Helden giert. Tennis war einmal die zweitbeliebteste Sportart in Deutschland, heute ist es die Nummer zwölf, noch hinter Eiskunstlauf.

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