Thomas Bach
Deutscher will IOC-Präsident werden

IOC-Kronprinz Thomas Bach will es wissen: Als zweiter Deutscher nach Willi Daume kandidiert der 59-Jährige für das höchste Amt im Weltsport. Der bisherige Vize will den scheidenden Präsidenten Jacques Rogge beerben.
  • 2

BerlinPer Brief informierte Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim, Thomas Bach, den ausscheidenden Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, und die restlichen IOC-Mitglieder von seinen Plänen. Das bestätigte die Ringe-Organisation der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung, wer als neunter IOC-Präsident die Nachfolge von Rogge antritt, wird am 10. September in Buenos Aires von der IOC-Vollversammlung gefällt.

IOC-Vize Thomas Bach hat seine Kandidatur für das höchste Amt im Weltsport bestätigt. „Nach langen reiflichen Überlegungen und vielen Konsultationen und Gesprächen mit Freundinnen und Freunden im internationalen Sport habe ich mich entschlossen, bei der Wahl zum IOC-Präsidenten im September zu kandidieren“, sagte der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim am Donnerstag in Frankfurt am Main.

In etwa vier Wochen wolle er seine Kandidatur offiziell beim IOC einreichen und dann programmatische Ideen vorstellen. Motto seines Wahlkampfprogramms sei „Einheit in Vielfalt“. In Grundsatzreden hat er sich bisher als Vertreter der traditionellen olympischen Werte positioniert. Nach den gescheiterten Bemühungen von Willi Daume 1980 ist Bach der zweite Deutsche, der den Gipfelsturm versucht. „Es wäre eine Anerkennung für den deutschen Sport“, so Bach.

In einem Brief hatte er den scheidenden Präsidenten Jacques Rogge und die restlichen IOC-Mitglieder über sein Vorhaben informiert. Deutschlands Ober-Olympier machte als erster der Kandidaten seine Ambitionen öffentlich. Die 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird am 10. September in Buenos Aires entscheiden, wer als neunter IOC-Präsident die Nachfolge des Belgiers Rogge antreten wird.
Sein nationaler Förderer Willi Daume war beim Versuch, Ober-Olympier zu werden, 1980 chancenlos gescheitert.

Bach ist seit 2006 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seit 1991 sitzt der Franke im IOC. Er ist als Vorsitzender der Juristischen Kommission im IOC und Chef der Disziplinarkammer bei Olympischen Spielen ein unentbehrlicher Zuarbeiter für Rogge.

Bei den Winterspielen 2010 in Vancouver war er zum dritten Mal nach 2000 in Sydney und 2006 in Turin zum IOC-Vizepräsidenten gewählt worden. Um ein klares Bekenntnis zu seinen sportpolitischen Ambitionen hatte sich Bach monatelang gedrückt. Dabei hat er sich in zahlreichen Grundsatzreden längst positioniert und als Vertreter der traditionellen olympischen Werte offenbart.

Knapp vier Monate vor dem finalen Votum in der argentinischen Hauptstadt beginnt jetzt die heiße Wahlkampfphase. An Buenos Aires hat Bach zumindest schon mal beste Erinnerungen: Dort hatte er 1977 - ein Jahr nach dem Olympiasieg mit der Florettmannschaft - auch den Teamweltmeistertitel geholt.

Neben Richard Carrion aus Puerto Rico zählen der Asiate Ser Miang Ng, der ukrainische Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka und die Schweizer IOC-Granden René Fasel, Präsident des Eishockey-Weltverbandes und Denis Oswald zu Bachs härtesten Konkurrenten um die IOC-Präsidentschaft.

Die Ringe-Organsiation wurde in ihrer 119-jährigen Geschichte nur einmal von einem Nicht-Europäer angeführt: Von 1952 bis 1975 vom US-Amerikaner Avery Brundage.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Thomas Bach: Deutscher will IOC-Präsident werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hauptsache korrupt, etwas anderes war in diesem Metier nie als Qualifilation nötig. Ach ja Seilschaften sind auch wichtig. Schliesslich wollen ja noch die ganzen Steigbügelhalter bereichern. In meinen Augen brauch diese ganzen Verbänden kein Mensch mehr.

  • Sehr geehrte Redaktion,

    die Übernahme des Berichtes der dpa mit der Kapitelüberschrift

    Bekommt das internationale olympische Komitee den zweiten deutschen Präsidenten in seiner Geschichte?

    ist leider fehlerhaft.

    Willi Daume war nie IOC-Präsident. Die Chancen Willi Daumes, des Konkurrenten von Juan Antonio Samaranch bei der Wahl 1980, waren durch die Nichtteilnahme des westdeutschen Olympiateams in Moskau minimiert worden. Samaranch „ließ sich mit Horst Dasslers Hilfe zum Präsidenten küren“.

    Mit freundlichen Grüßen


    Andreas Feith

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%