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Thüringen-Rundfahrt nach Todesfall verkürzt

Die Thüringen-Rundfahrt soll nach dem tragischen Unfall-Tod der Australierin Amy Gillett nur verkürzt stattfinden. Eine komplette Absage des Radrennens ist allerdings kein Thema mehr.

Bei der Thüringen-Rundfahrt der Frauen wurde nach dem tragischen Unfalltod von Amy Gillett am Dienstag nicht gefahren. "Das Rennen wird dennoch stattfinden, wenn auch verkürzt", sagte Tour-Manager Christian Bergemann nach der Trauerfeier am Dienstag auf dem Marktplatz in Zeulenroda mit rund 200 Gästen und allen Mannschaften, darunter auch die aus Berlin angereiste australische Botschafterin.

Das für Dienstag angesetzte Einzelzeitfahren wurde abgesagt und wird auch nicht nachgeholt. Bei dem Unglück wurden fünf weitere Radfahrerinnen aus Australien schwer verletzt, von denen eine noch in Lebensgefahr schwebt. "Man kann nicht einfach so weiterfahren. Wir konnten nicht schlafen, wir sind geschockt und entsetzt, aber das trifft es nur halb. Wir haben Australier im Team, die sofort ins Krankenhaus gefahren sind", sagte die Olympiazweite und Weltmeisterin Judith Arndt dem sid.

Fahrerinnen tragen Trauerflor

Die Fahrerinnen werden bei der Rundfahrt einen Trauerflor tragen. BDR-Geschäftsführer Karsten Schütze hatte sich noch vor der Trauerfeier klar für einen Start der Tour am Mittwoch mit der 2. Etappe von Zeulenroda nach Greiz ausgesprochen: "Ich habe danach sofort an die Olympischen Spiele 1972 in München gedacht, als der IOC-Präsident Brundage nach dem Attentat gesagt hat: "The Games must go on". Es wird sicher keine fröhliche Tour, aber es könnte helfen, das Drama zu verarbeiten."

Eine 18 Jahre alte Fahranfängerin war am Montagnachmittag mit ihrem PKW ins Schleudern geraten und in die Gruppe der australischen Radsportlerinnen gerast, die sich auf einer Trainingsfahrt befanden. Die 29-jährige Amy Gillett überlebte den Aufprall nicht. "Amy war eine einmalige Athletin, die es in zwei Sportarten bis in die Weltspitze geschafft hat. Unser tiefstes Mitgefühl gilt ihrer Familie", sagte John Coates, Präsident des Australischen Olympia-Komitees.

Die mit einem Ruder-Weltmeister verheiratete Amy Gillett war bei den Olympischen Spielen 1996 noch im Rudern für ihr Heimatland angetreten. 2000 wechselte sie zum Radsport, wo sie es unter die Top 100 schaffte. Beste Platzierung beim Weltcup in diesem Jahr war ein 22. Platz im neuseeländischen Wellington. Australiens Ministerpräsident John Howard sicherte Gilletts Familie und den anderen Verletzten sofort vollste Unterstützung zu.

Trainingskolleginnen mit schwersten Verletzungen

Schwerste Verletzungen erlitten Alexis Rhodes (Brüche im Brustkorbbereich und schwere Gehirnerschütterung) und Louise Yaxley (Operation nach schwerem Trauma). Katie Brown (komplizierter Beinbruch), Lorian Graham (Fraktur von Knie, Finger und beiden Schlüsselbeinen) und Kate Nichols (Sehnenverletzung an der Hand) erlitten ebenfalls schwere Verletzungen.

"Wir hoffen jetzt natürlich, dass diese Athleten bald wieder gesund werden und möglichst schnell nach Australien zurückkehren können", sagte Australiens Radsport-Chef Graham Fredericks.

BDR sagt Unterstützung zu

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sagte den verunglückten Frauen von "Down Under" alle Unterstützung zu, Geschäftsführer Schütze reiste am Dienstag zur Trauerfeier mit Kranzniederlegung nach Thüringen. "Es wird dafür gesorgt, dass alle Betroffenen psychatrisch und seelsorgerisch betreut werden", sagte Schütze.

Die Unfallverursacherin wurde ebenfalls schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft will ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung einleiten.

© SID

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