Tiefe Enttäuschung und Tränen in Paris
Dramatischer Showdown mit Knalleffekt

Die Sensation ist perfekt: Nicht der große Favorit Paris, sondern die britische Hauptstadt London hat den Zuschlag für die Ausrichtung der XXX. Olympischen Sommerspiele erhalten. Diese Entscheidung fällte am Mittwoch die 117. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Singapur. London richtet damit als erste Stadt zum dritten Mal Olympische Spiele aus, während Paris zum dritten Mal nach 1992 (Sieger Barcelona) und 2008 (Peking) mit einer Bewerbung gescheitert ist. Zuvor gab es aber noch eine peinliche Abstimmungspanne.

HB SINGAPUR. Die Entscheidung war an Dramatik nicht zu überbieten und fiel erst im vierten und letzten Wahlgang im direkten Duell der beiden Metropolen mit 54 zu 50 Stimmen zu Gunsten Londons. „Das ist ein bedeutender Tag für London“, jubelte Premierminister Tony Blair. Die Spiele 2012 sollen vom 27. Juli bis 12. August stattfinden, die Paralympics einige Wochen später. Auf London wartet neben dem enormen Prestigegewinn auch rund eine Milliarde Dollar des IOC als Anteil aus Fernseh- und Sponsorenverträgen. London hatte bereits 1908 und 1948 Sommerspiele organisiert.

Die russische Hauptstadt Moskau hatte im ersten Wahlgang die wenigsten Stimmen der fünf Bewerber erhalten. New York schied nach dem zweiten, Madrid nach dem dritten Wahlgang aus. Der deutsche Bewerber Leipzig war schon bei der Vorauswahl des IOC am 18. Mai 2004 gescheitert.

London beeindruckte nicht nur das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach, der als Chef der Juristischen Kommission die Aufsicht führte, durch „eine glänzende Mischung aus Fakten und Emotion", die Bewerbungschef Sebastian Coe moderierte. Das heruntergekommene Londoner Eastend soll sich laut Coe in „ein Sportparadies für die Jugend vieler kommender Generationen" verwandeln. Insgesamt sollen bis 2012 rund 30 Mrd. Dollar in Infrastruktur und Sportstätten investiert werden, mehr als in jeder anderen Stadt. Nach Schätzungen verfolgten über eine Milliarde Zuschauer rund um die Welt das Ende im Kampf der Giganten um die fünf Ringe.

Während ganz London Kopf stand, gab es in Paris ungläubige und traurige Gesichter. Der Sieg Londons wurde mit Buhrufen quittiert. Tausende Schaulustige auf dem Rathausplatz blickten fassungslos auf den Riesenbildschirm, auf dem die Entscheidung von Singapur direkt übertragen wurde.

„Das ist nicht zu glauben, ich weiß nicht, was ich sagen soll“, sagte ein Besucher. „Scheiße, es sind die Roastbeefs“, lautete ein Kommentar in einem Café. „Wir gehörten zu den Favoriten, wir haben an unsere Kandidatur geglaubt“, sagte ein Sprecher des Rathauses. Die Menschen, die kurz zuvor noch hoffnungsvoll Fähnchen geschwenkt hatten, verließen schweigend und niedergedrückt den Rathausplatz, wo es ausgerechnet in diesem Augenblick auch noch zu regnen begann.

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