Timo Boll
„Trickserei passt nicht zum Tischtennis“

Timo Boll ist das Aushängeschild im deutschen Tischtennis. Wo der Weltklassespieler auffällt, wie er seinen Sport aus der Nische führt und warum er gerade gegen die gesamte chinesische Elite antritt.

Timo Boll ist seit Jahren einer der besten deutschen Tischtennisspieler. Der 35 Jahre alte Rekord-Europameister möchte bei Olympia in Rio eine Medaille gewinnen. Durch drei Videos mit dem Roboterhersteller Kuka erreichte er ein Millionenpublikum, das weit über seinen Sport hinausgeht. Bis 2018 präsentiert er Kuka, nun sogar direkt auf dem Trikot.

Herr Boll, wenn sie in China landen, bahnen Sicherheitskräfte Ihnen am Flughafen eine Gasse durch begeisterte Fans. Das Problem haben Sie an deutschen Flughäfen nicht?
Nein, das ist mir in Europa oder speziell in Deutschland noch nicht passiert. Die Chinesen sind eben eine Tischtennis-Nation wie die Deutschen eine Fußball-Nation sind.  

Hierzulande gibt es fast 600 000 Vereins- und Millionen von Hobbyspielern. Warum kommt Tischtennis in der öffentlichen Wahrnehmung dennoch nicht aus der Nische?
Das Fernsehen räumt uns zu wenig Übertragungszeit ein. Außerdem ist Tischtennis eine sehr komplexe Sportart.

Wenn zum Beispiel ein Aufschlag mit einem starken Unterschnitt über das Netz fliegt und der Gegner dann den Ball ins Netz schiebt.
Genau. Gerade dieser Rotationsbereich kommt im Fernsehen schlecht rüber. Die Bälle der Weltklassespieler kommen mit solch extremen Kurven auf die Gegner zu, dass selbst Profis manchmal wie Anfänger wirken.

Der Deutsche Tischtennis-Bund hat den Baumaschinenhersteller Liebherr und die ARAG-Versicherung als Hauptsponsoren. Warum kommen nicht weitere große Geldgeber?
Das Hauptproblem ist: Es ist unglaublich schwierig, ins Fernsehen zu kommen. Wir haben zwar Exklusivverträge mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Sie könnten unsere Matches also bei internationalen Wettkämpfen übertragen.

Theoretisch. Praktisch tun die Sender jedoch nichts?
Das beste Beispiel dafür ist das WM-Mannschaftsfinale zwischen Deutschland und China 2012 in Dortmund. Wir spielten vor 14.000 Zuschauern. Was ist noch attraktiver als ein Wettkampf gegen die beste Tischtennisnation im eigenen Land? Den Wettkampf haben die Öffentlich-Rechtlichen dennoch nicht live gezeigt. Was soll man denn noch mehr erreichen?

China schlagen!
Leider wissen alle: China ist derzeit fast unschlagbar. Doch man sieht es ja auch in Fernost, dass sich Tischtennis gut präsentieren lässt. Die Ausrede des Fernsehens lasse ich nicht gelten.

Die Menschen erreichen Sie trotzdem. Mit dem Roboterhersteller Kuka haben Sie drei Videos produziert. Der Film „The Duell“ zwischen einem Roboter und Ihnen brachte es auf Youtube und Youko insgesamt auf mehr als 15 Millionen Ansichten, mehr als 24.000 Likes und mehr als 5000 Kommentare.
Uns hat es sehr überrascht, dass der Film ein Publikum erreichte, das weit über das Tischtennis hinausging. Leider nahmen manche Kommentatoren aus der Technik-Szene das Video zu ernst. Es ging zwar um den Kampf Mensch gegen Maschine, aber am Ende war alles ein Werbegag. Unter dem Strich bleibt eine Supergeschichte, die so erfolgreich ist, dass Kuka Ende  April sogar den dritten Film der Serie vorgelegtt hat.

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