Tischfußball-WM
Psychokrieg um den richtigen Dreh

Die erste Tischfußball-Weltmeisterschaft fand am Wochenende in Hamburg statt. Im Halbfinale bezwang Deutschland die Brasilianer unter den Tischfußballern: Belgien.

HAMBURG. Seit endlosen zwanzig Sekunden pendelt der Ball am Fuß des blauen Spielers hin und her. Wieder zur Seite. Verzögert. Geklemmt. Deutschland gegen England. Die Kontrahenten stehen sich Auge in Auge gegenüber. Er zockt. Pass hin, Pass her, Täuschung. Der Gegner soll die Nerven verlieren. Eine falsche Bewegung und die Verteidigung ist entblößt.

Dann knallt es: Die kleine Kugel zischt ins Tor. Tim Ludwigs Mittelstürmer aus der Dreierreihe hat getroffen. Das Spiel ist aus. Deutschland schlägt England und später im Halbfinale auch Belgien – zumindest bei der ersten Tischfußball-WM, die gestern in Hamburg zu Ende ging. Ob es auch für den Titel gereicht hat, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft des „großen Bruders“ Fußball duellierten sich 200 Tischfußballer aus 20 Nationen. Und Deutschlands Halbfinalsieg mag da durchaus ein gutes Omen sein für Klinsmann & Co., denn bei Belgien spielt der fast unschlagbare Frédéric Collignon, der Ronaldinho des Tischfußballs.

Auf dem Weg zur Trendsportart

Gekickert wurde in der Fischauktionshalle, wo sonst sonntags ab vier Uhr der frische Fang mit Bierseligkeit und Live-Musik zelebriert wird. Noch vor ein paar Jahren hätten die Kickertische hierher gepasst in dieses verqualmte Ambiente. Wo der Aschenbecher auf dem Spieltisch steht und der Schluck aus der Bierpulle das Zielwasser ist.

Doch die WM-Tage von Hamburg zeigen einen Sport, der längst ein Trend ist – und bald vielleicht schon ein Fernseh-Massenphänomen wie Darts. Längst gibt es auf Betriebsfeiern Matches zwischen Abteilungen. Selbst Firmenchefs drehen Plastikmännchen an Carbon-Stangen und jagen Bälle übers Spielfeld.

„Der Sport fasziniert schnell“, findet Stefan Rössle von der Agentur „Kontrapunkt“, die die Tischfußball-WM organisiert. „Ohne teure Ausrüstung kann jeder loslegen. Spannung, Psychologie, Geschicklichkeit – alles auf engstem Raum.“ Mit dem Kneipenkick hat das Geschehen bei den Besten allerdings nichts mehr zu tun.

Tim Ludwig, Deutschlands bester Tischfußballer, erklärt, worauf es ankommt. „Eigentlich ist es langsam, du guckst den Gegner aus. Was hat er eben für Schüsse abgefeuert? Wie kannst du beim nächsten Mal seinen Trick schon vorher erahnen?“ Beliebter Trick: hektische Bewegungen des Gegenspielers provozieren und so überhastete Schüsse auslösen.

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