Tischtennis EM
Änderung des EM-Rhythmus sorgt für großen Unmut

Der veränderte EM-Rhythmus sorgt vor allem beim Deutschen Tischtennis-Bund für Ärger. Die Häufung von Top-Ereignissen innerhalb eines Jahres sei so zu groß und gefährde den Stellenwert einer Europameisterschaft.

Die Umstellung des EM-Rhythmus hat bereits einen prominenten Fürsprecher. Timo Boll begrüßte es bei der Mannschafts-WM in Bremen, dass künftig alle zwölf Monate statt wie bisher alle zwei Jahre eine Europameisterschaft ausgerichtet wird: "Das ist gut, dadurch hat man mehr Chancen auf wichtige Titel. Ich finde das sehr positiv."

Diese Meinung allerdings hat der Weltranglistenzweite im Lager des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) exklusiv. Funktionäre, Trainer und Bolls Mitspieler befürchten massive Probleme durch den Beschluss, der außerdem künftig eine Austragung der EM-Championate im Herbst statt bislang im Frühjahr vorsieht.

2008 buhlen drei Großereignisse um Gunst der Top-Spieler

"Man muss sich das nur anschauen: 2008 findet zu Beginn die Mannschafts-WM in China statt, danach kommen im Sommer die Olympischen Spiele in Peking, und dann sollen kurz danach wieder alle bei der EM spielen - na dann: viel Spaß", sagt Herren-Bundestrainer Richard Prause. Sein Vorgesetzter sieht das genauso. "Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die EM 2008 für Spitzenspieler sicher das unwichtigste Turnier ist", meint Chefbundestrainer Dirk Schimmelpfennig.

Der europäische Verband Ettu allerdings erhofft sich mehr Aufmerksamkeit für ihre wichtigste Veranstaltung, die im derzeitigen Turnus im Schatten der kurze Zeit später stattfindender Einzel-Weltmeisterschaften steht. Doch auf der Suche nach mehr Öffentlichkeit ging die Ettu erst einmal auf Tauchstation: Die Verbandsspitze verweigerte in Bremen partout jegliche Erläuterung der wichtigen Entscheidung. Nicht einmal die Bitte des Weltverbandes Ittf konnte Ettu-Chef Stefano Bosi (Italien) zur Abgabe offizieller Stellungnahmen bewegen.

Mehr EM-Termine trotz weniger Ausrichtungs-Bewerber

Die "Mauer-Taktik" indes kann durchaus Methode haben: Zwar stimmte nur der Dttb gegen die Turnus-Änderung, doch birgt der Beschluss außer der grundsätzlichen Termin-Problematik noch einige weitere Schwierigkeiten. Das geht bei grundlegenden Dingen schon los: Eine Abstimmung mit der Ittf über die künftige Termin-Gestaltung der vom Weltverband organisierten Pro Tour unter den neuen Bedingungen hat noch gar nicht stattgefunden. Außerdem war der Dttb noch vor der Rhythmus-Änderung bereits für 2009 der einzige Bewerber um die EM-Ausrichtung, und auch für 2008 war in Bremen dem Vernehmen nach weit und breit kein ernsthafter Interessent in Sicht.

Außer den in den vergangenen Jahren beinahe schon chronischen Mangel an geeigneten Bewerbern hatte der Dttb für seine Ablehnung des Antrages recht gute Gründe. "Durch die Umstellung fallen die EM-Qualifikationsspiele weg. Wir haben dadurch keine Möglichkeit mehr, unsere Nationalmannschaften außerhalb von großen Turnieren im eigenen Land zu vermarkten", erläuterte Dttb-Präsident Thomas Weikert. Sorgen muss dem Dttb auch der künftige EM-Termin machen: Kontinentale Titelkämpfe im Herbst stellen die Bedeutung der zuletzt regelmäßig im November stattfindenden German Open in Frage.

Prause sieht Gefahr der EM-Verwässerung

Prause sieht außerdem die Gefahr einer "Verwässerung des Stellenwertes einer EM" und erhält dabei Unterstützung durch den Düsseldorfer Doppel-Vizeweltmeister Christian Süß: "Drei Top-Ereignisse in einem Jahr - das kann nicht gut sein."

Schimmelpfennig führt einerseits die Notwendigkeit von zusätzlichen Vorbereitungsterminen am Saisonanfang als negative Auswirkung an und fordert zugleich mehr Großereignisse in Deutschland als Ausgleich für die wegfallenden Auftritte seiner Aktiven vor heimischem Publikum: "Der Dttb muss jetzt einfach öfter eine EM oder WM ausrichten."

© SID

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