Tischtennis EM
Boll der Star bei EM in Belgrad

Gleich drei Goldmedaillen gab es für Timo Boll bei der Tischtennis-EM in Belgrad. Nach dem Sieg im Doppel mit Christian Süß und Gold im Mannschafts-Wettbewerb holte der Weltranglistenvierte auch im Einzel den Titel.

Timo Boll hat durch sein Titel-Triple bei der Tischtennis-EM in Belgrad den Aufstieg der deutschen Männer zu den "Chinesen Europas" gekrönt. Der Welranglistenvierte feierte im Einzel durch ein 4:1 im Finale gegen Titelverteidiger Wladimir Samsonow (Weißrussland) seinen zweiten Einzel-Triumph nach 2002 und machte damit den Durchmarsch des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) im Männer-Bereich nach dem Mannschaft-Gold perfekt. Knapp zwei Stunden zuvor hatte der 26-jährige Boll mit seinem Düsseldorfer Vizeweltmeister-Partner Christian Süß auch im Doppel Gold gewonnen.

"Ich hatte mir erhofft, dass ich dreimal gewinnen kann, doch damit rechnen konnte man nicht unbedingt. Ich bin sehr stolz auf dieses Ergebnis, das mir hoffentlich noch mehr Auftrieb für die WM im Mai in Zagreb gibt und ich dann vielleicht endlich auch einmal ine WM-Medaille gewinne", sagte der "König von Belgrad" und richtete noch in der Stunde seines sporthistorischen Triumphes den Blick auf das nächste Ziel. In Kroatiens Hauptstadt war Bolls Stern vor fünf Jahren durch die ersten EM-Erfolge in Einzel und Doppel aufgegangen.

Boll auf Waldners Spuren

Der Hesse schrieb durch seine Gala Tischtennis-Geschichte: Boll ist der erste Spieler seit Schwedens Idol Jan-Ove Waldner 1996 in Bratislava, der bei einem EM-Turnier alle drei möglichen Männer-Titel eroberte. Insgesamt gelang dieses Kunststück in der 49-jährigen EM-Geschichte vor Boll lediglich fünf Spielern.

Bolls Erfolg gegen Samsonow machte für den Dttb zusammen mit den beiden zuvor gesicherten Titeln und insgesamt dreimal Bronze auch die erfolgreichste EM-Bilanz seit exakt dem gleichen Ergebnis vor elf Jahren perfekt und den Verband zur Nummer eins auf dem Kontinent. Sechs Medaillen sind darüber hinaus Deutschlands größte Ausbeute seit den sieben Podiumsplatzierungen 2000 in Bremen.

Erste Damen-Medaille seit sieben Jahren

Drei Goldmedaillen sowie eine Bronze-Plakette für "EM-Gewinner" Dimitrij Ovtcharov (Tündern), der beim 0:4 im Halbfinale gegen Boll nach seinem sagenhaften Siegeszug allerdings nicht ernsthaft an der nationalen Vormachtstellung des zweimaligen Weltcupsiegers rütteln konnte, sind für die deutschen Männer zudem das stärkste EM-Resultat überhaupt (zuvor 2002 zweimal Gold und einmal Silber).

Boll und Co. schafften außerdem als erst dritte Nation und erstes Team seit Schweden 1996 den dreifachen Titel-Triumph und schufen damit beinahe chinesische Verhältnisse. Bei den Frauen, wo die Chinesin Li Jioa für die Niederlande den Titel gewann, erreichte das Doppel Elke Wosik/Wu Jiaduo (Busenbach/Kroppach) nach Platz drei mit der Mannschaft durch Bronze die erste Dttb-Medaille in den EM-Einzelwettbewerben seit sieben Jahren.

Schimmelpfennig: "Europa ist nicht genug"

"Wir sind natürlich sehr zufrieden mit unserem Abschneiden. Außer über den grandiosen Erfolg der Männer sind wir aber auch sehr froh, dass die Frauen nach Bronze mit der Mannschaft durch das Doppel noch einmal auf dem Treppchen gestanden haben", resümierte Dttb-Präsident Thomas Weikert.

Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig bewertete die Dttb-Bilanz "als großen Erfolg". Der Kölner blickte allerdings gleich nach vorn: "Europa ist nicht genug. Wir müssen jetzt unseren Fokus auf das Weltniveau richten, denn auf dieser Ebene finden unsere nächsten Höhepunkte mit der Einzel-WM in Zagreb, der Mannschafts-WM 2008 in China und besonders den Olympischen Spiele in Peking statt. Wir sind aber stark genug, um nicht nur in Europa vorne zu bleiben, sondern auch auf dem Weltniveau erfolgreich zu sein." Schon die WM in Kroatien soll diese Einschätzung bestätigen: "Wir fahren mit großem Selbstbewusstsein nach Zagreb."

EM auch für Süß"einfach fantastisch"

Besonders im Vergleich mit den auf dem Globus dominierenden Chinesen darf sich der Dttb außer mit Boll im Einzel allerdings auch durch sein Paradedoppel Boll/Süß gute Chancen ausrechnen. Das 4:1 gegen die polnisch-kroatische Kombination Lucjan Blaszczy/Tan bedeutete für das Duo den ersten gemeinsamen Titel bei internationalen Meisterschaften nach EM-Bronze beim Debüt 2005 im Aarhus sowie Silber bei der WM wenige Wochen später in Schanghai.

"Nach dem Mannschaftstitel nun im Doppel eine zweite Goldmedaille gewonnen zu haben, ist einfach fantastisch", kommentierte der 21-Jährige Süß den Erfolg. Die Goldmedaille für Boll/Süß war der dritte Doppel-Erfolg für deutsche Spieler in der EM-Geschichte. Die erste Goldmedaille in dieser Konkurrenz hatte 1998 Ex-Weltmeister Jörg Roßkopf mit Samsonow gefeiert, ehe Boll vier Jahre später mit Zoltan Fejer-Konnerth auf dem obersten Podest stand.

© SID

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