Tischtennis EM
Boll ist vor EM "selbst gespannt, wie es ausgeht"

Nach einer Rückenverletzung geht Timo Boll als Favorit in die am Sonntag beginnenden Tischtennis-EM im eigenen Land. Im SID-Interview sieht Boll seinen Körper als "größten Gegner."

Am Sonntag beginnt in Stuttgart der Tischtennis-Höhepunkt des Jahres. Ganz vorne dabei sein bei der EM im eigenen Land will auch der dreifache Titelverteidiger Timo Boll. Nachdem der 28-Jährige die WM verletzungsbedingt absagen musste, findet Boll nun mit Schwimmen und Rad fahren zu alter Stärke zurück. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst spricht Boll über seinen Ruf als Favorit und seinen größten Gegner - seinen eigenen Körper.

SID: "Herr Boll, nachdem Sie die WM wegen einer Rückenverletzung verpasst haben, ist die EM in Stuttgart nun der Höhepunkt des Jahres. Wie fit sind Sie?"

Timo Boll: "Die Form ist ganz passabel. Ich habe zwar nur ein Spiel in der Liga bestritten, aber ich musste im Hinblick auf meine körperliche Verfassung einfach etwas umstellen und habe deshalb zwei Turniere ausgelassen. Es ist sozusagen ein neuer Weg, ein Experiment. Ich bin selbst gespannt, wie es ausgeht."

SID: "Haben Sie Ihr Training umgestellt?"

Boll: "Ja. Ich bin viel geschwommen. Manche meinen schon, ich hätte bereits Schwimmhäute zwischen den Fingern. Ich laufe kaum, da ist die Belastung zu hoch. Ich fahre viel Rad und habe mir jetzt für zu Hause einen Ergometer bestellt."

SID: "Haben Sie die Probleme im Griff?"

Boll: "Mein Körper ist mein größter Gegner. Der hat mir schon oft genug einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe zum Glück großes Talent und kann auch mit wenig Aufwand viel erreichen. Ich achte beim Training eher auf die Qualität als auf die Quantität. Das funktioniert ganz gut."

SID: "Das heißt, Sie sind wieder voll belastbar?"

Boll: "Je länger ich schmerzfrei bin, desto größer wird das Vertrauen in meinen Körper. Im Sommer gab es ein paar kleine Rückschläge, seit einigen Wochen bin ich aber nahezu schmerzfrei."

SID: "Wieviel fehlt noch zur Top-Form?"

Boll: "Das ist schwer zu sagen. Im vergangenen Jahr war die Belastung beispielsweise extrem. Da habe ich enorm von der Olympiavorbereitung profitiert. In so einer guten Verfassung war ich körperlich noch nie, auch jetzt bin ich noch nicht wieder auf diesem Niveau."

SID: "Würden Sie denn rückblickend etwas anders machen?"

Boll: "Es war vielleicht ein Fehler, dass ich nach Olympia kaum noch etwas für die Kondition getan habe. Ich habe ja nur noch Turniere gespielt. Das hatte auch etwas mit meiner Motivation zu tun."

SID: "Bei dem vollgepackten Termin-Kalender im Tischtennis, kann das jederzeit wieder passieren. Sind Sie nun vorsichtiger?"

Boll: "Ich werde mir künftig bestimmte Turniere raussuchen, die ich spiele. Ich brauche Spiele gegen die Top-Chinesen, um mich weiterzuentwickeln. Also werde ich öfter nach Asien fahren, denn da ist die Chance nunmal am größten, dass die Chinesen auch da sind."

SID: "In Stuttgart sind natürlich keine Chinesen dabei, Sie sind für alle der große Favorit. Sehen Sie das genauso?"

Boll: "Ich sehe mich in diesem Jahr nicht als absoluten Favoriten. Doch auch im vergangenen Jahr habe ich den Team-Wettbewerb gebraucht, um in das Turnier zu kommen. Da war ich nicht überragend, aber danach lief es optimal."

SID: "Haben Sie denn einen Außenseitertipp?"

Boll: "Das ist unsere Heim-EM. Da sind für mich alle deutschen Spieler Geheimfavoriten. Ich hoffe, dass uns die Fans gewaltig pushen werden."

© SID

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