Tischtennis EM
Boll jagd Legende Waldner

Riesenchance für Timo Boll: Der Topfavorit könnte heute bei der EM in Ostrau Legende Jan-Ove Waldner hinter sich lassen. Der heute 44-Jährige Schwede gewann damals elf Titel.

Jan-Ove Waldner hat Timo Boll vieles voraus. 15 Jahre Lebenserfahrung, zwei Weltmeistertitel im Einzel, einen Olympiasieg, ein kleines Bäuchlein. Und doch muss Schwedens Tischtennis-Genie, das im stolzen Alter von 44 Jahren immer noch in der Bundesliga aufschlägt, damit leben, dass Boll ihm vielleicht bald etwas voraus hat. Deutschlands Ausnahmespieler kann in den Individualwettbewerben der EM in Ostrau zum alleinigen Rekordspieler der 52-jährigen Turnierhistorie aufsteigen - und den "Mozart des Tischtennis" (11 EM-Titel) hinter sich lassen.

Da man nicht jeden Tag die Chance bekommt, eine Legende zu überflügeln, geht Boll das Thema defensiv an. "Zunächst einmal muss ich Titel holen, dann kann ich auch einen Blick auf die Statistik werfen", sagte die Nummer zwei der Weltrangliste vor dem Mannschaftsfinale am heutigen Abend gegen Weißrussland. Und, EM schön und gut: "Eine Einzel-Medaille bei einer WM, das wärs. Das fehlt mir, da will ich hin." Jan-Ove Waldner hat nicht weniger als sechs davon im Schrank.



Boll Nummer eins der Setzliste

Nun sind aber kontinentale Titelkämpfe angesagt, und Boll ist traditionell Topfavorit in Einzel und Doppel (mit Christian Süß). Es scheint, als könne sich der 29-Jährige nur selbst schlagen - oder gegen seinen weißrussischen Dauerrivalen Wladimir Samsonow verlieren. "Nach dem Halbfinal-Aus gegen Michael Maze 2009 bin ich der Jäger und nicht der Gejagte, wie sonst immer", behauptet Boll zwar, doch die Realität sieht etwas anders aus: Boll ist die Nummer eins der Setzliste, Titelverteidiger Maze ist verletzt.

Abgesehen von Bolls einstigem Düsseldorfer Teamkollegen Samsonow lauert die größte Konkurrenz erfreulicherweise im eigenen Lager. Süß ist an Position vier gesetzt und hat Boll im DM-Finale geschlagen, Dimitrij Ovtcharov wird an Nummer drei geführt, erlitt aber im Team-Halbfinale gegen Frankreich am Dienstagabend eine Knöchelverletzung.

Für die Harmonie im Doppel jedenfalls kommt Süß und Boll der Spielplan der Fußball-Bundesliga entgegen. Denn Boll, der Dortmunder, und Süß, der eingefleischte Schalker, fiebern dem Revierderby entgegen - das zum Glück erst am Sonntag ist, einen Tag nach dem Doppelfinale. Sonst hätte es im wahrsten Sinne des Wortes eine Zerreißprobe werden können: "Als wir das letzte Mal gemeinsam geschaut haben, ist mir beim Jubeln ein Muskel gerissen", sagte Boll.



"Haben ein mentales Problem"

Zumindest vor einer Nervenprobe stehen die deutschen Damen, denn die bittere Viertelfinal-Pleite gegen Rumänien (2:3) nagt am Selbstbewusstsein. "Wir haben ein mentales Problem, müssen kreativer und mutiger werden", sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio, nachdem seine Spielerinnen eine Medaille trotz vier "Bronze-Bällen" leichtfertig verschenkt hatten.

Nun müssen Titelverteidigerin Jiaduo Wu und ihre Kolleginnen den Schalter umlegen und das kleine sportliche Drama abhaken. Die Leistungen im Teamwettbewerb jedenfalls gaben keinen Aufschluss darüber, ob Wu eine Chance hat, den Erfolg von Stuttgart zu wiederholen. "Ich sehe zwei, drei Konkurrentinnen stärker als sie", sagte Bitzigeio. Wu setzt sich nicht unter Druck: "Ich muss von Runde zu Runde denken - sonst verliere ich mein Niveau."

© SID

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