Tischtennis EM
Boll spielt im Einzel und Doppel um EM-Gold

Das deutsche Doppel Timo Boll/Christian Süß steht bei der Tischtennis-EM in Belgrad im Finale. Im Einzel-Halbfinale setzte sich Boll zudem gegen Dimitrij Ovtcharov durch und spielt nun ebenfalls um Gold.

Seine Titel Nummer zwei und drei vor Augen, will sich Timo Boll in Belgrad zum König der Tischtennis-Europameisterschaften krönen und den deutschen Männern damit ihr bestes EM-Ergebnis aller Zeiten bescheren. Der Europameister von 2002 aus Gönnern wehrte im nationalen Prestigeduell des Halbfinales den Ansturm des kampflos in die Medaillenränge gesprungenen Shootingstars Dimitrij Ovtcharov (Tündern) mit 4:0 ab und greift damit am Sonntag im Einzel genauso nach Gold wie im Doppel mit dem Düsseldorfer Christian Süß. Bei den Frauen hat das Doppel Elke Wosik/Wu Jiaduo (Busenbach/Kroppach) durch seinen Sprung in die Vorschlussrunde auch schon mindestens Bronze sicher, so dass der Deutsche Tischtennis-Bund (Dttb) mit insgesamt sechs Medaillen seine stärkste EM-Bilanz seit den sieben Podiumsplätzen 2000 in Bremen erzielte.

"Letzten Schritt zum Titel machen"

"Ich habe versucht, nicht daran zu denken, dass da noch ein Deutscher steht. Die Erfahrung meines Finalsieges bei der DM Anfang März, wo Dima ja schon seine Gefährlichkeit für mich gezeigt hatte, war aber trotzdem sehr wertvoll. Ich bin froh, dass ich dieses Spiel hinter mir habe und hoffe nun, dass ich den letzten Schritt zum Titel auch noch machen kann", meinte der Weltranglistenvierte Boll nach dem Erfolg über seinen noch 68 Positionen tiefer notierten Kollegen aus der Europameister-Mannschaft.

Im Finale (17.00 Uhr) trifft der zweimalige Weltcupsieger, der im Viertelfinale dem Slowenen Bojan Tokic mit 4:0 keine Chance gelassen hatte, auf den amtierenden EM-Champion Wladimir Samsonow (Weißrussland). Im Doppel-Endspiel (15.00 Uhr) peilen Boll und sein Vizeweltmeister-Partner Süß nach dem 4:1 im Semifinale über Titelverteidger Werner Schlager (Österreich) und den Franzosen Patrick Chila gegen Lucjan Blaszczyk/Tan Ruiwu (Polen/Kroatien) ihren ersten gemeinsamen Titel bei internationalen Meisterschaften an. Schon bei nur einer weiteren Goldmedaille wäre das beste Resultat der Dttb-Männer in der 49-jährigen EM-Historie perfekt (bisher zweimal Gold und einmal Silber 2002 in Zagreb).

Bundestrainer freut sich über "schönes Arbeitsverbot"

Die Szenerie vor dem "Showdown" zwischen Boll und Ovtcharov, der schon seit Freitag durch den Verzicht seines verletzten Viertelfinalgegners Kalinikos Kreanga (Griechenland) als Medaillengewinner festgestanden hatte, erinnerte an chinesische Verhältnisse bei vielen WM-Endspielen - denn die Trainer-Stühle in den Boxen-Ecken der beiden künftigen Düsseldorfer blieben den internationalen Gewohnheiten bei nationalen Duellen entsprechend leer. "Für mich war es ein schönes Arbeitsverbot, dass ich in einem EM-Halbfinale nicht betreuen durfte. Entspannt war ich aber trotzdem nie: Ständig hatte ich Angst, dass sich einer der beiden verletzt", berichtete Bundestrainer Richard Prause über seine ungewohnte Tribünen-Perspektive.

"Himmelstürmer" Ovtcharov, der mit seinen Eltern als dreijähriges Kleinkind aus der Ukraine nach Deutschland gekommen war, griff zunächst erwartungsgemäß an. Boll musste gegen den Rechtshänder im ersten Durchgang auch sechs Satzbälle abwehren, zementierte allerdings nach dem 17:15 in den folgenden Sätzen seine Vormachtstellung in Deutschland nachhaltig: Mit 11:8, 11:6 und 11:6 wahrte der Hesse seine nahezu makellose Bilanz von nur einem Satzverlust in bislang sechs Einzel-Matches.

Wosik/Wu beenden Durststrecke der Frauen

Da Wosik/Wu durch ihren Einzug ins Halbfinale (4:3 gegen die Österreicherinnen Liu Jia/Veronika Heine) eine siebenjährige Durststrecke der Dttb-Frauen ohne EM-Medaille in den Individual-Wettbewerben beenden konnten, fiel das Zwischenfazit von Dttb-Präsident Thomas Weikert nach dem vorangegangen Männer-Gold und Frauen-Bronze im Mannschafts-Turnier sehr positiv aus: "Wir haben schon jetzt ein Super-Ergebnis erreicht. Besonders freut mich aber auch, dass die Medaille für Wosik/Wu das Bild wirklich rund gemacht hat."

Bei den Frauen avancierte die für die Niederlande spielende Europe-Top-12-Siegerin Li Jiao zur vierten Chinesin auf dem EM-Thron. Die 34-Jährige gewann das erste EM-Finalduell zwischen zwei naturalisierten Spielerinnen aus dem Reich der Mitte gegen die neun Jahre ältere Ex-Europameisterin Ni Xia Lian (Luxemburg) 4:2.

© SID

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