Tischtennis EM
Boll und Co. besteigen erneut Europas Thron

Deutschlands Tischtennis-Männer haben ihren EM-Titel erfolgreich verteidigt. "Das war eine großartige Mannschaftsleistung", jubelte Timo Boll nach dem 3:2 gegen Weißrussland.

Die deutschen Tischtennis-Asse um Timo Boll sind erneut auf den europäischen Tischtennis-Gipfel gestürmt. Die Team-Olympiazweiten behielten in einem dramatischen EM-Finale in St. Petersburg gegen Weißrussland mit 3:2 die Oberhand und revanchierten sich damit für die Final-Niederlage von 2003. Den deutschen Männern gelang erst als dritte Nation überhaupt die erfolgreiche Titelverteidigung.

Boll: "Das war eine großartige Mannschaftsleistung"

"Wir sind hier über den Kampf Europameister geworden und nicht, weil wir spielerisch geglänzt haben. Das war eine großartige Mannschaftsleistung", sagte Boll. Nach einem Kuss von Ehefrau Rodelia verschwand er zur Dopingkontrolle in die Katakomben und genehmigte sich auf den Erfolg ein kleines Bier.

Jungstar Dimitrij Ovtcharov erkämpfte gegen Witali Nechwedowitsch den entscheidenden Punkt. Der gebürtige Ukrainer wurde durch das 3:1 unter den Augen seines Vaters zum Matchwinner. Dabei bewies der erst 20-Jährige unter lauten "Dima, Dima"-Rufen ungeheure Nervenstärke und befreite sich selbst aus den schwierigsten Situationen mit viel Raffinesse. Letztlich nutzte Ovtcharov seinen vierten Matchball und wurde von seinen jubelnd heranstürmenden Mitspielern vor Freude zu Boden gerissen.

Samsonow bezwingt Boll und Ovtcharov

Boll und Bastian Steger punkteten ebenfalls und komplettierten wie schon im Halbfinale gegen Österreich die starke Teamleistung. Lediglich Weißrusslands Star Wladimir Samsonow holte auf Seiten der Osteuropäer die Zähler durch deutliche Siege gegen Boll und Ovtcharov.

Bisher war es lediglich Ungarn einmal und dem früheren Seriensieger Schweden mehrmals gelungen, den Titel zu verteidigen. Für den Deutschen Tischtennis-Bund (Dttb) war es bereits die 19. Goldmedaille der 50-jährigen EM-Geschichte.

Boll legte von den deutschen Schlachtenbummlern angetrieben gegen Nechwedowitsch einen Traumstart hin. In knapp 15 Minuten fegte er den Weißrussen vom Court und gönnte seinem Gegenüber lediglich zwölf Punkte. Auf der Ehrentribüne jubelte der eigens ins Deutschland-Trikot geschlüpfte Dttb-Präsident Thomas Weikert seinem Spitzenathleten aus Düsseldorf begeistert zu.

Boll verpasst die Entscheidung

Anschließend ging der 20-jährige Dimitrij Ovtcharov hoch motiviert gegen den Weltranglistenfünften Samsonow an den Tisch. Doch der dreimalige Europameister aus Weißrussland zeigte der deutschen Nummer zwei schnell die Grenzen auf und siegte ganz locker 3:0.

Steger (Frickenhausen) brachte die deutschen Männer durch ein 3:0 gegen Jewgeni Tschtschetinine wieder zurück auf die Siegerstraße. Der 27-Jährige lieferte sich mit dem Defensivspezialisten dabei reihenweise spektakuläre Ballwechsel. Doch wie schon zuvor Ovtcharov hatte auch Boll im Prestige-Duell mit Samsonow keine Chance, kassierte ein 0:3 und machte es noch einmal spannend.

© SID

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