Tischtennis EM
Dttb-Team setzt sich Europas Krone auf

Der erste EM-Sieg für die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) in der 49-jährigen Geschichte der Titelkämpfe ist perfekt. Im Finale in Belgrad setzten sich Timo Boll und Co. gegen Kroatien mit 3:0 durch.

Die deutschen Tischtennis-Herren sind erstmals Europameister. Durch einen glatten 3:0-Finalsieg gegen Kroatien in Belgrad eroberten die WM-Dritten erstmals in der 49-jährigen Geschichte der Titelkämpfe den kontinentalen Thron und brachen damit zugleich den Final-Fluch von zuvor fünf Niederlagen in den fünf EM-Endspielen deutscher Männer-Mannschaften seit 1980.

"Es ist schön, diesen Titel gewonnen zu haben. Nochmal Silber wäre für uns wie Blech gewesen. So viele Generationen haben es vergeblich versucht, aber wir haben es endlich geschafft. Dieses Gold hat für mich einen besonderen Stellenwert", kommentierte der Weltranglistenvierte Boll den jahrzehntelang ersehnten Triumph für die favorisierte Mannschaft von Bundestrainer Richard Prause.

Dttb-Asse erstmals mit Mentaltrainer

Ihre vor dem Finale bei Problemen mit übereifrigen Türstehern am Halleneingang sowie dem vermeintlich uneben stehenden Tisch in der Box spürbare Anspannung wirkte sich auf die erstmals bei einem großen Turnier auch von einem Mentaltrainer begleiteten Asse des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) im Match nicht negativ aus: Boll (Gönnern) sorgte gleich im Spitzeneinzel gegen Altmeister Zoran Primorac für das beruhigende 1:0, ehe EM-Debütant Dimitrij Ovtcharov (Tündern) gegen den in Kroatien eingebürgerten und in der Bundesliga für Würzburg spielenden Hongkong-Chinesen Tan Ruiwu erneut ein wichtiges Break gelang. Sinnigerweise Doppel-Vizeweltmeister Christian Süß beendete die bittere Wartezeit der Dttb-Männer auf den Titel in der Königsdisziplin danach mit einem 3:2 gegen Roko Tosic.

Nach Bolls Ansicht kann Belgrad den Beginn einer Erfolgsära bedeuten: "Wir haben eine junge und gute Mannschaft und gehören sicher auf Jahre zu den Favoriten", sagte der 26-Jährige nach seinem insgesamt dritten EM-Titel nach dem "Doppelpack" 2002 in Zagreb in Einzel und Doppel.

Süß und Ovtcharov mit glänzenden Perspektiven

Tatsächlich besitzt das Team des Dttb, der durch sein insgesamt 16. Gold nunmehr auch den letzten von sieben bei EM-Championaten zu vergebenden Titeln gewonnen hat, hinter Boll insbesondere durch Süß und Ovtcharov glänzende Perspektiven: Süß ist erst 21 Jahre alt und der als dreijähriges Kleinkind aus der Ukraine nach Deutschland gekommene "Shootingstar" Ovtcharov sogar noch drei Jahre jünger. Boll und Süß bestritten alle vier Partien auf dem Weg zum Titel, während Ovtcharov nur im Viertelfinale gegen Weißrussland aus taktischen Gründen für Rekordnationalspieler Jörg Roßkopf (Gönnern) auf der Bank saß.

Besonders "Rossi", der nach Gold 1992 im Einzel und 1998 im Doppel seine EM-Titelsammlung wie Boll komplettierte, maß dem Sieg große Bedeutung zu. Für den 37 Jahre alten "Mr. Tischtennis", der schon bei den Finalniederlagen 1990 sowie mit Boll 2000 und 2003 zu den "Pechvögeln" gehört hatte, war das Mannschafs-Gold der letzte unerfüllte Traum: "Ich habe mir lange gewünscht, dass einmal für uns die Hymne gespielt wird, und bin unsagbar froh, dass die ewige Jagd endlich vorbei ist. So oft haben wir in den 90er Jahren am Thron der Schweden gerüttelt und es doch nie geschafft. Wir haben es wirklich verdient, Europameister zu sein."

"Mich macht das sehr glücklich"

Auf der Tribüne erinnerte sich auch Dttb-Ehrenpräsident und Sporthilfe-Chef Hans Wilhelm Gäb an die vielen Enttäuschungen der vergangenen Jahre: "Beim ersten EM-Finale unserer Herren 1980 in Bern war ich Delegationleiter und hätte damals nicht geglaubt, dass ich noch 27 Jahre warten muss, bis wir diesen Titel endlich gewinnen. Mich macht das sehr glücklich. Diese junge Mannschaft begeistert und hat noch viel Potenzial."

Direkt hinter der Box hatte Verbandspräsident Thomas Weikert (Limburg) im Dttb-Trikot als "Anführer" einer deutschen Fan-Kolonie unter den allerdings nur 1 500 Zuschauern im weiten Rund der 20 000 Besucher fassenden "Belgrade Arena" mit Prauses Team gefiebert. "Dieser Erfolg war ein Herzenswunsch von uns allen. Es ist der verdiente Lohn für harte Arbeit und bringt uns vielleicht noch einen zusätzlichen Aufschwung", sagte der Jurist.



© SID

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