Tischtennis EM
Europas Tischtennis droht ein Machtkampf

Nach einem Alleingang des europäischen Tischtennis-Verbandes Ettu in Sachen eines neuen EM-Modus droht ein Machtkampf mit seinen Mitgliedsverbänden, allen voran Deutschland.

Machtkampf statt konstruktives Miteinander: In der Debatte um einen neuen EM-Modus hat der Alleingang des europäischen Tischtennis-Verbandes Ettu für heftige Kritik gesorgt. Ettu-Präsident Stefano Bosi verkündete in Stuttgart einen Reformplan, wonach die EM weiterhin jährlich, allerdings alle zwei Jahre ohne Team-Wettbewerb stattfinden soll.

"Das ist ein Schritt in die falsche Richtung", sagte Thomas Weikert. Der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) erfuhr erst nach einer Pressekonferenz von Bosis Plänen und wetterte: "Wir wollen an der Spielplangestaltung beteiligt werden."

Norwegen zieht Zustimmung zurück

Hinter den Kulissen tobt ein heftiger Machtkampf um die Zukunft des bedeutendsten europäischen Turniers. Auf dem Ettu-Kongress am Donnerstag sollte eigentlich über einen Vorschlag von Schweden, Dänemark und Norwegen diskutiert werden, wonach die EM nach Vorbild der WM getrennt werden sollte. In geraden Jahren sollten Einzel- sowie Doppel-, in ungeraden Team-Medaillen vergeben werden.

Zur Verblüffung vieler distanzierte sich Norwegen kurz vor Kongressbeginn von dem Papier, die Resolution war vorerst geplatzt. Abhilfe soll nun eine Arbeitsgruppe schaffen, in der auch der Dttb vertreten sein will. Eine endgültige Entscheidung soll auf dem Kongress während der Team-WM in Moskau im Mai kommenden Jahres fallen. Der neue Modus soll bereits 2012 in Kraft treten.

Finanzielle Gründe überwiegen

Dass sich die Ettu mit ihrem faulen Kompromiss nahezu an ein jährliches Mammutprogramm klammert, hat finanzielle Gründe. Das gibt Bosi offen zu, in seiner Argumentation liegen ihm jedoch vor allem die Mitglieder am Herzen. "Medaillen bedeuten für die Verbände Geld. Gibt es weniger Medaillen, verdienen sie weniger Geld", sagte der Italiener.

Außerdem habe sich der jährliche Rhythmus bewährt, zu dem die EM seit 2007 gewechselt ist. "Wir haben für die EM 2012 schon drei Bewerber und zwei für die Titelkämpfe 2013", sagte Bosi. Es gebe zwar noch immer Fehler in dem Turnier, aber der neue Rhythmus habe den Wert der EM sogar noch erhöht.

Bosis Sorge ist, dass bei einer Trennung von Individual- und Team-Wettbewerb die Stars bei letzterem fern bleiben. "Wenn wir eine strikte Trennung vollziehen, ist das Risiko sehr groß, dass die besten Spieler nur alle zwei Jahre antreten", sagte Bosi.

EM in aktueller Form nicht mehr zeitgemäß

Allerdings zeigt sich in Stuttgart, dass eine EM mit vollgepackten acht Wettkampftagen nicht mehr zeitgemäß ist. Dänemarks Star Michael Maze trat zum Doppel erst gar nicht an, Dimitrij Ovtcharov beschwerte sich nach seinem Zweitrunden-Aus über die vielen Spiele. "Ich bin am Mittwoch Team-Europameister geworden und muss am Donnerstag gleich viermal spielen. Der Zeitplan ist nicht der beste", sagte der 21-Jährige.

In der Arbeitsgruppe sollen zumindest mehrere Vorschläge diskutiert werden. Somit ist auch der Plan der Skandinavier mit einem fünftägigen Turnier, der auch bei Deutschen und Niederländern großen Anklang findet, noch nicht gänzlich vom Tisch. Der Wunsch des Dttb geht sogar noch weiter. Man wolle entweder zurück zum alten zweijährigen Modus oder die EM zumindest in Olympiajahren ausfallen lassen. Für diese Ideen fehlen dem Verband allerdings bisher noch Mitstreiter.

© SID

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